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Ostprignitz-Ruppin Nina Hagen würde weiterhin die Nase rümpfen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nina Hagen würde weiterhin die Nase rümpfen
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02:15 21.04.2017
Der von allen Gerüchen extremste bot sich jahrelang vor allem in der Pritzwalker Straße in Höhe des Polizeireviers. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Dass derzeit auf dem Gelände der Kyritzer Stärkefabrik eine Anlage montiert wird, die das bei der Kartoffelverarbeitung anfallende und stinkende Wasser neutralisieren soll, hat die Diskussion um die Geruchsbelästigung in der Stadt neu entfacht. Denn die Anlage ist zwar ein Erfolg für die Akteure der Initiative „Stärke ohne Gestank“, weil die bisher von den Fruchtwasserbecken bei Drewen und Rüdow ausgehende Belastung sinkt. Doch auch unmittelbar in Höhe der Stärkefabrik inmitten der Stadt kennen vor allem Kraftfahrer einen noch ganz anderen, auf seine Weise extremen Geruch – der sich mit der neuen Anlage wohl nicht erledigt.

Besagten Geruch soll es so einst nicht gegeben haben, sondern erst seit der dort in der Nähe erfolgenden Biodieselproduktion. Auch Abwässer dieses Werks fließen Richtung Pritzwalker Straße. Passanten haben dort jedoch immer nur die Stärkefabrik vor Augen. „Wir sind das aber nicht“, hatte Werksleiter Martin Jahn jüngst anlässlich des Aufbaus der Eindampfungsanlage betont (MAZ berichtete). „Hier läuft derzeit nicht mal ein Prozess, der so etwas auslösen könnte.“ Doch auch Verantwortliche des Biodieselwerks der Firma „Bioeton“ wollten vom Extremgeruch nichts wissen. Vielmehr wurde auf Gerüche abgehoben, die beim Rapspressen entstehen und wohl von jedem anders wahrgenommen werden: Was für die einen angenehm nussig riecht, sei für andere unerträglich.

Schachtabdeckungen keine Problemlösung

Unterdessen aber hatte die MAZ aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass aus einer Grube für sogenanntes Separatoren-Abwasser, das bei der Reinigung von Rohöl entsteht, manchmal etwas in die Kanalisation fließe. Von chemischen Prozessen rund um das Rapsöl und zugesetztem Rindertalg etwa war die Rede. Kleinste Mengen davon würden reichen, und die Bürger bekommen es mit dem oft als bestialisch bezeichneten Gestank zu tun. Dieses Abwasser aber sei weder illegal noch giftig, sagt Joachim Stoltz, der Vorsteher des Wasser- und Abwasserverbands (WAV) Dosse. Bei diesem ist das Geruchsproblem dennoch längst ein Thema. Voriges Jahr habe es Arbeiten an Schachtabdeckungen gegeben. „Es ist seither besser geworden“, glaubt Stoltz. Vermutlich aber funktioniere das System noch nicht ganz so, wie es soll: „Wir sind mit Biodiesel weiterhin im Gespräch.“

Vor allem Kraftfahrer würden unter dem Geruch leiden, weil sie während des Überfahrens von Kanaldeckeln für einen Sog sorgen, der den Geruch in die Fahrzeuge zieht. Normalerweise aber strömt Luft durch Löcher im Deckel in den Kanal hinein, um erst wieder aus den Rohröffnungen auszutreten, wie sie auf Dächern überall zu finden sind. Diese Be- und Entlüftung funktioniere an der Stelle also nicht richtig. „Der Kanal an sich hat keine Macken. Der ist in Ordnung“, sagt Stoltz. Zudem habe den WAV bisher nur eine einzige Beschwerde auf offiziellem Weg erreicht: von der Polizeiwache.

Auch Nina Hagen fiel der Gestank schon auf

Doch gerade laut Polizei ist das Problem eben noch nicht beseitigt. Axel Redepenning etwa äußert sich dazu via Internet bei Facebook: „Ich als Nachtschichtler kann euch sagen, dass ihr in der Nacht fast die Uhren stellen könnt. Immer gegen 2 bis 3 Uhr hältst du es in der Pritz­walker Straße kaum aus.“

Bei Facebook wird auch an den Privatbesuch Nina Hagens voriges Jahr erinnert. Die Musikerin hatte damals auf ihrer Seite viel Schönes über Kyritz geschrieben, aber auch: „Leider verpestet jetzt bestialischer Gestank die Luft in der Gegend, wo das Finanzamt, das Arbeitsamt und die Polizeistation stehen! Hoffentlich befreien sich die Kyritzer von diesem Problem, denn der Duft der Luft ist wie in der Gruft!"

Von Matthias Anke

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