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Nicht gesund, sondern kaputtgeschrumpft

Blumenthal Nicht gesund, sondern kaputtgeschrumpft

Der verkehrspolitische Sprecher von Bündnis 90/Grüne Michael Jungclaus ist auf Besichtigungstour jener Bahnhöfe, an denen täglich weniger als Fahrgäste abfahren. Rausgepickt hat er sich die Strecke Pritzwalk – Wusterhausen, die seit Jahren von der Schließung bedroht ist. Mit dem bestehenden Fahrplan sei die Strecke nicht zu nutzen, hieß es in Blumenthal.

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Jungclaus (r.) wirbt für neue Ansätze im Nahverkehr.

Quelle: Claudia Bihler

Blumenthal. Zwar schlossen sich die Schranken in Blumenthal kurz vor dem Eintreffen des verkehrspolitischen Sprechers von Bündnis 90/Grüne, doch vorbei fuhr nur eine Diesellok. Michael Jungclaus, der auf Rundkurs zu den kleinen Bahnhöfen Brandenburgs ist, kam stattdessen mit dem Fahrrad: Ein Zug fährt nämlich um die Mittagszeit nicht. Pritzwalk, Sarnow, Bölzke. Blumenthal, Rosenwinkel und Wutike – Bahnhöfe mit weniger als 50 Fahrgästen täglich – standen auf seinem Besichtigungsprogramm.

Damit hatte Jungclaus sich genau die Strecke im Nordwesten Brandenburgs herausgepickt, die Aufmerksamkeit besonders nötig hat. Schließlich fahren während der Woche nur zwei Zugpaare von Pritz­walk bis Wusterhausen: Zu wenig, meinen die Bürger. „Die Strecke wurde nicht gesund-, sondern kaputtgeschrumpft“, sagte Thomas Jansen, Ortsplaner und Einwohner Blumenthals: „Nutzbar ist sie mit dem einen Zug im Morgengrauen nicht mehr.“

Grüne wollen mehr Zugverkehr

Jungclaus stellte sein Konzept vor, mit dem seine Fraktion im Landtag das Augenmerk der Landespolitik auf die kleinen Bahnhöfe lenken möchte. Sein Ansatz: „Wir müssen nicht nur sehen, wie wenige Leute mit der Eisenbahn fahren, sondern eher auf jene schauen, die bei einem besseren Angebot fahren würden – also auf das Fahrgastpotenzial.“ Gleichzeitig verwies der Landtagsabgeordnete auch auf die Auseinandersetzung des Landes mit dem Bund um die Regionalisierungsmittel: „Auch, wenn der Bund zu den acht Milliarden Euro noch 200 Millionen dazugelegt hat, reicht das längst nicht aus.“

Ein Dorn im Auge ist seiner Fraktion vor allem, dass aus diesen Mitteln der Busverkehr der Landkreise gefördert wird: „Eigentlich eine gute Sache, aber wir vertreten die Ansicht, dass das Land andererseits den Bahnverkehr aus Landesmitteln bezuschussen muss.“ Sparpotenziale sehen die Blumenthaler durchaus an der Strecke – etwa beim Personal. „Im Zweischichtsystem sind Bahnhöfe wie Blumenthal oder Bölzke besetzt“, sagte Jansen, „um Weichen zu stellen und Schranken zu öffnen und zu schließen. Eigentlich ein Unding.“

Ärger über nichtgehaltene Versprechen

Holger Kippenhahn, Bürgermeister von Heiligengrabe steht hinter den Dörfern, die den öffentlichen Personennahverkehr betrachten. Erst kürzlich hatte er die Information vom Privatbahnbetreiber „Hans“ (Tochter der Putlitzer EGP) bekommen, der mitteilt, dass der Verkehr auch für weitere zwei Jahre aufrechterhalten werde.

Verärgert ist die Region vor allem darüber, dass Ex-Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger erst mit großem Bahnhof den Fortbestand der beliebten Berlin-Zubringer-Strecke verkündet hatte. Fariba Nilchian aus Bölzke: „Die Schüler, denen er das versprochen hat, wurden aber nach der Wahlkampfzeit enorm enttäuscht.“

Von Claudia Bihler

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