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Ostprignitz-Ruppin Numismatiker feierten 50-jähriges Überleben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Numismatiker feierten 50-jähriges Überleben
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15:49 24.10.2017
Vorsitzender Frank Wilcke mit einem Gründungsfoto des Wittstocker Vereins. Quelle: Gerd-Peter Diederich
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Wittstock

Selten begleiten auch die Ehefrauen ihre Männer zu den rituellen Treffen in der Fachgruppe Numismatik in Wittstock. Jüngst waren sie ausdrücklich zur Festveranstaltung eingeladen. Die Fachgruppe Numismatik im Kulturbund feierte das 50-jährige Bestehen im Hotel Röbeler Thor in Wittstock und hatte auch Ehrengäste eingeladen, die treue Wegbegleiter und Partner dieser Sammlerspezies sind. Fachgruppenvorsitzender Frank Wilcke begrüßte jedoch betont alle teilnehmenden Ehefrauen aus gutem Grund. „Regelmäßig verabschieden wir uns sonst abends von ihnen und gehen zu unseren Treffen, von denen wir meistens spät wieder heimkehren. Wir danken unseren Ehefrauen, dass sie soviel Verständnis für unser Hobby haben“, sagt Wilcke, begleitet vom Applaus der Fachgruppenmitglieder für ihre Frauen. Die Numismatiker sind auch oft unterwegs, zu Tauschbörsen, Messen und sogar auf Flohmärkten in anderen Städten auf der Jagd nach besonderen Medaillen, Münzen, Geldscheinen, Klippen, Medaillons und historischen Fachbüchern. Immer noch wird Gold, Silber, Kupfer, Bronze und Ton gesammelt, solange es etwas mit Geld und persönlich favorisiertem Spezialgebiet des Zahlungs- und Geldverkehrs in der Historie zu tun hat.

Vize-Bürgermeisterin Dorothea Stüben gratulierte

In seiner Festrede versichert Vorsitzender Frank Wilcke, dass diese Sammelleidenschaft wahrlich keine Ausnahme ist. Sehr viele Menschen würden Geld sammeln. Viele bevorzugen dabei zwar die noch gültigen Zahlungsmittel als Kapitalanlage. Aber viele Unbekannte sammeln auch wie die Fachgruppenmitglieder aus historischem Interesse oder der Freude an außergewöhnlich schönen, polierten oder besonders alten Prägungen und Drucken. Das Besondere an den Wittstocker Numismatikern hingegen ist der Umstand, dass sie als Einzige in einem großen Gebiet zwischen Kyritz, Neuruppin und Rheinsberg in Wittstock als organisierte Fachgruppe jetzt schon 50 Jahre überlebt haben und sich sogar über jüngere Nachrücker freuen können. Dorothea Stüben, als Stellvertreterin des Bürgermeisters Ehrengast der Festveranstaltung, gratulierte zum Jubiläum. „Die funktionierenden Vereine gehören zum Gemeinwohl in der Stadt Wittstock und die Numismatiker tragen wesentlich dazu bei“, betonte Stüben in ihrem Grußwort. Sie war erfreut, dass sich diese Fachgruppe ein Ersatzdomizil für die Vereinsarbeit Mithilfe der Volkssolidarität in Wittstock beschafft hat, als die Schließung des Torbogenhauses wegen einer Umgestaltung als Laga-2019-Veranstaltungsort angekündigt wurde. Statt darüber zu lamentieren, sei mit dem Angebot der VS, einen Raum in der Begegnungsstätte in der Poststraße 11 ab Januar 2018 für zwei Jahre in Anspruch zu nehmen, eine schnelle Lösung für eine unterbrechungsfreie Vereinsarbeit organisiert worden.

