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Nur verhaltene Freude über Bundesplan

Neuruppin Nur verhaltene Freude über Bundesplan

Der Bundesverkehrswegeplan bis 2030 sorgt im Norden Brandenburgs nur für verhaltene Freude. Denn die A 24 zwischen Kremmen und Neuruppin wird nicht auf sechs Spuren ausgebaut. Vielmehr werden die Standstreifen lediglich so hergerichtet, dass sie bei erhöhtem Verkehrsaufkommen als Fahrspur genutzt werden können.

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Die Arbeiten an der A 24 bis Neuruppin sollen 2018 beginnen und bis Ende 2022 fertig sein.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Freude des Landrats Ralf Reinhardt (SPD) über die Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplanes durch das Bundeskabinett fiel am Donnerstag verhalten aus. „Ich freue mich, dass es überhaupt vorangeht“, sagte Ralf Reinhardt. Weniger begeistert ist er jedoch, dass die A 24 zwischen Kremmen und Neuruppin lediglich in der sogenannten 4+2-Variante ausgebaut wird. Das heißt, nur der jeweilige Standstreifen in beiden Fahrtrichtungen wird als dritte Fahrspur gebaut. Genutzt werden darf die zusätzliche Fahrspur nur bei erhöhtem Verkehrsaufkommen und nachdem der Standstreifen durch eine Art Ampel-System auch für den Verkehr freigegeben wurde. „Ich hoffe, dass das Bundesverkehrsministerium noch viele Termine in Hamburg hat und sieht, dass auf der A 24 noch nachgesteuert werden muss“, sagte Reinhardt.

Autobahn A 24 ist unterschiedlich stark belastet

Davon scheint das Land allerdings nicht zwingend auszugehen. Schließlich sei es kein Geheimnis, dass die Autobahn zwischen Berlin und Hamburg extrem unterschiedlich stark belastet ist, sagte ein Sprecher. In der Urlaubs- und Ferienzeit, wenn es Tausende in Richtung Ostsee zieht, gibt es nahezu täglich kilometerlange Staus auf der Strecke. Außerhalb der Saison sei es hingegen auf der A 24 vergleichsweise leer. Das stimmt allerdings nur teilweise. Denn auch an den meisten Wochenenden sowie zu Feiertagen drängeln sich tausende Fahrzeuge zwischen Wittstock, Neuruppin und Kremmen.

„Bei dichtem Verkehr bleibt häufiger mal ein Auto stehen. Dann kann der Randstreifen auch nach dem Ausbau nicht genutzt werden“, sagte Reinhardt. Der Landrat glaubt deshalb nicht, dass der jetzt geplante 4+2-Ausbau wesentlich die Verkehrssituation auf der A 24 entspannt. Vielmehr hofft Reinhardt, dass es im Verlauf der Bauarbeiten noch zu einer Kurskorrektur kommt. Das sei beim Bau der A 14 ebenfalls geschehen.

Private Geldgeber sollen die Arbeiten finanzieren

Dass Ähnliches bei der A 24 auch passieren wird, ist bisher nicht abzusehen. Schließlich hat das Bundeskabinett erst am Mittwoch den Verkehrswegeplan beschlossen. Der Abschnitt der A 24 von der Ausfahrt Kremmen bis zur Ausfahrt Neuruppin komplettiert dabei das Projekt, zu dem der sechsspurige Ausbau der A 10 zwischen dem Dreieck Pankow und dem Dreieck Havelland gehört. Die Arbeiten gehören zu einem Projekt öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) und sollen durch private Geldgeber finanziert werden. Diese erhalten ihre Investitionen dann über eine Zeit von 30 Jahren vom Bund zurück. Der Bund verspricht sich von diesem Modell kürzere Bauzeiten, als wenn die öffentliche Hand selbst tätig wird. Landrat Reinhardt würde sich über kurze Bauzeiten freuen. Schließlich wird der Verkehr bei einem Teil der Arbeiten über Neuruppin und die Landesstraßen L 16 und L 18 umgeleitet. „Das wird sicher zu Einschränkungen führen.“

