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Neustadt Heu für die Heizung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Heu für die Heizung
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00:24 16.03.2019
Heu fällt auf den Flächen der Agrargenossenschaft Sieversdorf in Hülle und Fülle an. Nicht alles kann als Futter oder Einstreu verwendet werden. Quelle: Privat
Sieversdorf

Da hat einer Geld wie Heu! Solcher uralten Floskel könnte ab diesem Jahr 2019 ganz neue Bedeutung beigemessen werden, wenn umgesetzt wird, was bislang nur als Vorschlag auf dem Tisch liegt. Demnach könnte Grünschnitt, der vielerorts bei Landwirten anfällt und noch völlig ungenutzt ist, verbrannt werden, um damit zu heizen.

„Was auf einem Hektar wächst, entspricht 3000 Litern Heizöl“, rechnete unlängst Henning Hartmann den Gästen bei der diesjährigen Klausurtagung des Vereins ­Lokale Aktionsgruppe Ostprignitz-Ruppin in Wusterhausen vor. „Ein Kilo Heu entspricht in etwa dem Brennwert von einem Kilo Holz“, fügte er an.

Für ein Fernwärmenetz und auch eine Schulheizung denkbar

Was der Vorsitzende der Agargenossenschaft Sieversdorf erklärte, wurde im Publikum besonders aufmerksam von zwei Personen verflogt, die mit Hartmann seither wegen genau dieser Thematik in engem Kontakt stehen: Arne Krohn, der Vize-Bürgermeister von Neuruppin, und Dieter Fuchs, der Amtsdirektor von Neustadt.

Henning Hartmann jüngst bei der Tagung des Regionalentwicklungsvereins Lokale Aktionsgruppe Ostprignitz-Ruppin in Wusterhausen. Quelle: Matthias Anke

In Neuruppin planen die Stadtwerke als kommunales Tochterunternehmen für das Fernwärmenetz gerade ein neues Heizhaus, erklärte Krohn seinerzeit. Statt wie bisher nur Gas zur Wärmeerzeugung zu verbrennen, sollen es dort dann Holzhackschnitzel sein. Sie werden vor allem von eigens dafür angebauten Pappeln stammen. Auch Material, das der Bauhof zusammenträgt, käme in Frage.

Nun seien Holzöfen zwar keine neue Erfindung, längst Gang und Gebe. „Warum aber nicht auch anderen Grünschnitt verfeuern?“, begann Krohn in der Sitzung mitzudenken.

Noch konkreter könnte das Thema Heuverbrennung jetzt in Neustadt werden. Dort käme der nachwachsende Rohstoff für die Homburg-Schule in Frage, deren grundlegende Sanierung aktuell ansteht. „Im Moment gibt es mehrere verschiedene und veraltete Wärmeerzeuger“, erklärt Amtsdirektor Fuchs. Mit Blick auf den Energiebedarf im dann erneuerten Schulhaus und eine darin auch neue Heizung sagt er: „Wärme aus der Heuverbrennung ist eine interessante Alternative, wenn sie sich rechnet.“

Auf 60 Hektar gewachsenes Heu könnte 180.000 Liter Heizöl ersetzen

Henning Hartmann könne ausreichend liefern. Seine Agrargenossenschaft bewirtschaftet 600 Hektar Grünland. Von etwa 60 Hektar gibt es jedoch keine Verwendung für den anfallenden, weil notwendigen Grünschnitt. Polderflächen, sprich Überflutungsflächen rund um Dosse und Jäglitz sind gemeint. Dort sprießt es selbst in Trockenjahren wie 2018.

„Als Futter taugt das aber nicht alles. Ein bisschen einstreuen können wir damit. Denn da ist nichts drin, nicht genug Eiweiß, Stärke, Zucker“, erklärt Hartmann: „Das ist ja fast schon wie Holz.“

Und so würde der Grünschnitt von den 60 Hektar großen Flächen allein der Sieversdorfer Agrargenossenschaft zusammen 180.000 Litern Heizöl entsprechen. Landesweit sähe die Bilanz noch eindrucksvoller aus, erfolgt die Grünlandbewirtschaftung in Brandenburg doch auf 280.000 Hektar, davon 200.000 extensiv.

Gefallener Gaspreis schlug Stärkefabrikprojekt

Dass die Idee der Heuverbrennung nicht neu ist, machte Hartmann bereits auf der Klausurtagung klar. Vor Jahren wäre es beispielsweise beinahe dazu gekommen, in der Stärkefabrik in Kyritz eine solche und noch viel größer dimensionierte Anlage zu installieren, berichtete Hartmann, der zugleich Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Stärkekartoffeln in der Ostprignitz ist.

Mehr als zwei Dutzend Landwirte saßen bereits mit im Boot. „Doch dann fiel der Gaspreis so stark, dass daraus nichts mehr wurde. Das war einfach nicht mehr konkurrenzfähig.“

Anreize genug auch für private Anlagen

Hartmann ließen die theoretischen Berechnungen jedoch nicht mehr los. „Ich mache mir eben so meine Gedanken. Und ich sorge mich um die Zukunft“, sagt er mit Blick auf die Endlichkeit fossiler Brennstoffe. „Wie geht das denn weiter?“, fragt er. Und: „Als Landwirt bin ich nun mal versucht, über Generationen hinweg zu denken.“

Bei den Tagungen der LAG OPR dreht sich vieles um Fördermöglichkeiten. Doch da es die Technik mittlerweile ermögliche, überaus effizient zu arbeiten, sagt der Landwirt: „Im schlimmsten Fall würde das sogar ohne Förderung funktionieren. Auch privat. Es bräuchten sich nur drei Haushalte zusammentun. Bei dem in der Mitte stünde der Kessel. Da müsste man unter Nachbarn eben nur miteinander können.“

Von Matthias Anke

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