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Neustadt Nichts läuft ohne Waagenbauer Seidel
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22:57 27.06.2018
Sven Seidel ist Chef von Waagen-Seidel in Sieversdorf. Hier zeigt er ein 10-Milligramm-Gewicht. Quelle: Matthias Anke
Sieversdorf

Wer jemanden sucht, der einem eine Waage zum Eichen vorbereitet oder sogar maßgeschneidert baut, der stößt auf eine überschaubare Anzahl und auch auf Sven Seidel aus Sieversdorf. Der 52-Jährige, seit 1997 Meister im Feinmechanikerhandwerk, übernahm vor etwa einem Jahrzehnt die Firma seines Vaters. Jener fing 1980 aus Magdeburg stammend damit an. Da galt der Waagenbauer noch als anerkannter Handwerksberuf. Das Berufsbild hat sich im Zuge technischer Entwicklungen verändert. Was es in dem Spannungsfeld zwischen einem Milligramm und 60 Tonnen heutzutage zu tun gibt, erklärt Seidel im MAZ-Gespräch.

Herr Seidel, ich gehe sehr schwer davon aus, dass sie einer sind, der sein Gewicht ganz genau kennt.

Sven Seidel: Klar, 82 Kilo.

Und?

Komma 6.

Inwiefern gehören denn auch Personenwaagen zu Ihrem Metier?

Wir haben damit sehr viel zu tun. Zum Beispiel sind wir für alle Waagen in sämtlichen umliegenden Kliniken hier zuständig.

Wer ist „Wir“?

In der Firma arbeiten mit mir sieben Leute. Das sind meine Frau, mein Bruder und vier Angestellte. Wobei mein Bruder Torsten Seidel in der Filiale Wustermark sitzt und von dort aus die Aufträge erledigt.

Wo sind Sie unterwegs?

Wir bewegen uns in etwa im Dreieck Hamburg, Berlin, Magdeburg.

Worin besteht Ihre Hauptaufgabe?

Das sind Reparaturen und Wartungsaufträge. Eichungen sind etwa alle zwei bis drei Jahre vorgesehen. Aber oft kann es auch von jetzt auf gleich losgehen, wenn irgendwo jemand ein größeres Problem hat.

Wie sieht Ihr Arbeitstag heute aus?

Vorhin kam ein Anruf eines Landwirtschaftsbetriebs bei Stendal. Da gibt es eine Störung an einer Getreidewaage. Die soll eigentlich dafür sorgen, dass sich nach 600 Kilo eine bestimmte Klappe schließt. Und dann geht es weiter zu einem Futtermittelwerk nach Karstädt. Dort müssen 13 Waagen gewartet und geprüft werden. Das nimmt dort aber einen zweiten Tag in Anspruch.

Landwirtschaft klingt auch nach viel saisonbedingter Arbeit.

Das stimmt. Zuletzt hatten wir wieder viel mit Marktwaagen zu tun, was an der Spargelzeit lag.

Als Meister im Feinmechanikerhandwerk könnten Sie doch auch ganz andere Dinge reparieren?

Na ja, man spezialisiert sich. Im Prinzip ist anfangs alles offen. In der Meisterausbildung war damals beispielsweise jemand, der Kameras reparierte, ein anderer konzentrierte sich auf Nivelliergeräte.

Welche war denn Ihre bislang schwerste Aufgabe?

Das lässt sich so nicht sagen. Im Prinzip gibt es immer wieder neue Herausforderungen, da Waagen heutzutage nicht mehr von der Stange sind, sondern es etliche Unterschiede gibt. Die Elektronik ist ja auch immer feiner geworden. Vieles funktioniert via Funk oder sogar über das Internet. Aber man schafft das, wenn man sich dem stellt. Es ist ja alles kein Hexenwerk.

Und die schwersten Aufgaben vom Gewicht her?

Das sind die Fahrzeugwaagen. Wo Lkw-Ladungen gewogen werden, geht das schon mal bis zu 60 Tonnen. Die Fahrzeuge dafür mieten wir uns dann aber stets an. Hier liegen ja keine 60 Tonnen rum.

Sondern?

Vorrätig haben wir sieben Tonnen.

Sicher?

Natürlich nicht ganz so genau. Aber für jedes einzelne Gewicht betrachtet, müssen wir dafür um so präziser sein. Da wir dahingehend zertifiziert sind, ist das kein Problem.

Inwiefern müssen Sie sich also selbst prüfen oder eichen?

Jedes Jahr müssen wir unsere Gewichte prüfen, um diese für Eichungen und anerkannte Zertifizierungen nutzen zu können. Da kann ja mal was abplatzen. Theoretisch. Zum Beispiel darf ein 50-Kilo-Gewicht eine Abweichung von zweieinhalb Gramm haben. Unser Standard sind sogar nur 1,3 Gramm.

Bis zum welchem Minimumgewicht könnten Sie mir etwas abwiegen?

Ich sage mal, das sind so 1 Milligramm. Alles darunter würde schon in einen anderen Bereich fallen und ist dann doch schon eher eine Sache für Wissenschaftler.

Was fällt Ihnen leichter? Wobei kommen Sie mehr ins Schwitzen? Wenn es um feine Waggen geht oder doch bei den Lkw-Waagen?

Das nimmt sich nicht viel. Wobei man nach den schweren Gewichten am Abend schon merkt, was man alles bewegt hat. Das Schwierigste in letzter Zeit ist aber der bürokratische Aufwand. Was mittlerweile alles dokumentiert werden muss, ist schon ganz schön viel geworden.

Wie schwer ist es in Ihrem Bereich denn mit Blick auf den Nachwuchs?

Das steht in den Sternen und ist zum Glück ja noch eine Weile hin. Zwar haben wir einen Sohn und eine Tochter, aber sie haben sich für andere Laufbahnen entschieden.

Dabei klingt der Beruf doch irgendwie spannend, zumindest bekommt man einen ganz anderen Zugang zu Zusammenhängen in dieser Welt.

Genauso ist es. Noch so ein Beispiel: Selbst bei der Stärkefabrik in Kyritz sind Waagen unabkömmlich. Dort sind sie in der gesamten Produktionskette notwendig und müssen ja stimmen. Von daher ist das also ein Bereich, in dem es Arbeit in Hülle und Fülle gibt.

Von Matthias Anke

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