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Neustadt Verein erarbeitet Projekte für die Papierfabrik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Verein erarbeitet Projekte für die Papierfabrik
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11:40 13.07.2018
Blick in den Holländersaal: Dort wurde einst der Faserbrei zusammengemischt, der später eine Etage tiefer in die Papiermaschine kam. Quelle: Sandra Bels
Hohenfen

Rocknacht und Trödelmarkt, das war das Bild, das sich bisher von der Papierfabrik in Hohenofen für Außenstehende abzeichnete. „Davon wollen wir uns lösen“, sagt Dietmar Miehlke. Er ist seit Juli 2017 Geschäftsführer des Vereins Patent Papierfabrik Hohenofen. Der kümmert sich um die Zukunft des Technischen Denkmals. Es ist europaweit einzigartig. Die Maschinen sind fast komplett erhalten. Ihr Erhalt ist oberstes Ziel des Vereins

Drei Schwerpunkte für die Arbeit

„Wir sind seit einem guten Jahr dabei, Konzepte zu entwickeln“, so Miehlke. Das sei jedoch ein Prozess, der einige Zeit in Anspruch nimmt. Drei Schwerpunkte haben sich die Vereinsmitglieder gestellt. Sie arbeiten in Arbeitskreisen zusammen. Erster Schwerpunkt ist die Organisation von Veranstaltungen auf dem Gelände. „Wir arbeiten mit einem kleinen Team zusammen. Eine Grafikerin gehört dazu und zwei bis drei Künstler sind dabei“, erzählt Miehlke.

Gewerbebetriebe sollen sich ansiedeln

Zweiter Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist das Öffnen des Geländes für Gewerbebetriebe. Derzeit gibt es schon einige Nutzer. Dazu gehören eine Autowerkstatt, eine Bio-Imkerei, aus der laut Miehlke der Honig für alle Bioläden in Berlin und Brandenburg kommt, und eine Ledermanufaktur. Ein paar einzelne Räume sind außerdem vermietet. „Wir müssen das Gelände aber viel mehr beleben“, so der Geschäftsführer.

Dafür gibt es eine Zusammenarbeit mit drei Studenten. Sie entwickeln Ideen, wie man auf dem Areal Räume für Startup-Unternehmen schaffen kann, erzählt Miehlke. „Selbstverständlich ist uns auch jeder andere Interessent willkommen“, fügt er an.

Studenten erforschen die elektrische Anlage

Studenten kommen auch in die Papierfabrik und wollen ihre alte elektrische Anlage erforschen. „Es gibt hier Objekte von 1830 bis 1990“, weiß Miehlke. Dazu gehört zum Beispiel ein Relais aus der Zeit um 1900 im Holländersaal. Die Arbeit mehrerer Epochen sei anhand der elektrischen Anlage nachvollziehbar. Für Miehlke ist das erlebbare Industriegeschichte.

Wo einst die Dampfmaschine stand, möchte Dietmar Miehlke einmal eine Theaterbühne installieren. Quelle: Sandra Bels

Beim dritten Schwerpunkt geht es um die Veranstaltungssicherheit und den Brandschutz. Der Verein arbeitet mit einer Berliner Architektin und dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin daran, eine Lösung dafür über spezielle Bauanträge zu finden. Auch der Denkmalschutz ist involviert. Derzeit gibt es für Veranstaltungen Sondergenehmigungen.

Ein Gesamtkonzept für die Fabrik soll entstehen

Miehlke hat Kontakte zum Berliner Unternehmen „X:hibit“ geknüpft. Es soll langfristig, etwa in den nächsten fünf Jahren, ein Gesamtkonzept für die Fabrik entstehen, stellt er sich vor. Dabei gehe es auch um ein größeres Förderprogramm, dass über mehrere Jahre zum Einsatz kommen könnte. Miehlke hofft, dass damit die Außenhülle und die Aufarbeitung des Maschinenbestandes in Angriff genommen werden können.

Ein ganz aktuelles Projekt ist die Revitalisierung der Papierfabrik. Ein-Euro-Jobber übernehmen das unter Miehlkes Anleitung. Es soll eine Grundordnung geschaffen werden. Zudem soll ein Archiv entstehen. „Es gibt so viele Gegenstände, die hier lagern“, sagt Miehlke. Sie sollen katalogisiert werden. „Wir wollen so die Geschichte des Ortes aufarbeiten“, so der Geschäftsführer.

Eine Dauerausstellung ist geplant

Perspektivisch denkt er an eine Ausstellung mit den Dingen, die dauerhaft installiert werden könnte. „Wir krempeln alles um, wo es hingeht ist noch völlig offen“, so Miehlke. Für das kommende Jahr sieht er die Eröffnung eines Hofladens mit Café für die Wochenenden. „Wir wollen regionale Produkte anbieten“, so Miehlke. Das war schon für 2017 angedacht, ließ sich aber nicht umsetzen.

Aus der Geschichte der Papierfabrik

Der Vorgänger der Papierfabrik war ein Werk zur Verhüttung von Raseneisenerz, gebaut 1662, dass in der Umgebung abgebaut wurde. Man nannte es auch „Hoher Ofen“.

1834 wurde das Gelände an die „ Seehandlungs-Societät“, ein Institut der Preußischen Staatsbank, verkauft. Die ließ wegen des wirtschaftlichen Erfolges der „Patent-Papier-Fabrik zu Berlin“ in Hohenofen von 1836 bis 1838 eine Papierfabrik bauen.

1839 gab es 90 Beschäftigte im Werk, größtenteils Frauen.

1886 wurde die Papierfabrik in Hohenofen privatisiert und zwei Jahre später an den Papierfabrikanten August Woge aus Alfeld weitergegeben. Weitere Verkäufe folgten.

Anfang der 50er Jahre wurden in Hohenofen unter anderem Transparentpapier und Packpapier produziert.

Ab 1967 gab es nur noch Transparent-Zeichenpapier. Es wurde in den gesamten Ostblock, bis nach Kuba, exportiert.

1992 wurde das Werk geschlossen. Seit 2003 ist es Technisches Denkmal.

Von Sandra Bels

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