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Nutztiere mit sechs Beinen

Barsikow Nutztiere mit sechs Beinen

Imker Oliver Schulze aus Barsikow fehlt es nie an Süßem. Er hat das einstige Hobby längst zum Beruf gemacht. Im MAZ-Interview erklärt er unter anderem, wie es Bienen und Imkern derzeit so geht und warum beide eigentlich gar nicht für das bezahlt werden, was sie leisten.

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Oliver Schulze betreibt Dutzende von Beuten (Kästen mit Bienenvölkern). Nur ganz wenige davon stehen im eigenen Garten.

Quelle: Alexander Beckmann

Barsikow. Die meisten betreiben sie als Hobby, doch für Oliver Schulze (47) in Barsikow (Gemeinde Wusterhausen) ist die Imkerei neben der Landwirtschaft das zweite berufliche Standbein. Oliver Schulze leitet den Imkerverein Kyritz. Im Auftrag des Landkreises ist er zudem als Bienensachverständiger unterwegs.

Von der Imkerei hört man meistens als Hobby. Wie kommt man darauf, daraus einen Beruf zu machen?

Imker ist ja ein Beruf. Da gibt’s einen Gesellen- und einen Meisterbrief. Den habe ich zwar nicht, aber ich bin mit den Bienen von meinem Großvater aufgewachsen, von Kind an damit in Berührung gewesen – eigentlich so lange, wie ich denken kann. Das war ein nahtloser Übergang zur eigenen Imkerei. Vom Hobby zum Beruf. Und dann wurde es immer mehr – mehr Kunden, mehr Bienen.

Kann man davon leben?

Ja. Es gibt bestimmt über 500 Berufsimkereien in Deutschland. Aber dann muss man das auch wie einen Landwirtschaftsbetrieb betreiben. Das ist nicht anders als in einer Milchviehanlage oder bei der Pferdezucht. Es gibt Imkereien mit weit über 1000 Völkern. Die haben dann sieben, acht Mitarbeiter. So groß ist es bei mir nicht.

Und Geld gibt es vor allem für den Honig?

Ich verkaufe Honig und andere Imkereiprodukte bei mir auf dem Hof und über regionale Vertriebspartner. Das ist bei anderen Imkern ganz ähnlich. Obwohl: Der größte Teil des wirtschaftlichen Nutzens der Biene liegt eigentlich in der Bestäubungsleistung. Aber die bekommt der Imker in Deutschland in der Regel nicht bezahlt – höchstens mal im Obstbau oder so.

Muss man bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um als Imker zu arbeiten?

Man sollte mit Tieren umgehen können. Die Biene ist ein eigenständiger Organismus, ein Stück Natur. Sie macht, was sie will, und nicht, was der Imker will. Das muss man erkennen.

Aber sonst könnte das jeder machen?

Es gibt im Moment hier bei uns durchaus wieder einige Jungimker. Die meisten sind so zwischen 40 und 60. Das sind Leute, die über die Liebe zur Natur zur Imkerei finden. Für viele ist das ein persönlicher Ausgleich, ein Ruhepol. Hektik mögen Bienen nämlich gar nicht.

Haben Sie eine persönliche Beziehung zu Ihren Bienen?

Nein, nicht so wie vielleicht bei anderen Nutztieren. So eine Biene lebt im Sommer sechs Wochen und im Winter acht Monate. Die kann man nicht dressieren. Sie bleibt ein wildes Tier.

Also auch keine Namen für die Lieblingsbienen?

Nein. Nur ausgesuchte Königinnen haben eine eigene Nummer. Bei der Bienenzucht wird ja genauso ein Herdbuch geführt wie bei Pferden oder Rindern.

Finden Sie Insekten grundsätzlich nett oder gibt es auch welche, zu denen Sie lieber Abstand halten?

Manches mag man lieber, anderes nicht so. Aber in der Natur hat alles seinen Platz. Mücken mag ich nicht besonders. Da stehe ich nachts schon mal auf, wenn so ein Ding im Zimmer summt. Dagegen hilft übrigens auch der Bienenschleier, den die Imker benutzen.

Apropos Schutzbekleidung: Wird man damit wirklich nicht gestochen?

