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Niemand hielt an – Ersthelferin außer sich

Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) Niemand hielt an – Ersthelferin außer sich

Beate Corbach aus Wittstock kam auf einen Unfall zu und war die einzige, die half. Zwei Schüler waren mit ihrem Moped verunglückt. Niemand habe angehalten und geholfen, beklagt die Wittstockerin die mangelnde Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen. Sie sei „hilflos und wütend“.

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Bis nach einem Unfall professionelle Hilfe eintrifft, vergeht Zeit, in der Ersthelfer gefragt sind. Doch diese sind offenbar rar.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Hilflos und wütend fühlte sich Beate Corbach aus Wittstock, als sie vor Kurzem ein Erlebnis hatte, das sie immer noch sprachlos macht. Es geschah an einem regnerischen Tag, nachmittags in der Pritzwalker Straße am Wittstocker Bahnhof. Der Berufs- und Schülerverkehr ist in vollem Gange. Zwei Schüler auf einem Motorrad sind auf dem Heimweg, als plötzlich der Autofahrer vor ihnen stark bremsen muss. Das Motorrad verliert auf dem nassen, holperigen Pflaster seinen Halt, rutscht weg. Die beiden Schüler stürzen auf die Fahrbahn. Der kleinere von ihnen liegt mit gebrochenem Fuß halb unter dem Motorrad. Der ältere Fahrer des Motorrads rappelt sich auf, richtet das Motorrad auf und schafft den Verletzten, so gut es geht, an den Fahrbahnrand.

„Als ich nach etwa zehn Minuten an der Unfallstelle vorbei fahre, an der sich noch immer der starke Verkehr vorbeischiebt, bin ich der Ersthelfer“, erzählt sie. Und sie ist nicht nur die erste, die aktiv wird, sondern auch die einzige.

Erst Unverständnis, dann Wut

„Während ich den beiden helfe, merke ich, wie zuerst mein Unverständnis wächst und dann meine Wut.“ Die ganze Zeit nach dem Unfall bis zu dem Moment als sie eintraf, hätten die beiden Schüler von niemand anderem Hilfe bekommen. „Niemand hat angehalten, niemand hat sich erkundigt, nichts. Es ist unglaublich, dass in unserer Stadt, mitten am Tag, bei vollen Straßen, alle an einem Unfall zweier Schüler vorbeifahren und niemand hilft. „An diesem Tag schämte ich mich sehr für meine Stadt.“

Das ist offenbar kein Einzelfall. Taxifahrer René Schmidt aus Wittstock kam Ende vergangenen Jahres ebenfalls auf einen Verkehrsunfall zu. In der MAZ schilderte er später, dass es zwar einige Schaulustige gab, aber nur ein weiterer Mann mit ihm gemeinsam geholfen habe.

Unfallstelle sichern, Notruf absetzen

Wer in eine solche Situation gerät, solle sich zunächst einen Überblick über die Lage verschaffen, die Unfallstelle sichern, einen Notruf absetzen und die Fragen der Leitstelle zu Details beantworten, sagt Mario Grabow, Bereitschaftsleiter der Einheit Katastrophenschutz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Wittstock. „Bei der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen und auch nicht verklagt werden, weil vor Ort etwas nicht richtig lief.“ Wer dennoch mit der Situation überfordert ist, könne Trost spenden, wenn der Betroffene ansprechbar ist. Alles sei besser als gar nichts zu tun.

Von Björn Wagener

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