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Neustadt Ja-Wort nach vier Jahrzehnten
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01:16 08.12.2018
Frank Nebelin und Marina Graunke gaben sich nach knapp vier Jahrzehnten Beziehung endlich das Ja-Wort. Quelle: Matthias Anke
Neustadt

Die Tür geht auf. Frank und Marina Nebelin ahnen nichts. Sekunden später stehen beide in einem Regen aus bunten Glitzerpapierschnipseln. Baumstammsägen und Bettlakenschneiden folgen und noch so manche andere Gaudi vor der Neustädter Amtsverwaltung, wo die Hochzeitsgäste jetzt Tränen lachen.

Doch mit all dem, was für eine Hochzeit eigentlich ­urtypisch ist, konnte, ja wollte das Paar in diesem Moment eigentlich gar nicht rechnen. Ist diese Eheschließung doch keine übliche. Wer lässt sich schon knapp vier Jahrzehnte Zeit bis zum Ja-Wort?

Laut Standesbeamtin ein besonderer Fall

„Es kommt immer mal wieder vor, dass Leute erst in höherem Alter heiraten. Da können gut mal 30 Jahre vergangen sein. Dann sitzen ebenso schon erwachsene Kinder mit dabei. Die haben das einfach immer wieder aus verschiedensten Gründen verschoben. Aber nach fast 40 Jahren Beziehung habe ich das noch nicht erlebt“, berichtet Claudia Heidrich. Die 57-Jährige ist seit 1992 Standesbeamtin in Neustadt.

Die Eheschließung von Frank Nebelin und Marina Graunke aus Stüdenitz war für sie die letzte in diesem Jahr. An den offiziellen Trauorten im Neustädter Amtsgebiet – Schloss Lohm, Ritterhof Kampehl, im Landgestüt und eben in dieser Amtsverwaltung – waren es insgesamt 47.

Claudia Heidrich ist seit 26 Jahren Standesbeamtin in Neustadt. Quelle: Matthias Anke

Sobald die Lebensjahre voranschreiten, es Kinder und längst Enkelkinder gibt, werde doch schon mal öfter darüber nachgedacht, was eine Ehe noch so alles bedeuten kann, erklärt Claudia Heidrich. Und womöglich hatte sie das Paar – beide sind demnächst jeweils 58 Jahre alt – am Ende dazu auch etwas ermutigt: Sie und Marina Graunke, wie sie bis vor Kurzem noch hieß, gingen in Neustadt zusammen zur Schule. Kürzlich beim Klassentreffen sei das Thema dann aufgekommen.

Die Überraschungsgäste verhielten sich unauffällig

Heiratsanträge hatte es seitens Frank wohl schon immer mal wieder gegeben. „Wir haben es dann nur immer wieder vor uns hergeschoben, das umzusetzen“, erzählt der Bräutigam. „Es hatte jetzt einfach gepasst“, ergänzt ihn seine Frau. Dann wurde sich mit den Kindern, den Schwestern Karin (35) und Christin (29) zusammengesetzt.

Für das Ja-Wort im Standesamt sollte der Kreis auch nicht viel größer werden, abgesehen noch vom Partner der einen und den beiden Enkeln sowie Marinas Schwester Jutta. Für den Abend war ein gemeinsames Essengehen geplant.

Frank und Marina Nebelin stießen mit ihren Überraschungsgästen an. Quelle: Matthias Anke

Doch auch Frank hat eine Schwester: Uta. Sie und die heimlich organisierten Hochzeitsgäste warteten muxmäuschenleise, während drinnen die Standesbeamtin die Beziehung der Eheleute Revue passieren ließ.

Beim Parkfest in Großderschau geschah es

Es war der 19. Juni 1980, als sie sich kennenlernten. Für Marina ist es noch immer so wie gestern. Frank Nebelin erinnert sich: „Da war in Großderschau immer Parkfest, und wir hatten uns schon ein paar Mal im Auge. Doch erst eine Freundin von Marina stellte dann den Kontakt her, damit wir uns mal ansprechen.“ Drei Jahre später kam die erste Tochter zur Welt.

Marina arbeitete als Chemiefacharbeiterin in Premnitz. Für Frank stand die Armeezeit an. Längst aber sind beide bei der Agargenossenschaft Milchquelle in Stüdenitz tätig. In dem Ort bewohnen sie Franks Elternhaus. Es ist ein alter Bauernhof, auf dem schon so einige Generationen seiner Familie vor ihm lebten.

Baumstammsägen, Bettlakenschneiden: Alles war vorbereitet. Selbst eine Tischtennisplatte wartete auf die frisch Vermählten. Quelle: Matthias Anke

Dass die eigenen Eltern es oftmals nicht mehr miterleben können, sei das Bedauerliche an den späten Hochzeiten, sagt Claudia Heidrich.

Laut ihrer Erfahrung erfolgen die meisten Ehen nach mindestens eineinhalb bis zwei Jahren Beziehung. Dass jemand ganz frisch zusammenkam und dann ohne lange zu planen oder zu überlegen sofort heiratete, habe sie nie erlebt.

„Was es gibt, sind natürlich spontane Entscheidungen von Paaren, die sich länger kennen. Die meisten planen aber langfristig.“ So sei in diesem Jahr beispielsweise der Sonnabend, 18. August, schon lange im Voraus von gleich fünf Paaren gewählt worden.

Vier gleichgeschlechtliche Ehen gab es 2018

Von den fast 50 Eheschließungen waren vier gleichgeschlechtlicher Art. Ein Paar davon bestand zum ersten Mal aus Frauen, verrät Claudia Heidrich. Im Nachbarbezirk Wusterhausen beispielsweise sei das bislang stets umgekehrt gewesen. Dort gaben sich zunächst nur Frauen und dann erstmals ein männliches Paar das Ja-Wort.

2019 geht es für Claudia Heidrich im Februar weiter. Eine Vormerkung hat sie auch schon für den 19.9.19 in ihrem Kalender zu stehen. Wieder neue Paare werden dann die Treppe der Amtsverwaltung hinabschreiten.

Nachdem dort Frank stolz wie „Oskar“ – so lautet zugleich sein Spitzname – und Marina Nebelin aus der Tür kommen, stoßen sie unter anderem auf eine Tischtennisplatte. Freunde aus Franks Stüdenitzer Verein brachten sie mit. Das Paar spielt und punktet. Überraschung gelungen.

Von Matthias Anke

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