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Nur Kutschen dürfen aufs Bombodrom

Wanderer und Radler müssen warten Nur Kutschen dürfen aufs Bombodrom

Bis auf Weiteres dürfen Touristen nur mit Kutschen auf das einstige Bombodrom-Gelände. Wanderern und Radfahrern bleibt die Kyritz-Ruppiner Heide wegen der vielen Blindgänger vorerst weiter verschlossen. Auf dem Areal leben mindestens zwei Wölfe, mehrere Seeadler sowie unzählige Arten, die vom Aussterben bedroht sind wie Schlingnattern und Steinschmätzer.

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Inzwischen leben wohl zwei Wölfe auf dem Gelände.

Quelle: dpa

Neuruppin. Besucher der Kyritz-Ruppiner Heide können deren Naturschätze bis auf Weiteres nur bei Kutschfahrten im Süden des Areals bewundern. „Wir sind vom Öffnen der Heide für Jedermann noch weit entfernt“, bedauert Landrat Ralf Reinhardt (SPD).

Reinhardt hatte zumindest auf eine Freigabe der Wege für Radfahrer und Wanderer zwischen Neuglienicke, Pfalzheim und Rossow durch den Kampfmittelräumdienst gehofft. Immerhin war die rund zehn Kilometer lange Strecke nach Munition abgesucht und diese auch beräumt worden, so dass seitdem dort Besucher per Kutsche in die Heide fahren können. Reinhardt musste seine „anfängliche Euphorie“ aber bei der dritten Heidekonferenz am Montag relativieren. Grund: Der Kampfmittelräumdienst, der der Polizei untersteht, hat keine Freigabe für Radfahrer und Wanderer erteilt.

Auch der Wiedehopf fühlt sich wohl in der Heide

Auch der Wiedehopf fühlt sich wohl in der Heide.

Quelle: dpa

Allerdings macht das die Behörde auch sonst nicht. Über die Freigabe von Wegen in munitionsbelasteten Gebieten haben stets die Ordnungsbehörden vor Ort zu befinden. Diese orientieren sich aber zumeist an den Empfehlungen der Munitionsexperten. Bei den Wegen zwischen Neuglienicke, Pfalzheim und Rossow haben sie darauf verwiesen, dass abseits der Wege durchaus große Gefahren durch Blindgänger lauern können. Während die geschulten Kutscher aufpassen, dass ihre Gäste auch bei Pausen nicht von abgesuchten Wege auf dem einstigen Truppenübungsplatz abkommen, wären Wanderer und Radfahrer auf sich gestellt. Wer übernimmt also die Verantwortung dafür, dass niemand abseits der Wege auf eine Mine tritt oder auf ein Stück Metall klopft, das dann explodiert? So lange diese Frage nicht beantwortet ist, wird der Landkreis wohl kein grünes Licht für Radfahrer und Wanderer in der Heide geben.

Die unzähligen Tiere, die auf dem knapp 12 000 Hektar großen Areal leben, wird das kaum stören. Die Förster der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der die Heide gehört, gehen inzwischen sogar davon aus, dass nunmehr zwei Wölfe auf dem einstigen Übungsplatz leben – wenngleich dafür noch der letzte Beweis fehlt. „Uns ist bisher nur ein Wolf in die Fotofalle gegangen“, sagte Rainer Entrup, der bei der Bima für die Kyritz-Ruppiner Heide zuständig ist.

Ebenfalls auf dem Gelände anzutreffen sind Schlingnattern

Ebenfalls auf dem Gelände anzutreffen sind Schlingnattern.

Quelle: wikipedia

Sicher ist indes, dass jede Menge Arten, die in Deutschland vom Aussterben bedroht sind, sich in der Heide wohl fühlen. Das belegt eine von der Bima in Auftrag gegebene Naturstudie. Demnach leben in der Heide nicht allein Seeadler, sondern ebenfalls Steinschmätzer, Schlingnattern, Schwarzkehlchen sowie viele andere seltene Vögel und Insekten. „Wir haben eine Vielfalt, um die uns viele beneiden“, betonte Ute Steinke, Fachgebietsleiterin Naturschutz beim Bundesforstbetrieb Westbrandenburg. Das gilt ebenfalls für die vielen Farne, Moose und Flechten, die in der Heide wachsen.

Möglich ist diese Vielfalt nur dank der Bima. Diese lässt meist im Februar, März 100 bis 150 Hektar Heide im Jahr abfackeln. Nur so kann die Heide erhalten, verjüngt und das Entstehen von weiteren Waldflächen verhindert werden. Das sogenannte Flämmen hat einen weiteren Vorteil: Danach sehen die Bima-Leute, wo noch immer Blindgänger und Militärschrott liegen – mehr als 20 Jahre nach Abzug der sowjetischen Armee. Die Munition wird beräumt. „Nach dem Brennen blüht die Heide im Schnitt zehn Tage länger als die alte Heide“, schwärmt Bima-Mann Entrup, der selbst gern mal durchs Areal streift. Ohne Fahrrad.

Von Andreas Vogel

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