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Nicht nur Stadt der Pferde

Neustadt Nicht nur Stadt der Pferde

Ob mit Gaswerk, Kahlbutz oder offenen Kirchen – Neustadt versucht, seinen Besuchern ein vielfältiges Angebot zu unterbreiten. Viele Gäste wissen das zu würdigen. Und obwohl die Rittermumie in diesem Jahr wohl den Rekord von 2016 nicht knacken kann, sind die Anbieter erneut recht zufrieden.

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Schon im dritten Jahr in Folge laden Kirchen der Region zum spontanen Besuch ein.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. Das Gestüt ist natürlich toll. Aber Neustadt hat seinen Besuchern noch mehr zu bieten. Die Kahlbutz-Mumie im Neustädter Ortsteil Kampehl beispielsweise gehört auch in diesem Sommer wieder zu den Touristenattraktionen der Region.

„Die Besucher kommen – auch viele Kinder“, freut sich Dorit Geu vom evangelischen Pfarramt in Neustadt. Und das gehe schon wieder eine ganze Weile so.„Die Ferien in Sachsen und Sachsen-Anhalt haben ja früh angefangen.“ Nach wie vor ist der Spaß am leicht gruseligen Leichnam offenbar generationenübergreifend: „Ganz spannend ist für mich, dass so viele Großeltern mit ihren Enkeln kommen“, sagt Dorit Geu.

Die Kahlbutz-Forschung läuft

Vielleicht liegt das auch daran, dass anhand der Mumie einiges an Wissen vermittelt wird. Die Kirchengemeinde will selbst dazu beitragen und recherchiert eifrig. Demnächst soll die Regionalgeschichte rund um Kahlbutz anhand einer Stammtafel noch anschaulicher werden. Eine Erkenntnis: So etwas wie ihren Stammsitz hatte die Familie des berüchtigten Ritters in Kampehl gar nicht. Das Gut, das zum Schauplatz der legendären Vorfälle wurde, war wohl eine noch recht junge Erwerbung.

Ganz so viele Gäste wie 2016 erwartet man in Kampehl dieses Jahr nicht. Vielleicht liegt’s am Wetter. „10 000 Besucher werden wir bei Kahlbutz diesmal wohl nicht wieder schaffen“, prognostiziert die Gemeindesekretärin. Im vergangenen Jahr hatte man den Jubiläumsbesucher noch richtig festlich begrüßt. In dieser Saison wurden aktuell erst rund 7000 Gäste gezählt – was in Neustadt noch lange keinen Anlass zur Unzufriedenheit ist.

Ein paar der Gäste dürften auch den Weg in andere Kirchen der Umgebung gefunden haben. Fünf von ihnen – in Neustadt, Köritz, Zernitz, Sieversdorf und Kyritz – sind seit Mai tagsüber ausdrücklich für Besucher geöffnet. „Das betreut der Gaswerksverein“, berichtet Dorit Geu. „Gudrun Weiß engagiert sich da sehr, wenn es um die Kooperation von Museen in der Region geht.“

Das Lob dürfte die Vorsitzende des Fördervereins zur Erhaltung des Gaswerkes Neustadt freuen. In der mittlerweile dritten Saison hat ihr Verein die Trägerschaft über die für die Kirchenöffnung nötige Beschäftigungsmaßnahme übernommen. „Wir führen seit Jahren eine Statistik: Wenn das Angebot da ist, kommen auch Leute.“

Gaswerk-Museum wieder zugänglich

Noch mehr freut sich Gudrun Weiß derzeit aber darüber, dass das Museum rund um das technische Denkmal Gaswerk seit der vergangenen Woche wieder für Besucher geöffnet ist. Die Handwerker haben ihre Arbeit am Ofenhaus vollendet. Nicht nur Eindeckung und Lüftungshaube sind erneuert: Das Haus hat nun auch wieder einen Schornstein. „37 Jahre lang hatte das Gaswerk keinen mehr“, erzählt Gudrun Weiß. Dabei seien einst sogar zwei rund sieben Meter hohe Schlote ein Wahrzeichen der Anlage gewesen. Nun erinnert zumindest ein kleiner Schornstein daran.

Die Ausstellung des Gaswerksmuseums ist derzeit noch etwas eingeschränkt. Im Gasometer wird nach wie vor gebaut. Eine neue Beleuchtung entsteht. „Das wird schick“, verspricht die Vereinsvorsitzende. Bis Ende des Monats werde die Fertigstellung aber noch dauern. Erst dann könne man auch mit dem Aufbau der neuen Ausstellung zur Geschichte der Energiegewinnung beginnen. „Für die Gestaltung suchen wir noch Mitstreiter.“ Jeder, der einen Beitrag (mit Exponaten, handwerklich oder wissenschaftlich) leisten kann und mag, wird gebeten, sich beim Verein (033970/5 11 87) zu melden.

Ausstellungsmacher und alle anderen Interessierten können sich am 10. September einen ersten Eindruck von den Bedingungen im Gasometer verschaffen. „Wer uns am Museumstag besucht, kann sich schon den hell erleuchteten Raum ansehen“, wirbt Gudrun Weiß und betont zugleich: „Das besondere Highlight findet diesmal aber im Kyritzer Klostergarten statt.“ Dort stehen am 10. September ab 14 Uhr unter anderem Musik, kunsthandwerkliche Vorführungen und viele Informationen auf dem Programm.

Kirchen öffnen ihre Türen

Ergänzt wird der Museumstag in diesem Jahr übrigens durch eine Aktion des Kirchenkreises Prignitz. Am „Langen Tag der Freiheit“ öffnen rund 160 Kirchen und Kapellen unter dem Motto „Zwischen Ohnmacht und Pracht“ ihre Türen. Es gibt Führungen, Lesungen und Theater. Die Kirchen in und um Neustadt – Kreuzkirche, Köritzer, Plänitzer und Kampehler Kirche – sind von 11 bis 16 Uhr auch mit dabei. In der Neustädter Kreuzkirche wird dann beispielsweise eine Ausstellung mit Bildern von Kita-Kindern gezeigt.

Von Alexander Beckmann

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