Doch bis dahin dauert es noch. Erst Ende 2017 werde wohl der Zuschlag für den Ausbau der Autobahn erteilt, sagte Michael Zarth, Sprecher der Deges. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft hat im Auftrag des Landes Brandenburg die Vergabeunterlagen für das Millionenprojekt erstellt. Sie sollen Anfang August den Interessenten überreicht werden. Mit einem Beginn der Arbeiten könne vielleicht im Jahr 2018 gerechnet werden, mit dem Abschluss frühestens Ende 2022, so Zarth.

Grüne Brücke für Wildtiere zwischen Neuruppin und Wittstock

Noch keinerlei Termine gibt es hingegen für den Bau einer sogenannten grünen Brücke für Wildtiere über die A 24 zwischen Neuruppin und Wittstock. Gleichwohl sieht Landrat Ralf Reinhardt jetzt auch dafür eine Chance. Schließlich sei nun klar, dass der Bund die A 24 bis zur Abfahrt Wittstock sechsspurig ausbauen will – wenngleich auch für den Abschnitt von Neuruppin bis zur Dossestadt lediglich der jeweilige Standstreifen als gelegentliche Fahrspur fit gemacht werden soll. „Die Plandimension für die Gesamtbreite der Fahrbahnen ist jetzt bekannt“, sagte Reinhardt. Damit könne der Landesbetrieb mit den Planungen für die Brücke beginnen. Der Landkreis hält dazu bereits Kontakt mit dem Bundesumweltministerium. Da ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren notwendig ist, rechnen Experten mit einem Bau der Brücke erst nach 2020.

Wegen der vielen Wildunfälle auf der A 24 fordern seit Jahren der Landkreis und das Amt Temnitz so eine Brücke. Neben Füchsen, Hasen und Dachsen werden auch Rehe, Wildschweine sowie ab und zu junge Wölfe überfahren (die MAZ berichtete). Die Schutzzäune im nördlichen Teil der A 24 haben die Gefahr durch Wildwechsel zwar minimiert, aber Rot-, Schwarz- und Damwild brauchen eine sichere Route über die Autobahn. Sonst können sie sich nicht genetisch austauschen, was zu Inzest und kranken oder auffälligen Tieren führt, befürchten Naturschützer.

Noch keine Trasse für Ortsumgehung Neuruppin

Die Kosten für den sechsstreifigen Ausbau der Autobahn vom Dreieck Pankow bis zum Dreieck Havelland und für die Kameratechnik für das Nutzen der Seitenstreifen bis zur Abfahrt Neuruppin würden nach heutigem Stand etwa 400 Millionen Euro kosten.

Neben der Sanierung und dem Ausbau der A 24 gibt es weitere Projekte in Ostprignitz-Ruppin, die im Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf bis 2030 enthalten sind. Zu den wichtigsten dürfte die Ortsumgehung von Neuruppin gehören. Darüber wird zwar bereits seit mehr als zehn Jahren gesprochen, aber bisher gibt es keine Trasse, auf die man sich verständigen konnte.

Hauptgrund ist der hochsensible Naturraum im Bereich des Rhins und der nördlich von Alt Ruppin gelegenen Seen, die zerschnitten werden müssten. Der Neuruppiner Ortsteil soll ebenfalls umfahren werden. Die Ortsumfahrung soll nach derzeitigem Stand etwa 13 Kilometer lang sein.

Die Ortsumgehung von Heiligengrabe ist ebenfalls im Bundesverkehrswegeplan enthalten wie die Verlängerung der Bundesstraße 189 von Wittstock nach Mirow. Dafür kämpft die Dosse­stadt zusammen mit Mirow bereits seit Jahren.

Von Andreas Vogel

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