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Ostprignitz-Ruppin Neustart im Deutschen Haus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustart im Deutschen Haus
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08:27 21.02.2017
Ilona und Ahmet Aslan mit ihren Kindern bei einem Bummel durch Wusterhausen. Quelle: Wolfgang Hörmann
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Wusterhausen

Die „Musketiere“ aus Bulgarien haben 1983 vier Jahre Auslandstournee hinter sich, als sie wieder in ihre Wahlheimat DDR zurückkehren. Die Herren mit den langen Haaren und den weit geschnittenen Hosen sind sich nicht zu schade, am 21. August in Wusterhausen zum Tanz aufzuspielen. Auftrittsort ist das Hotel „Deutsches Haus“. So steht es in einer Zeitungsanzeige von damals. Sie dürfte bei vielen aus der reiferen Generation der Dosse­städter Erinnerungen wecken.

Einer von ihnen hatte mal den direkten Draht in die Herberge mit gastlicher Bewirtung. Es ist Ulrich Laue, Jahrgang 1947, Kellner mit Abitur, Diplom-Ökonom, stellvertretender Gaststättendirektor in einem volkseigenen Bewirtungsbetrieb, bis ihn die absolute Beschäftigungslosigkeit in diesem Job von der HO entfremdete. Als 30-Jähriger vervollständigte er die Mannschaft im Lokal, das seine Eltern führten. „Wir waren das erste Haus am Platz“, erinnert sich Laue. „Bis zu 15 Busse am Tag schafften Gäste heran, die schon zum Frühstück kamen und meistens auch das Abendbrot bei uns einnahmen. Zwischendurch vertrieben sie sich die Zeit mit Dentlers Schiffsfahrten, Wanderungen, Radtouren oder – was auch sehr beliebt war – sie fuhren mit dem Zug weiter nach Berlin. Die Hauptstadt lag ja nah.“

Diese Postkartenansicht stammt aus dem Jahre 1913. Das Fachwerk verschwand im Laufe der Jahrzehnte. Quelle: Sammlung Schimpke

Für die Einheimischen gab es die unterschiedlichsten Bälle. Die Vergnügen von Feuerwehr, Fußballern, Blasmusikern, Lehrern und Gärtnern, auch die Eisbeinessen erlangten, was man heute Kultstatus nennt. Wem danach war, der konnte sein müdes Haupt in einem der 13 Zimmern betten, die das „Deutsche Haus“ anbot. Günter und Elisabeth Laue, Ulis Eltern, machten sich einen guten Namen als fürsorgliche Gastgeber. Sie, die Frau des Hauses, die alle nur „Mausi“ nannten und die auf Postkarten sogar mit ihrem Spitznamen für ihr Hotel warb, war eine geborene Trapp.

Vater Karl Trapp, einst Wirt der „Gerichtslaube“ am Rathaus, kaufte Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts das „Deutsche Haus“. Er führte es fortan solide, vermachte es später an die nächste Generation. Vielleicht hätte es mit Ulrich Laue auch noch eine weitere im Gastgewerbe gegeben, doch wurde das gesellschaftliche Umfeld für das privat geführte Unternehmen immer unfreundlicher. Die sehr geschätzte Eigenständigkeit geriet in Gefahr. So stiegen die Laues 1981 komplett aus. Günter und „Mausi“ hatten sowieso das Rentenalter erreicht. In den Jahrzehnten folgte zwischen längeren Schließzeiten eine ganze Anzahl immer neuer Wirte. Sie hießen unter anderem Hacker, Stubba und Schmidt. Ihre Geschäftsmodelle variierten. Selbst eine Broilerbar mit Geflügelsoljanka für 50 Pfennig pro Portion beherbergte das 1908 im Fachwerkstil errichtete Gebäude, das allerdings schon in den 30er Jahren mit überputzter Fassade dastand. Das Auf und Ab hielt sich bis nach der politischen Wende.

Eine Pension für Durchreisende, Pilger und Touristen

Am 31. März 2002 erwarb Hildegard Bohnet aus einer Zwangsversteigerung das Hotel. Es war gerade wieder vier Jahre ohne Bewirtschaftung gewesen. Sie betrieb jetzt als „Herbergsmutter“ eher im Hintergrund eine Pension für Durchreisende, Pilger, Touristen. Sohn Dennis präsentierte das Haus. Aber nur bis 2007. Dann fiel die Verantwortung wieder an „Mutter Hilde“ zurück. Volle Gästebücher enthalten durchweg Lob. Der letzte Eintrag stammt aus dem Juli 2016. Da gab es schon mehrere Jahre keine Gaststätte mehr, nur noch Zimmer mit Frühstück. Einnahmen und finanzielle Verpflichtungen hielten sich bald nicht mehr die Waage. Schon gar nicht neigte die sich in den Plus-Bereich. Im Januar dieses Jahres wurden „Café und Pension Deutsches Haus“ zwangsversteigert.

Den Zuschlag erhielt eine Frau, die ganz in der Nähe mal ihr Zuhause hatte. Möglichst schnell wollen nun Ilona Aslan und Ehemann Ahmed den Neuanfang wagen. Die kleine Familie lebte in den vergangenen fünf Jahren im türkischen Antalya. Jetzt zog es die einstige Kyritzerin, eine geborene Bluhm und damit aus einer Familie mit reichlich Gastgewerbe-Erfahrung kommend, zurück in die alte Heimat. An ihre Kinder- und Jugendjahre, die sie an der Seite von Mutter Hannelore und ihrer Tante Henny in den Sommermonaten fast immer auf der Unterseeinsel verbrachte, erinnert sich die 33-Jährige gern zurück. Mit Ahmet fand sie ihren Mann fürs Leben. Die beiden haben einen Jungen und ein Mädchen, beide im Kindergartenalter. Sie sind mittlerweile bereits unter Altersgefährten in der neuen Kita in der Wusterhausener Seestraße. Vater Ahmet arbeitete als Hotelmanager, zuletzt für eine Kette, die auch in Berlin ein Haus betreibt.

Die Umbaupläne sind geschmiedet

In Wusterhausen wird allerdings Ilona die Chefin. Die Pläne für einen Umbau des altehrwürdigen Gebäudes im Zentrum der Stadt sind längst geschmiedet. So wird es künftig den Saal im oberen Stockwerk nicht mehr geben. „Wusterhausen hat schon einen großen Saal, es braucht keinen zweiten, denken wir. Deshalb kommen zu den jetzt schon vorhandenen sieben Zimmern, die allesamt komplett erneuert werden, noch einmal sieben oder acht neue hinzu“, sagt Ilona Aslan. Das Paar will sich auf den Hotelbetrieb konzentrieren mit gemütlicher Lounge im Erdgeschoss und mit Gaststättenbetrieb. Die Küche ist dann die Domäne von Hannelore Bluhm. Und wann wird das sein? „Je schneller, desto besser“, da sind sich die Aslans einig. Wahrscheinlich kann es aber erst nach dem 1. März losgehen. Und auch darüber herrscht Übereinstimmung: Die einstige Pension soll einen neuen Namen bekommen. Aus dem „Deutschen Haus“ wird das „Novel-Hotel“.

Von Wolfgang Hörmann

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