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Neustadt Warum Pension Schöller ein Heimspiel ist
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09:33 30.07.2018
Peter Schroth hat auf seinem Grundstück etliche Lieblingsplätze. Hier unter schattigen Bäumen sitzt er besonders gern. Quelle: Wolfgang Hörmann
Koppenbrück

Bald werden sie wieder Theater spielen – die Mimen aus Cottbus und Senftenberg. Und was das Beste ist: Sie tun das nicht in der heimatlichen Lausitz, sondern in Kampehl bei Neustadt an der Dosse. Dort heißt es dann wieder „Kahlbutz lacht bei Schöller“. Vor garantiert ausverkauftem Haus aber unter freiem Himmel beginnt bei jedem Wetter am Abend des 3. August das Prignitz-Ruppiner Komödienfestival. Professor Peter Schroth wird das Spektakel auf der Wiese hinter dem Schlosshotel zum 9. Mal eröffnen. Der 77-Jährige ist ein gestandener Theatermann. Und er hat noch lange nicht genug von Spaß und Spiel. Peter Schroth wohnt mit seiner langjährigen Arbeitspartnerin und Ehefrau Karin in Koppenbrück.

Wie kamen Sie ausgerechnet in diese Gegend?

Peter Schroth: Ich lebte Ende der 70er Jahre mit meiner Familie in Berlin. Wir suchten etwas auf dem Land, zunächst für die Wochenenden mit den Kindern. Nach Annoncierten und Besichtigten im tiefsten Schnee des Winters 1979 hatten wir uns nach zwei Stunden für ein altes Bauernhaus von 1775 in Koppenbrück entschieden. Ohne Schnee war es ein wunderschönes Grundstück.

Wikipedia, die Auskunftei, die alles weiß, nennt namhafte Namensvetter, die sehr erfolgreiche Bühnenstars waren. Ich sage nur Carl-Heinz, Heinrich, Eleonore und Hannelore. Gehören Sie auch in die Reihe dieser „Schroths“?

Könnte man meinen, ist aber nicht so. Ich komme aus einer Musäus-Meyerschen Linie.

Und das bedeutet?

Mein Urgroßvater Musäus hatte in Merseburg ein eigenes Theater-Unternehmen, mit dem er durch die Lande tingelte. Keine Überraschung also, dass seine Tochter, meine Oma, auch Schauspielerin wurde. Die heiratete einen gewissen Alfred Meyer, seines Zeichens Staatsschauspieler in Dresden. Aus der Ehe ging meine Mutter hervor, die trotz Heirat immer bei ihrem Namen blieb. Ihre berufliche Heimat auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, fand sie auch in Dresden. Bei aller Bescheidenheit: An der Elbe hat man sie als echten Star verehrt. Das kann ich belegen.

Wie denn das?

Ich hatte kürzlich Post aus dem Rathaus der sächsischen Metropole im Briefkasten. Darin teilte man mir höchst offiziell mit, dass demnächst eine Straße in Dresden den Namen meiner Mama tragen soll. Mein Bruder Christoph dürfte sich auch darüber gefreut haben.

Sie selbst sind als Theatermacher viel rumgekommen in ihren vergangenen 57 Theaterjahren. Da hinterlässt man doch Spuren. Wie war denn Ihr Werdegang?

Der begann in Leipzig. Da besuchte ich ab 1958 drei Jahre lang die Theaterhochschule. Das Studium endete mit einem Diplom. Ich wurde also ein diplomierter Schauspieler.

Darauf hatten die großen Bühnen doch sicher nur gewartet ...

Nicht unbedingt. Ich hatte mein erstes Engagement in Altenburg. Weitere Stationen waren dann Weimar, Brandenburg an der Havel, das damalige Karl-Marx-Stadt und Halle. Ich war immer auf der Suche nach guten Regisseuren.

Und was haben Sie da so gespielt?

Vorwiegend jugendliche Helden, aber auch die Bösen, den Mephisto im Faust und den Franz Moor in Schillers „Räuber“. Es war eine aufregende und schöne Zeit auf der Bühne. Dennoch wandte ich mich 1970 der Regie zu.

Und warum?

Als Schauspieler müssen Sie immer das machen, was andere – vor allem der Regisseur – von Ihnen wollen. Ich fand, es war Zeit, die Seite zu wechseln, um selber gestalten zu können. Das geschah noch in Halle. Wenig später ging ich nach Senftenberg, um auch ein Ensemble zu leiten.

Ausgerechnet Senftenberg. Eigentlich ist das doch auch tiefste Provinz.

Na, na. Nicht so überheblich. Provinz ist doch immer das, was wir zulassen. Senftenberg war gut für mich. Die „Neue Bühne“ galt damals als gefragte Adresse, eine für freche junge Leute wie mich. Wir haben immer ein bisschen wider den Stachel gelöckt.

Was zog sie denn ausgerechnet dort hin?

