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Neustadt Das „Traumschüff“ ist startklar
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02:23 19.05.2018
Das „Traumschüff“ ermöglicht Theater auf dem Wasser. Am Sonnabend beginnt die zweite Spielsaison für das noch junge Ensemble. Von Havelberg aus schippert es flussaufwärts. Quelle: Matthias Anke
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Havelberg

Rosi hat sich rausgeputzt. Besser: Sie wurde fein gemacht für ihre nächsten großen Auftritte. Los geht es damit diesen Sonnabend, 19. Mai, ab 15 Uhr am Havelufer vor der Werft „Kiebitzberg“ in Havelberg. Dann liegt „Genossin Rosi“ dort im Wasser, und das bunte Treiben auf ihr werden wieder viele Besucher vom Land aus verfolgen.

„Der Name stammt von der Oma eines unserer Mitglieder. Sie wollte die erste Genossenschafterin werden, starb aber leider im Alter von 92 Jahren, und zwar noch bevor es wirklich losging“, erklärt David Schellenberg. Der 28-Jährige ist der Begründer des Ensembles „Traumschüff“, das mit der schwimmenden Bühne namens „Genossin Rosi“ Theater an Orte bringt, an denen es sonst keines gibt. „Und sie hatte verfügt, dass es zu ihrer Beerdigung keine Blumen geben möge, sondern lieber Geld für das Projekt.“

Die gemeinnützige Genossenschaft ist bundesweit einzigartig

Entstanden ist mit dem „Traumschüff“ seit Anfang 2017 eine gemeinnützige, mittlerweile 17-köpfige Genossenschaft, die bundesweit ihresgleichen sucht. Neuestes Mitglied ist Thom Nowotny. Der Schauspieler, der unweit von Havelberg entfernt in Sieversdorf lebt, war sofort überzeugt. „Das ist genau mein Ding“, sagt der 52-Jährige.

Wie die meisten dieser Theaterleute stammt auch er aus Berlin, wirkte in Theater- und Fernsehproduktionen mit, ist Synchronsprecher. Er hatte Auftritte in der Komischen Oper Berlin sowie im Schauspielhaus Hamburg. Von 1994 bis 1998 begleitete er Lotti Huber als Gitarrist und Manager.

Nowotny leitet zudem das Kunstfest Pankow und ist Urheber der Initiative „Denkmaltheater”, unter deren Dach „Casanova in Sanssouci” firmiert. Vor fünf Jahren bezog Nowotny im Neustädter Amtsgebiet den alten Sieversdorfer Bahnhof.

Blick auf den Bereich im Boot, der die Küchenzeile wird. Quelle: Matthias Anke

Mit dem Leben auf dem Land identifiziert er sich seither derart wie mit dem „Traumschüff“ und dessen Ziel. „Es geht darum, Theater in den ländlichen Raum zu bringen und Leute dafür zu motivieren, die sonst nicht ins Theater gehen, schon gar nicht weite Wege etwa bis Berlin dafür auf sich nehmen“, sagt auch Jakob Plutte. Der 33-Jährige aus Detmold studierte Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin. Die anschließenden Jahre war er am Theater Osnabrück und wirkte in TV- und Kurzfilmen mit.

„Zum ,Traumschüff’ ist er erst während der Crowdfundingkampagne im April 2017 gestoßen – und seitdem dort nicht mehr wegzudenken“, heißt es über Plutte auf der Traumschüff-Homepage.

Die Stromversorgung erfolgt über Sonnen- und Windkraft. Die Akkus sind im Boden versteckt. Quelle: Matthias Anke

Mit Crowdfunding ist eine Form von Geldbeschaffung zumeist über das Internet gemeint. Mehr die Menge der Geldgeber als die Höhe des einzelnen Betrages ist entscheidend. Nachdem im Januar 2017 das Projekt offiziell als Genossenschaft gegründet worden war und viele Interessierte zum Mitmachen eingeladen wurden, schloss sich diese Crowdfundingkampagne im April an, um den Schiffsbau zu finanzieren – mit Erfolg. Die Sammlung brachte fast 16 000 Euro ein.

Theater auf dem Fluss: Im Boot können die Darsteller mehrere Tage lang mitfahren. Quelle: Matthias Anke

Vieles sei dann der Werft zu verdanken gewesen. „Die haben hier aus unserer Idee das Schiff gemacht“, erinnert sich David Schellenberg. Die Werft ist seither Start- und Zielpunkt der Tournee sowie das Winterlager.

Das Boot haben Architekturstudenten der Bauhaus-Uni Weimar mitentwickelt. Entstanden ist ein Katamaran mit einem Aufbau, der nicht nur als Bühne fungiert, sondern in dem die Darsteller auch reisen können. Küche, Betten und Toilette sind auf engstem Raum angeordnet. Die Stromversorgung erfolgt über Solarzellen vom Dach aus. Die Akkus sind im Rumpf untergebracht. Unterstützung gibt es demnächst auch von einem Windrad. Den Mast dafür haben sie schon montiert.

Das Steuer des „Traumschüffs" mit dem eigentlichen Namen „Genossin Rosi“. Fortbewegt wird sich mittels 50-PS-Motor Quelle: Matthias Anke

Mit der „Genossin Rosi“ ging es auf der ersten Theatertour vorigen Spätsommer bereits quer durch das Havelland bis nach Berlin. Die Stücke, die sie zeigten, sollten nicht irgendwelche sein, sondern auch den regionalen Nerv treffen. Das gelang mit „Bibergeil“ von Nikola Schmidt. Darin geht es um den Schutz dieser Tiere im Spannungsfeld der Probleme, die Landwirte in ihnen sehen. Auch dieses Mal gibt es während der Tour „Bibergeil“ zu sehen. Beim Start am Sonnabend aber wird ab 17 Uhr die Uraufführung von „Planet Acasio, ein Raumschüff-Abenteuer“ im Mittelpunkt stehen. Es geht um eine Reise ins Unbekannte.

Die weiteren Termine allein für dieses Stück lassen erahnen, wie weit das Traumschüff-Theater mit „Genossin Rosi“ und ihren 50 PS die Havel entlangschippern wird: 5. Juli Zehdenick, 22. Juli Himmelpfort, 5. August Berlin-Rummelsburg, 12. August Werder, 2. September Strodehne. Dann ist das Tourende wieder nah.

Theater auf dem Fluss: Das „Traumschüff" beziehungsweise „Genossin Rosi“ legt demnächst in Havelberg ab, die zweite Spielsaison auf dem Wasser beginnt. Dieses Mal ist auch Schauspieler Thom Nowotny aus Sieversdorf dabei. Quelle: Matthias Anke

Thom Nowotny aus Sieversdorf wird seinen Auftritt ab dem 26. Mai haben mit der Premiere eines so genannten Hörtheaters. Es ist eine Lesung ähnlich eines Hörspiels. Es wird um Industriestandorte an der Schiffsroute gehen, um das Chemiewerk Premnitz und das einstige Kaltwalzwerk Oranienburg.

Geplant sind bis zum Ende 60 Veranstaltungen. Im Winter folgen Gastspiele auf dem Trockenen. „Wir wollen uns ja als Theater aufstellen, das davon leben kann und die Darsteller fair bezahlt“, erklärt David Schellenberg mit Blick auf die Genossenschaft, die jedem Mitglied gehört. Auch Ideen für 2019 habe er schon. Es gibt ja noch andere Flüsse.

Der Tourplan ist im Internet unter www.traumschueff.de zu finden.

Von Matthias Anke

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