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Neustadt Industriegeschichte mit ganz viel Energie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Industriegeschichte mit ganz viel Energie
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06:08 05.12.2018
Statt Stadtgas beherbergt der alte Gasometer inzwischen eine Ausstellung zur Energiegewinnung. Quelle: Alexander Beckmann
Neustadt

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: das Neustädter Gaswerk.

Trotz Klinkerfassade und Rundbogenfenstern lässt der Gebäudekomplex direkt am Neustädter Landgestüt in der Havelberger Straße keinen Zweifel an seinem grundlegend technischen Charakter aufkommen. Vor allem der große, matt schwarze Blechzylinder macht klar: Hier geht es um Industrie, um ziemlich alte Industrie.

Ehemaliger Speicher für das Stadtgas

Die Behälter diente einst als Speicher für Stadtgas. Denn das wurde in dem Haus nebenan produziert. Von 1903 bis 1980 versorgte die Anlage die Neustädter mit dem aus Steinkohle gewonnenen Brennstoff – erst für Beleuchtungszwecke, später auch zum Kochen und Heizen.

Das kleine Gaswerk war im Grunde unbedeutend. Wohl auch deshalb erfolgten nie größere Umbauarbeiten oder technische Modernisierungen. Mit der Umstellung der Versorgung auf Erdgas wurde es 1980 stillgelegt. Die Technologie der Stadtgaserzeugung war zu diesem Zeitpunkt um Jahrzehnte überholt. Noch zu DDR-Zeiten wurde die Anlage zum technischen Denkmal erklärt. Heute ist sie europaweit eine der letzten, weitgehend vollständig erhaltenen ihrer Art.

Der letzte Neustädter Gasmeister

Zu verdanken hat sie das vor allem dem „Förderverein zur Erhaltung des Gaswerks Neustadt (Dosse)“. Seit 1999 bemühen sich seine 33 Mitglieder darum, die Gebäude und die Technik vor dem Verfall zu bewahren. Außerdem hat er es sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte dieser Art der Energieversorgung einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Mit dem 2. Vorsitzenden Roland Deter hat der Verein dafür den Experten schlechthin in seinen Reihen. Deter war der letzte Neustädter Gasmeister und kennt sich mit den Abläufen bei der Verkokung der Kohle bestens aus. Gern teilt er seine Erinnerungen mit interessierten Besuchern.

Knochenarbeit mit Tonnen von Kohle

„Es war eine saumäßig dreckige Arbeit”, erzählt der Neustädter. Im Retortenofen verwandelten er und seine Kollegen einst Steinkohle bei über 1000 Grad Celsius in Stadtgas, Koks und Teer. Der Beruf war geprägt von Hitze, Staub, schlechter Luft und von der Knochenarbeit mit Tonnen von Kohle.

Einen kleinen Eindruck davon vermitteln die alten Mauern mit ihrem schwefligen, teerigen Geruch bis heute. Dreckig ist an der Anlage aber kaum noch etwas. Mit hunderttausenden Euro aus Fördertöpfen und Spenden konnte der historische Industriebau in den vergangenen 20 Jahren gesichert und hergerichtet werden.

Eine neue Ausstellung

Während man im Haupthaus noch die alte Technik erkunden kann, dient der Gasspeicher, der Gasometer längst anderen Zwecken. In dem einst luftdichten Gehäuse, das früher nie ein Mensch betrat, befindet sich nun eine erst kürzlich neu gestaltete Ausstellung zu den verschiedenen Methoden der Energieerzeugung.

Seit September können Besucher dort beispielsweise erleben, wie aus organischen Abfällen Biogas gewonnen wird oder wie eine Brennstoffzelle funktioniert. Selbst Ausprobieren lautet dabei die Devise.

Das Neustädter Gaswerksmuseum ist dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. An Wochenenden sind Besucher nach Absprache unter 033970/5 11 87 willkommen.

Unter www.gaswerk-neustadt.de informiert der Verein ausführlich über seine Angebote und das technische Denkmal.

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