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Neustädter Lokschuppen ist verkauft

Baudenkmal hat neuen Besitzer Neustädter Lokschuppen ist verkauft

Der seit Jahren ungenutzte Lokschuppen am Neustädter Bahnhof hat einen neuen Besitzer. Horst Vogt will das historische Gebäude herrichten und später als Oldtimerwerkstatt nutzen. Der ehemalige Eisenbahner sieht seine Pläne auch als eine Art Altersvorsorge an.

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Der neue Besitzer will das Baudenkmal herrichten und unter anderem als Hobbywerkstatt nutzen.

Quelle: Renate Zunke

Neustadt. Der alte Lokschuppen des Neustädter Bahnhofs hat einen neuen Besitzer. Damit ist das markante Backsteingebäude, das mehr als 100 Jahre Eisenbahngeschichte präsentiert, nicht mehr dem Verfall preisgegeben. Erworben hat es ein Einheimischer, der sich bestens auf dem Areal des ehemaligen Lokbahnhofes auskennt. Horst Vogt hat von 1976 bis 1978 in Wittenberge den Beruf des Diesellokschlossers erlernt. Danach arbeitete er in Neustadt als Lokführer. Anfang der 2000er Jahre machte er sich selbstständig. Seine Firmen in Neustadt und Wittenberge vermitteln bundesweit Personal an Bahnunternehmen.

Für den 55-Jährigen ist der Lokschuppen eine Art Altersvorsorge: „Auch im Ruhestand brauche ich eine Beschäftigung, die mich ausfüllt.“ Er will an Oldtimern schrauben. Stellplatz und Werkstatt dafür hat er mit dem alten Lokschuppen gefunden. Zudem liegt dem einstigen Bahner die Rettung des historischen Gebäudes am Herzen.

Der Neustädter Bauamtsleiter Wolfgang Burau (l) unterstützt Horst Vogt bei seinem Vorhaben

Der Neustädter Bauamtsleiter Wolfgang Burau (l.) unterstützt Horst Vogt bei seinem Vorhaben.

Quelle: Renate Zunke

Zur Baugeschichte kann Anton Kollack viel erzählen. Er war von 1975 bis 1991 Leiter des Lokbahnhofs. Der Betrieb wurde von 1913 bis 1916 neben dem bereits bestehenden Bahnhofsgebäude errichtet. An die erste „Bahner-Generation“ erinnert sich der 79-Jährige noch gut. Er weiß auch, dass nach 1945 auf dem Lokbahnhof zeitweise 100 Leute beschäftigt waren.

Der Lokschuppen diente zum Abstellen kleinerer Lokomotiven. Er beherbergte fünf Strahlengleise mit Untersuchungskanälen und eine Bühne. „Hier führte man Reparaturen, Auswascharbeiten und Untersuchungen jeglicher Art durch“, berichtet Anton Kollack. Im Lokschuppen befand sich auch das Notstromaggregat für den Bahnhof. Der neue Besitzer Horst Vogt erinnert sich, dass bei Stromausfall in Neustadt nur das Bahnhofsgelände im hellen Licht erstrahlte. Da er seinerzeit dort ein Zimmer bewohnte, hatte er bei Stromausfall immer viele Gäste – zum Fernsehen.

Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang noch das sogenannte Sozialgebäude neben dem Lokschuppen. In ihm waren Zimmer für Gastpersonal, Umkleide- und Sanitärräume, die Heizungsanlage für das gesamte Objekt, Ölausgabe und Werkstatt untergebracht. Unlängst wurde das Gebäude abgerissen. Die Stadt plant dort eine Erweiterung der Parkflächen am Bahnhof.

Noch bis in die 80er Jahre waren auch in Neustadt Dampflokomotiven unterwegs

Noch bis in die 80er Jahre waren auch in Neustadt Dampflokomotiven unterwegs.

Quelle: Privatarchiv

Wie Bauamtsleiter Wolfgang Burau berichtet, hatte die Bahn der Stadt seinerzeit das gesamte Areal samt Lokschuppen zum Kauf angeboten. Doch daran war man nicht interessiert. Ein Abriss des Lokschuppens kam sowieso nicht infrage. Er steht unter Denkmalschutz. Wolfgang Burau sagt: „Wir begrüßen es sehr, dass sich ein Privatmann fand, der das Gebäude sanieren und nutzen wird. Damit ist es zum Glück gerettet.“ Unter Denkmalschutz stehen auch der Wasserkran neben dem Lokschuppen sowie die Drehscheibe, die sich jetzt ebenfalls im Besitz von Horst Vogt befinden.

Er hat inzwischen das gesamte Gelände eingezäunt und ist dabei, das Dach zu sichern, damit bei Sturm nicht Teile auf der angrenzenden ICE-Strecke landen. Immerhin ist er als Besitzer jetzt in der Pflicht.

Das Dach soll wieder hergestellt werden wie einst: mit Dachpappe. Auch die Fassade braucht Aufmerksamkeit. Wo die Dachrinnen defekt waren, sind Schäden zu verzeichnen. Ansonsten zeigt sich der Backsteinbau trotz Jahren des Leerstandes in bemerkenswert solidem Zustand. Sogar die Bogenfenster mit der alten Metallrahmung sind dank Sicherung erhalten.

Sind die Bauarbeiten beendet, will Horst Vogt gern Besichtigungen des Lokschuppens ermöglichen, zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals oder zu anderen Höhepunkten. Und er ist sehr an alten Fotos und Dokumenten aus der Geschichte des Neustädter Lokbahnhofs interessiert.

Von Renate Zunke

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