Helmut Krieglstein (Mitte) erinnerte sich an besonders schöne Zeiten und Sammlerstücke. Quelle: Gerd-Peter Diederich

Die Festveranstaltung hatte der damals erste Fachgruppenvorsitzende Helmut Krieglstein eröffnet, der im Dezember bereits 83 Jahre als wird. Er gehört, wie auch der inzwischen ebenfalls 82-jährige Jürgen Bernhardt zum Urgestein, zu den Vereinsgründern, damals unter der Schirmherrschaft des Kulturbundes der DDR. Doch da hatten in der Mitgliederanzahl noch die Philatelisten die Vormachtstellung mit über 50 organisierten Mitglieder, während es bei den Numismatikern um 20 Mitglieder lange Zeit sehr stabil geblieben war. Jetzt sind sie noch 14 und damit eine immer noch große Runde, während die Wittstocker Philatelisten auf inzwischen nur noch sechs Mitglieder extrem geschrumpft sind. Daher ist es überlebenswichtig, wie Uwe Weltzin von den Philatelisten bestätigt, dass sie sehr eng zusammenarbeiten. Mit großem Erfolg, wie Frank Wilcke mit dem Hinweis auf die alljährlich in Wittstock gemeinsam veranstaltete Großtauschbörse mit scharenweisen Besucherströmen aus dem ganzen Kreis OPR und bis Hamburg und Berlin bekräftigt.

DDR-Chef Egon Krenz antwortete nie auf den Brandbrief

Zum Glück hat Helmut Krieglstein von Anfang eine Chronik geführt, die im ersten Teil mit dem Ende der DDR und einem darauf begründeten Brandbrief an den letzten Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz endet, worin die Wittstocker Numismatiker ihrem Unmut über die verfehlte Politik und ihre Sorgen Luft machen und eine sofortige Richtungsänderung in der Gesellschaft einfordern. „Eine Antwort von Krenz haben wir nicht mehr bekommen, dann kam die Wende“, sagt Krieglstein. Mit der aktuell weitergeführten Chronik stehen die Numismatiker in Wittstock gut da. Sie wurde vielfach verteilt, unter anderem im Wittstocker Museum und in der Stadtverwaltung ist sie archiviert. Darin finden sich auch die vielen Turmknopföffnungen dokumentarisch wieder, wie es sie nach der Wende bei den Dachsanierungen von der St.-Marien-Kirche, Heiligegeistkirche und vom Rathaus in Wittstock gegeben hat. Die darin aufbewahrten Funde von Originalmünzen und Dokumenten aus den jeweiligen Epochen sind auch aus musealer Sicht wertvoll und wurden stets fachlich aufbereitet und ausgewertet. „Wer von weiteren Turmdachsanierungen und damit geplanten Turmknopföffnungen weiß, sollte uns dazu informieren. Wir sind gerne dabei, wenn diese Kugeln von Turmspitzen geöffnet und ihr Inhalt dokumentiert wird“, sagt Wilcke.

Selbst die Münzsammlungen der Numismatiker sind gerne für städtische und Museumsausstellungen gesehen, weil sie ebenfalls viel Lokalgeschichte im Handel, Leben und Waren-Geldverkehr widerspiegeln.

Selbst an der Festtafel hat ein richtiger Numismatiker die besten Sammlerstücke dabei. Quelle: Gerd-Peter Diederich

Zur Festveranstaltung haben daher Fachgruppenvorsitzender Frank Wilcke und Museumsleiterin Antje Zeiger verabredet, die sechs in der Festveranstaltung gezeigten Schaukästen der Numismatikerarbeit anschließend für mehrere Monate auch im Museum auszustellen. Solche Exponate wie Geld und Münzen aus verschiedenen Epochen kämen bei Museumsbesuchern immer gut an. „Geld hat etwas Magisches, Geld hat etwas Erotisches, die Aura des Originals ist durch Nichts zu toppen“, sagt Antje Zeiger. Auch die inzwischen im Fünf-Jahre-Abstand von der Fachgruppe selbst herausgegebenen Eine-Feinunze-Jubiläumsmedaillen in Gold, Silber und Bronze sowie die jährlich geprägten eckigen Klippen sind sehr beliebt und schnell vergriffen. Einige sollen jetzt nachgeordert werden, wie Wilcke ankündigte. Zumal sich alle Festbesucher darin einig waren, dass weitere Prägungen folgen werden und dem Verein weiter ein langes Leben beschieden sein wird. Darauf wurde mit Sekt angestoßen.

Die Mitglieder, deren Ehepartner und viele Ehrengäste der Fachgruppe Numismatik Wittstock feierten jüngst im Hotel Röbeler Thor das 50-jährige Bestehen.

Von Gerd-Peter Diederich

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