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16:31 30.11.2018
Die Funktionskontrolle der Fischaufstiegshilfe verlief erfolgreich, machte aber Nachbesserungen erforderlich. Links: Totholz wurde eingebaut. Rechts: Buhnen wurden angelegt. Quelle: Matthias Anke
Hohenofen

Zweieinhalb Jahre nach der Fischzählung am Dosse-Wehr in Hohenofen als Funktionstest der dort damals noch recht neuen Fischwanderhilfe wurden die Ergebnisse jetzt erstmals öffentlich präsentiert. Der lange Zeitraum erklärt sich angesichts des nun vorliegenden, wissenschaftlichen Berichts, der ganze 180 Seiten umfasst. Diesen präsentierte Daniel Schmidt vom Dresdner „Team Ferox“, seinerzeit noch für das Ingenieurbüro IPP Hydro Consult (IHC) aus Cottbus unterwegs, nun den Sieversdorf-Hohenofener Gemeindevertretern im Schnelldurchlauf. Und sie erfuhren: Es wurden aufgrund der Ergebnisse in diesem Jahr bereits erste Nachbesserungen an der Anlage vorgenommen.

„Ich hatte mich mit meiner Erklärung von Defiziten erstmal nicht beliebt gemacht beim Landesumweltamt“, sagte Schmidt. Ihm zur Seite stand Ingenieurin Mareike Eichler vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Dosse-Jäglitz. Der WBV ließ die Funktionskontrolle für den Fischaufstieg schließlich durchführen, nachdem zuvor unterhalb des Wehres erst alles verändert worden war wiederum über den WBV im Auftrag des Landesumweltamtes.

Ein weiterer Grund für die Bauweise der Aufstiegshilfe

„Wir hatten eine gute Lösung gefunden“, sagte sie mit Blick auf den damaligen Bau einer Betonwand, die den Fluss seither zugunsten flussaufwärts wandernder Fische in zwei Hälften teilt: in einen strömungsstärkeren und einen strömungsschwächeren Bereich. Die bis dahin vorhandene sogenannte Sohlgleite sei zu schwer für die Tiere zu passieren gewesen und ging damit nicht mehr konform mit den Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese sieht vor, bestimmte Flüsse wie die Dosse wieder durchlässig zu machen.

Die Anlage im Flussbett der Dosse kurz vor dem Wehr in Hohenofen. Quelle: Matthias Anke

„Das war auch die beste Variante, da somit auf der einen Seite gebaut werden konnte und auf der anderen der Wasserabfluss garantiert blieb“, sagte Daniel Schmidt. Ansonsten das Flusswasser für die Zeit der Arbeiten um das komplette Bauwerk künstlich herumzuführen, „wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen“.

Dies so erklärt zu bekommen, ließ Bürgermeister Hermann ­Haacke aufhorchen. Seinerzeit habe das niemand so ins Feld geführt, als sich vor allem die Einwohner über das Aussehen der Mauer wunderten. Sie erinnerte wegen ihrer ­T-Elemente an eine DDR-Grenzmauer im Miniaturformat.

So sah die neue Trennwand im Flussbett damals noch vor ihrer Einkürzung aus. Quelle: Matthias Anke

Deren Höhe verschandelte zudem das Landschaftsbild. Erst nach Protesten wurde sie eingekürzt.

Die Anlage funktioniert

Doch sie funktioniert, wie Daniel Schmidt nun erläuterte: An den beiden oberen Enden der Aufstiegshilfe wurden mit je einer Reuse „99,9 Prozent der Fische erfasst, die hoch wollten“. An 30 Tagen im Frühjahr 2016 schwammen 244 in die eine und 211 Fische in die andere Falle.

Während der Fischzählung im Frühjahr 2016. Quelle: Matthias Anke

Es handelte sich jeweils um bis zu zehn Arten. Am meisten waren es Rotaugen und Ukeleis, gefolgt vom Hasel. Zwischen den Steinen hatten sie offenbar genug Platz zum Durchschwimmen. „Die sind sehr gut angeordnet. Das habe ich schon schlechter gesehen“, sagte Schmidt. Auch die Anlage an sich biete „eine gute Lebensraumqualität“. Mancher Fisch würde gar nicht weiter müssen. Schließlich gehe es über einen sogenannten „Vertical slot“ auch noch direkt am Wehr vorbei die Dosse weiter flussaufwärts.

Allerdings fanden sich im Fazit auch Hinweise wie „Absturzhöhen zu hoch“, oder es war die Rede von einer „Unterrepräsentanz“ rheophiler, sprich strömungsliebender Fische wie Schmerlen, Quappen und Döbel etwa. Neunaugen und Forellen wurden keine erfasst, wenngleich sie vorkommen, wie zuvor eine Elektrobefischung im Flusslauf als „vergleichende Fischbestandserfassung“ ergeben hatte.

Nachbesserungen schon erfolgt

„So eine Kontrolle ist immer nur eine Momentaufnahme“, schränkte der Experte ein. Sie taugte trotzdem dem Auffinden von Schwachstellen. Neben der biologischen erfolgte schließlich auch eine technisch-hydraulische Prüfung. Der Wasserdurchfluss und -druck wurde an etlichen Punkten gemessen. Schmidt sprach daraufhin von einem „Korrekturbedarf“.

Die entsprechenden Empfehlungen griff das Landesumweltamt auf. Erneut rückten über den WBV Leute mit schwerem Gerät an. Es wurde Totholz eingebaut. Zudem sorgen jetzt kleine Buhnen für ruhigere Bereiche quasi als Pausenzonen genau dort, bevor es für die Fische in die „Stromschnellen“ geht.

Eine weitere Kontrolle dessen wiederum sei nun laut Mareike Eichler nicht vorgesehen. Aber, so attestierte es Daniel Schmidt der gesamten Anlage: „Das sieht jetzt alles gut aus.“

Von Matthias Anke

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