Genau das. Es lag außerhalb der Schusslinie und war trotzdem Geheimtipp und Sprungbrett. Und dann lag das Besondere im Ursprung der Bühne, denn der war außergewöhnlich. Ein Jahr nach dem Krieg fand sich eine Hand voll Leute, heute würden wir Bürgerinitiative sagen, die ein Theater in ihrer Stadt wollten. Sie meldeten sich mit ihrem Ansinnen beim sowjetischen Stadtkommandanten an. Der hieß – das ist kein Witz – Soldatow und hatte ein Herz für die Kunst. Er trennte einfach von einer Schule die Turnhalle ab und gab Senftenberg sein Theater mit Orchester, Schauspiel, Oper und Operette – nicht unbedingt alltäglich 1946, heutzutage schon gar nicht.

Wann hatten Sie dort „ausgespielt“?

Nach drei Jahren. Ich ging dann als Dramaturg und Regisseur ans TIP in Berlin, das Theater im Palast. Danach übernahm ich die Schauspieldirektion am Deutschen Nationaltheater Weimar, eine große Herausforderung – Klassik in der Klassikerstadt. Nach erfolgreichen Jahren wurde mir die Leitung des Regie­instituts in Berlin angeboten mit seinem Studiotheater BAT. Ich habe vor der Wende auch im Westen gearbeitet, unter anderem in Köln, Stuttgart und Lissabon und ging 1996 als Schauspieldirektor ans Staatstheater Karlsruhe. Nach dem Jahr 2000 inszenierte ich an verschiedenen Häusern als Gast, einmal in Cottbus die „Pension Schöller“.

Fiel da der berühmte Groschen, dass Philipp Klapproth aus Kyritz eigentlich viel passender an die Knatter gehört?

Genau. Ich wohnte ja schon seit 1979 in Koppenbrück. Eine Aufführung hier konnte also getrost als Heimspiel durchgehen. Die Planungen begannen. Aber erst 2010 war es soweit. Die „Pension Schöller“ ging in Kampehl an mehreren Abenden über die Bühne. Es wurde ein toller Erfolg. Das schrie geradezu nach Fortsetzung.

Inzwischen ist daraus ein ganze Festival geworden mit der „Pension“ als nur noch einem Programmpunkt. War das gewollt?

Es ging ja gar nicht anders. Nachdem sich die Kleeblatt-Kommunen Kyritz, Wusterhausen, Neustadt und Gumtow als Mitglieder in einem extra gegründete Förderverein auch finanziell stark beteiligt hatten, konnte man dort auch erwarten, stärker bedacht zu werden. Das gelang immer besser, besonders mit der Erfindung des „Theatro mobiles“ und vor allem, weil wir in der Region immer noch willkommen sind und gute Partner gefunden haben.

„Pension Schöller“ wird landauf landab in vielen großen Häusern gespielt, zuletzt in der Komödie am Berliner Kurfürstendamm ...

... aber das Stück gehört doch nach Kyritz! Die Schauspieler aus ­Cottbus und Senftenberg sind ein tolles Team mit einem wunderbaren Thomas Harms als Philipp Klapproth.

... und einem Peter Schroth aus Koppenbrück als Regisseur. Vielleicht wird ja die Straße, in der sie wohnen, auch irgendwann nach Ihnen benannt. Was hielten Sie davon?

Nichts. Selbst Ritter Kahlbutz würde in seiner Gruft wohl höhnisch kichern. Nee, nee. „Wiesenweg“ ist schon total richtig.

Ab 3. August wird gespielt

Die 9. Schöller-Festspielebeginnen am Freitag, 3. August, um 19.30 Uhr im Schlosspark Kampehl mit „Scharfe Brise, die Rettungsschimmer vom Tittisee“. Das Stück ist eine Aufführung der Comödie Dresden und wird ein zweites Mal am Sonnabend, 4. August, um 19.30 Uhr gezeigt.

Der Schöller-Familiensonntagbeginnt am 5. August um 15 Uhr. Theater für Kids: „Varietè am Faden“ mit den Fundus-Marionetten aus Dresden.

Das mobile Teatro mobilemit Ass-Dur: „3. Satz – Scherzo spirituoso“ gastiert am 7. August in Kyritz (Markt), am 8. August in Demerthin (am Schloss), am 9. August in Wusterhausen (Markt) und am 10. August in Neuruppin (Schulplatz) jeweils um 19.30 Uhr.

Die lange Schöller-Nachtmit Theater und Musik beginnt am Sonnabend, 11. August, um 17.30 Uhr: The Best of Loriot, Musikalische Reise in die 20er und 30er Jahre, Pension Schöller, Dinner for one und vieles mehr.

Schöllers Familiensonntagstartet am 12. August um 14.30 Uhr: Theater für Kids mit Clownin Viola.

Informationen und Ticketsgibt’s auf www.schoeller-festspiele.de oder unter 033971/60 69 47. Karten sind auch im MAZ-Kundencenter in Neuruppin, Karl-Marx-Straße 64, Telefon 03391/45 75 40 erhältlich.

Von Wolfgang Hörmann

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