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Neustadt Landesgrenze stoppt Breitbandausbau
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Landesgrenze stoppt Breitbandausbau
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00:24 11.02.2019
Ein RTL-Fernsehteam ließ sich jetzt von Anwohnern die mitten auf der Dorfstraße von Kümmernitz/Breddin-Abbau verlaufende Landesgrenze erklären. Quelle: Alexander Beckmann
Breddin

Gute Neuigkeiten: Kümmernitz bei Breddin bekommt demnächst richtig schnelles Internet: Glasfaser bis in jedes Haus, 500 Megabit pro Sekunde und mehr.

Die schlechte Nachricht: So, wie es momentan aussieht, bleiben einige Haushalte des Ortes außen vor. Die Einwohnerschaft ist nämlich geteilt: durch die Dorfstraße und die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Die Gemarkungsgrenze verläuft mitten auf der Dorfstraße

Der Ort ist ein historisches Kuriosum. Irgendwann im Dunkel der Geschichte wurde er aufgeteilt. Der Legende nach ging diesem Akt ein Kartenspiel mit hohem Einsatz auf der Plattenburg voraus, erzählt Breddins Bürgermeister Reinhard Neumann.

Breddin-Abbau gehört zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Quelle: Alexander Beckmann

Jedenfalls verläuft seitdem mitten auf der Dorfstraße eine Gemarkungsgrenze. Südlich davon heißt der Ort Kümmernitz. Der kleine Teil nördlich mit vielleicht zehn Haushalten nennt sich Breddin-Abbau.

Zwei Müllabfuhren, zwei verschiedene Postzusteller

Als man Havelberg in den 50er Jahren dem DDR-Bezirk Magdeburg zuschlug, wurde aus der Gemarkungs- eine Bezirksgrenze, die Anfang der 90er Jahre zur Grenze zweier Bundesländer aufstieg. Die Leute auf der einen Straßenseite sind Brandenburger, die auf der anderen Sachsen-Anhaltiner. Durch die schmale Straße fahren zwei Müllabfuhren, es gibt zwei verschiedene Postzusteller und man liest zwei verschiedene Zeitungen: die MAZ oder die Magdeburger Volksstimme.

Kümmernitz gehört zum Landkreis Stendal. Quelle: Alexander Beckmann

Die Kümmernitzer und Abbauer haben sich längst dran gewöhnt. Aber manchmal wird es eben doch schwierig. So wie jetzt beim Breitbandausbau.

Zweckverband soll Region erschließen

Im Landkreis Stendal, zu dem Kümmernitz gehört, haben sich Kommunen zum Zweckverband Breitband Altmark ZBA zusammengeschlossen. Sein Ziel ist die Erschließung der Region mit modernster Leitungstechnik.

Wie es ums Internet in Kümmernitz/Breddin-Abbau derzeit steht, ist etwas unklar. Laut Breitbandatlas des Bundes ist die Gegend bereits gut erschlossen. Einzelne Anwohner rechts wie links der Landesgrenze berichten jedoch anderes.

Baustart soll Ende des Jahres sein

Auf jeden Fall plant der Zweckverband den flächendeckenden Glasfaserausbau auf seinem Gebiet und hat dafür Fördermillionen vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt erhalten. „Der Baustart ist für Ende 2019 avisiert“, kündigt Verbandsgeschäftsführer Andreas Kluge an. „Wann Kümmernitz dran ist, lässt sich noch nicht genau sagen.“

Fest steht: Breddin-Abbau ist in den Plänen nicht enthalten. Die eine Straßenseite soll die Glasfaser bekommen, die andere nicht. „Das ist eine richtig besondere Situation“, gesteht Andreas Kluge ein. „Wir würden gerne helfen. Aber rein formal können wir es nicht. Breddin-Abbau ist nun mal keine altmärkische Kommune.“

Bereich ist auf die Kreise Stendal und Salzwedel beschränkt

Der Wirkungsbereich des Verbandes sei per Satzung auf die Landkreise Stendal und Salzwedel beschränkt, erklärt Kluge. Darüber könne er sich nicht hinwegsetzen. Zudem habe das Land Sachsen-Anhalt die Fördermittel natürlich für seine eigenen Bürger bereitgestellt und nicht für Brandenburger.

Nicht alle Kümmernitzer wollen sich damit zufriedengeben. „Ich kann’s nicht nachvollziehen“, sagt beispielsweise Joachim Schmiedl, der auf anhaltinischer Seite eine Autowerkstatt betreibt – nur wenige Meter von seinen Brandenburger Nachbarn entfernt. Es müsse sich doch ein Weg finden lassen, auch sie an der neuen Infrastruktur teilhaben zu lassen, erklärte er jetzt einem RTL-Fernsehteam, das sich mit der Geschichte beschäftigte.

Kreisverwaltung in Neuruppin reagiert verhalten

Der stellvertretende Kümmernitzer Ortsbürgermeister Hans-Peter Rose hat das Gespräch mit dem Stendaler Landrat gesucht. Die Breddiner Seite nahm über die Amtsverwaltung in Neustadt Kontakt zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin auf. Vielleicht findet sich ja eine Möglichkeit, dass die Brandenburger sich in dem Fall am Glasfaserausbau beteiligen.

Auf eine Anfrage der MAZ reagierte die Kreisverwaltung in Neuruppin eher verhalten. Der Landkreis setze beim Breitbandausbau auf ein Bundesprogramm für Gegenden, die bisher mit weniger als 30 Megabit pro Sekunde auskommen müssen, schreibt Marian Kotschew vom Pressebüro der Kreisverwaltung. Aber: „Der konkrete Bereich Breddin Abbau/Kümmernitz in unserem Kreisgebiet wird nach vorliegender Datenlage bereits mit 30 Mbit/s und höheren Datenübertragungsraten versorgt.“ Damit komme das aktuelle Programm nicht in Frage. „Zum jetzigen Zeitpunkt würde ein Ausbau gegen die Förderbedingungen verstoßen und das Gesamtprojekt gefährden.“

Ganz liegen lassen wolle man Breddin-Abbau aber nicht, versichert Marian Kotschew: „Wir werden dennoch Gespräche mit den dortigen Anbietern suchen, um einen eventuellen Eigenausbau durch ein Telekommunikationsunternehmen prüfen zu lassen.“

Von Alexander Beckmann

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