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Ostprignitz-Ruppin Nietwerders schöne Allee ist dem Tod geweiht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nietwerders schöne Allee ist dem Tod geweiht
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13:30 29.12.2015
In der Allee nach Nietwerder klaffen die ersten Lücken. Nach und nach sollen dort in den nächsten Jahren alle Bäume gefällt werden. Quelle: Peter Geisler
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Nietwerder

Die ersten Bäume sind gefallen. Etwa ein halbes Dutzend zusätzliche Lücken hat eine Firma in den vergangenen Tagen in die Allee nach Nietwerder geschlagen. Doch das ist nur der Anfang: Bis Ende Februar werden allein an dieser Straße 36 alte Bäume gefällt. Und in den nächsten Jahren muss nach und nach die gesamte Allee fallen, heißt es aus der Neuruppiner Stadtverwaltung – alle 220 Bäume an dieser Straße stehen vor dem Aus.

Hendrik-Hans Hüttich sieht keine andere Möglichkeit, die Sicherheit an dieser Straße noch zu gewährleisten. Etliche Bäume an dieser Straße sind schon derart zerstört, dass sie jederzeit umstürzen könnten, fürchtet der städtische Baumwart.

Drei Arten von Pilzen wurden entdeckt

Bei Kontrollen hatte Hüttich drei verschiedene Pilzarten entdeckt, die die Allee nach Nietwerder nach und nach zerfressen: den Brandkrustenpilz, den Sparrigen Schüppling und den Riesenporling. Sie zerstören das Lignin im Baum, einen der wesentlichen Bestandteile des Holzes. Das Holz verliert seine Stabilität, die Bäume stehen nicht mehr sicher, könnten ohne Vorwarnung umstürzen oder große Äste verlieren. So sehr es ihm widerstrebt, Bäume fällen zu lassen: „Das ist eine Frage der Sicherheit“, sagt Hüttich. 36 Bäume müssen jetzt gefällt werden. Auch die anderen sind so alt, dass sie nur noch eine Lebenserwartung von wenigen Jahren haben. „Nach und nach müssen sie alle gefällt werden“, sagt Neuruppins Tiefbaufachfrau Uta Pirk deshalb.

Weil die Allee nach Nietwerder unter besonderem Schutz steht, musste die Untere Naturschutzbehörde des Kreises dem Fällen zustimmen. Doch auch sie und die befragten Vertreter von Naturschutzverbänden sahen keine andere Lösung.

Um die ersten Bäume ist es bereits geschehen. Quelle: Peter Geisler

Die Bäume, die jetzt gefällt werden, sind über die gesamte Länge der Allee verteilt. „Auffällig ist trotzdem eine gewisse Häufung“, sagt Hüttich. Je näher sie an Nietwerder stehen, desto mehr Bäume sind von Pilzen zerstört. Und: Die meisten geschädigten Bäume stehen dort, wo Landwirte mit schweren Maschinen auf die benachbarten Felder fahren. Hendrik-Hans Hüttich weiß um solche Zusammenhänge: Wurzeln werden schnell beschädigt, wenn Autos, Lastwagen oder Traktoren nahe der Bäume über den Boden fahren. Die tonnenschweren Lasten verursachen unterirdisch kleinste Beschädigungen der Wurzeln, über die Pilze in die Pflanzen eindringen können. Oft sind die Folgen erst nach Jahren zu sehen – trotzdem können sie verheerend sein.

Stadt will, dass Bäume besser geschützt werden

Viele wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die Bäume sind relativ neu. „Früher hat man vieles gar nicht gewusst“, sagt Hüttich. Folglich gingen die Menschen mit Bäumen anders um. In Neuruppin beginnen sich die Aufgaben für die Baumwarte gerade etwas zu wandeln. Künftig sollen sie nicht nur den Zustand der 30 000 Bäume in der Fontanestadt begutachten. Sie sollen verstärkt darauf achten, dass sie besser geschützt werden, etwa bei Bauarbeiten. Die Stadtverwaltung will auf Vorbeugung setzen, kündigt Baudezernent Arne Krohn an. Darauf, dass schwere Schäden an Bäumen gar nicht erst entstehen. Denn die Kosten sind enorm. 36 Bäume lässt die Stadt bei Nietwerder roden, 20 weitere an der Fehrbelliner Straße allein das kostet inklusive der Vorbereitung für eine Nachpflanzung knapp 60 000 Euro.

Naturschutzbehörde besteht auf Erhalt der Allee

Für die Bäume, die jetzt in der Allee nach Nietwerder stehen, ist es zwar zu spät. Doch Bäume soll es dort auch künftig geben. Die Untere Naturschutzbehörde erwartet von der Stadt ein Konzept, wie sie die Allee dort auf Dauer erhalten will. So merkwürdig es erst einmal klingt: Teil des Planes ist es, in den nächsten Jahren weitere größere Lücken zu schlagen. Damit junge Alleebäume gut nachwachsen, brauchen sie Platz und Licht. Größere Lücken für zehn oder 20 neue Bäume sind dabei besser als kleine. Zwischen zwei alten Baumkronen wird sich ein einzelner junger Baum kaum gut entwickeln, sagt Fachmann Hüttich.

Dass Bäume nachgepflanzt werden müssen, steht außer Frage. Die Firma, die die Bäume fällt, muss deshalb auch die Wurzen aus dem Boden fräsen und die pilzdurchsetzte Erde ringsum beseitigen. Ein Großteil davon ist Sondermüll, sagt Hüttich. Pilze und ihre Sporen befinden sich zwar immer im Boden und in der Luft. Die junge Bäume, die nachgepflanzt werden, sollen in einem neuen Substrat aber so gute Wachstumsbedingungen finden wie möglich.

Von Reyk Grunow

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