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OPR und Prignitz: Händler bleiben beim Kupfer

Abschaffung von Kleingeld OPR und Prignitz: Händler bleiben beim Kupfer

Sie sind klein und verfangen sich immer in der letzten Ecke des Portemonnaies. Doch nicht nur für Käufer sind die 1- und 2-Cent-Stücke oft eine Plage: Auch die Händler haben mit dem Kleinstgeld zu kämpfen – spätestens seitdem sie bei den Banken oft eine deftige Gebühr für deren Annahme bezahlen müssen. Die Kupferlinge abschaffen wollen sie dennoch nicht.

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Caféinhaberin Ingrid Huth mit Kupferlingen.

Quelle:  Geisler

Neuruppin. Die Milch im Ruppiner Bio-Konsum kostet 1,50 Euro, die Butter 2,35  Euro. Wo sind nur die krummen Zahlen mit der 9 am Ende geblieben, die sonst auf den Etiketten prangen? Die kommen schlicht nicht in die Papiertüte von Oliver Prokop. „Bei uns enden alle Preise auf 0 oder 5 Cent, mit ganz kleinen Ausnahmen, die uns vorgegeben werden“, sagt der Inhaber des Neuruppiner Ladens. „Wenn etwas 2,99 Euro kostet, dann kann man auch 3 Euro hinschreiben. Der eine Cent macht niemand glücklich.“ Die Strategie sorgt bei Kunden für Zufriedenheit und in der Kasse für eine angenehme Leere, die den Gang zur Bank und Einzahlkosten spart. „Von mir aus könnte man auf die 1- und 2-Cent-Stücke ganz verzichten.“

In Kleve wird kaum noch Kupfer herausgegeben

Genau diesen Weg gehen seit Februar Einzelhändler im nordrhein-westfälischen Kleve. Nach dem Vorbild der Niederlande, wo seit Jahren runde Beträge üblich sind, rief dort die Händlervereinigung auf, das Kupfergeld aus den Kassen zu verbannen. Seitdem werden Preise in Kleves Geschäften gerundet. Zwar hat der Kunde weiter Anspruch, mit Kupfergeld zu bezahlen und auch sein Rückgeld auf Cent genau rauszubekommen. Allein: Den Berichten zufolge verlangt es kaum jemand.

Auf die Idee kamen die Händler, weil ihnen die Abwicklung der Zahlungsvorgänge zu lästig und zu teuer war. Denn wer mit der Tüte Hartgeld zu seinem Finanzinstitut geht, muss seit 2015 bei Einzahlung mit einem Minusgeschäft rechnen. Aufgrund einer EU-Falschgeld-Verordnung fordert auch die Sparkasse OPR von Firmenkunden Gebühren für die zuvor kostenlose Münzannahme.

Christopher Arndt von der Sparkasse OPR mit einem Beutel voller Münzen

Christopher Arndt von der Sparkasse OPR mit einem Beutel voller Münzen.

Quelle: Aniol

Mindestens 5 Euro zahlt, wer Bares in einem Beutel abgibt; 10 Euro, wer mehr als 50 Münzen in den Automaten eingibt. Bei 2-Euro-Geldstücken fällt diese Summe nicht ins Gewicht, bei Centbeträgen schon. „Das ist nicht schön für unsere Kunden“, räumt Vize-Sparkassensprecher Christopher Arndt ein. „Aber wir können nicht anders handeln.“ Schließlich decke die Gebühr nicht einmal die Kosten der verordneten Dienstleistung ab.

In Ostprignitz-Ruppin und Prignitz stehen viele Händler der Idee aus Kleve trotzdem verhalten gegenüber – oder kennen sie nicht, wie Ingrid Huth, Inhaberin des Neuruppiner Cafés Huth. Die vollen Kassen leerer zu machen, findet sie aber auf Anhieb gut. Sie würde sogar eine Initiative in diese Richtung unterstützen. Bestrebungen dazu gab es unter den Händlern Neuruppins bisher aber nicht, so Anja Strecker vom Verein „Wir die Innenstadt“.

Auch in Pritzwalk war das noch kein Thema, wie zwei Händler-Interessengemeinschaften berichten. Vielleicht auch, weil die Raiffeisenbank Prignitz nur zwischen 25 und 75 Cent für die Einzahlung verlangt. „Solange die Geiz-ist-geil-Kampagne in den Köpfen der Kunden wirkt, werden wir da nichts machen“, sagt Christa Pfeifer von der Initiative Innenstadt. „Die neun liegt ja am dichtesten vor der nächsten Schallmauer. Und die können wir nur mit kleinen Centmünzen erreichen.“ Auch in Kyritz wollen Gewerbetreibende die Idee vorerst nicht verfolgen. „Es betrifft einfach zu wenige“, so Andreas Heine, Chef der Aktionsgemeinschaft Kyritzer Gewerbe.

Flecken Zechliner Bäcker braucht die Cent-Beträge

Völlig gegen das Kleve-Modell ist Norbert Janke von der Bäckerei Janke aus Flecken Zechlin. Zwar ist die Belastung durch Kleingeld in den 23 Fillialen hoch. Janke sieht die Gefahr, dass eines Tages auch die 5- und 10-Cent-Stücke wegrationalisiert werden könnten. Seine Firma, die mit Centartikeln handelt, brauche eine Preisdifferenzierung im diesem Bereich wegen des Wettbewerbs.

Das kann Günter Päts gut verstehen. Zwar stelle der Einzahlpreis seit der EU-Verordnung eine Handicap dar, so der Vize-Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Die Margen seien in vielen Bereichen aber zu gering, um auf das Kleinstgeld verzichten zu können. Außerdem brauchen Händler die krummen Zahlen zu Werbezwecken. „Viele Kunden achten genau auf die Unterschiede im Centbereich.“ Deswegen will der Verband bei Schwellenpreise blieben.

Von Celina Aniol

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