Wenn man eine Biene drückt, dann sticht sie auch durch den Anzug durch. Aber die Kleidung beruhigt den Menschen. Wer Angst hat wird öfter gestochen. Angst macht die Bienen nervös.

Die sind ganz schön sensibel. Brauchen Bienen eigentlich viel Pflege?

Heutzutage kann man sagen: Ja. Die Bienen sind Jahrmillionen gut alleine zurechtgekommen. Aber heute sind Krankheiten eingeschleppt, die ihnen ohne imkerliche Betreuung ernsthaft zu schaffen machen. Ob das in 20 oder 50 Jahren auch noch so ist, kann ich nicht sagen. Da wird ja weiter gezüchtet.

Sie sind Bienensachverständiger. Was bedeutet das?

Unser Landesverband bildet Bienensachverständige aus. Wir beraten die Imker – vor allem, wenn es um die Bienengesundheit geht. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat auch selbst eine Hand voll Bienensachverständige beauftragt. Das ist nicht überall so üblich.

Welchen Zweck hat das?

Wir fahren zum Beispiel zu den Imkern und nehmen Proben vom Honig oder auch von Brutwaben für amtliche Untersuchungen. Im Moment machen wir das rund um Rheinsberg, weil da die Amerikanische Faulbrut ausgebrochen ist. Das ist eine ansteckende Krankheit die die Bienenbrut befällt und komplette Bestände vernichten kann. Wir helfen also dem Landkreis dabei, den befallenen Bereich einzugrenzen.

Von Krankheiten bedroht

Der Totalverlust von Bienenvölkern ist für Imker ein alltägliches Risiko. Verantwortlich dafür sind auch Krankheiten.

Bekannt ist beispielsweise der Befall durch die Varroamilbe, einen inzwischen weit verbreiteten Parasiten, der die Insekten allgemein schwächt und zudem Viren übertragen kann.

Aktuell wurden aus der Region um Rheinsberg Fälle von Faulbrut gemeldet. Dabei handelt es sich um eine gefährliche bakterielle Infektion von Bienenlarven. Die Erkrankung gilt als leicht übertragbar und ist anzeigepflichtig.

Über Proben wird der Befall ermittelt. Die betroffenen Völker werden vernichtet.

Und wie geht es den gesunden Bienen?

Das Frühjahr war nass und kalt. Dadurch hat sich die Entwicklung der Bienen verzögert. Das bekommen auch die Obstbauern zu spüren – neben den Folgen der Frostnächte. Aber der Imker merkt es genauso. Unsere Hauptsaison geht ja nur bis Mitte Juli. Danach blüht kaum noch was. Dann werden die Völker schon auf den Winter vorbereitet. Mehr als ein durchschnittliches Honigjahr werden wir wohl nicht bekommen.

Stichwort Honig: Es gibt ja lauter verschiedene Sorten – Lindenblüten, Raps . . . Ist da wirklich was dran?

Na, sicher. Den Unterschied schmeckt man und riecht man. Es gibt sogar richtige Kurse, in denen man lernt, verschiedene Sorten herauszuschmecken. Honig ist so unterschiedlich wie Wurst oder Wein – von mild bis streng.

Aber wie bringt man Bienen dazu, nur eine bestimmte Sorte Blüten anzufliegen?

Die Bienen sind blütenstet. Die haben Kundschafter. Und nur, wo die waren, fliegen auch die Sammler hin. Für ein Glas Honig sind das so um die drei Millionen Blüten. Als Imker braucht man natürlich Flächen mit den passenden Pflanzen. Wenn es die zu Hause nicht gibt, muss man sie anwandern. Ich hab zum Beispiel einen Radius von 50 oder 60 Kilometern und das ist noch sehr komfortabel. Es gibt Kollegen, die wandern über Hunderte von Kilometern.

Welchen Honig soll man denn nun kaufen?

Zuerst mal natürlich den, der einem schmeckt. Aber jeder Honig hat unterschiedliche Inhaltsstoffe und wirkt unterschiedlich auf den Körper. Das kann einem der Imker erklären. Und Honig gibt richtig Energie. So ein Energy-Drink ist eine Lusche dagegen.

 

Von Alexander Beckmann

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