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Ostprignitz-Ruppin Sonderschau „Vom Tuch zur Trikotage“ eröffnet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Sonderschau „Vom Tuch zur Trikotage“ eröffnet
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00:29 18.03.2018
Vier gute Freundinnen: Petra Dierich (l.) und Anita Michel (2.v.l.) schwelgten mit Bekannten in Erinnerungen. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Birgit und Hans-Ulrich Hamperl folgten 1969 dem Ruf aus Wittstock. Damals arbeiteten beide in der Textilproduktion in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Die Textilfacharbeiter zogen in den Norden der Republik und begannen im VEB Obertrikotagenbetrieb (OTB) „Ernst Lück“ Wittstock. „Wir wollten hier nie wieder weg“, sagte Birgit Hamperl am Mittwochabend im Wittstocker Museum.

Großer Andrang – Sitzplätze reichen nicht

So wie das Ehepaar Hamperl aus Dossow reihten sich viele ehemalige Mitarbeiter bei der Eröffnung der Sonderschau „Vom Tuch zur Trikotage“ anlässlich der Gründung des OTB vor 50 Jahren ein.

Birgit und Hans-Ulrich Hamperl folgten 1969 dem Ruf vom OTB. Quelle: Christamaria Ruch

Die 65 Sitzplätze reichten nicht aus – mehr als 60 Besucher drängelten sich um Stehplätze. „30 Zeitzeugen haben viele Puzzleteile zur Ausstellung beigetragen“, sagte Museumsleiterin Antje Zeiger. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) erinnerte in seinem Grußwort an die Höhen und Tiefen im OTB: „Mit der Schließung des OTB 1992 fielen 2400 Arbeitsplätze weg, das war eine gigantische Lücke.“

Frauen werden ökonomisch unabhängig

Die Kulturwissenschaftlerin Leonore Ansorg aus Berlin erinnerte in ihrem Vortrag „Frauenarbeit in Wittstock zwischen planwirtschaftlicher Anforderung und Realität“ an die 80 Prozent Frauen im OTB. „Der Betrieb eröffnete ihnen berufliche Perspektiven außerhalb der Landwirtschaft, machte sie ökonomisch unabhängig und stärkte ihr Selbstbewusstsein“, so Ansorg.

Leonore Ansorg referierte über die Frauenarbeit im Textilbetrieb. Quelle: Christamaria Ruch

Zwischen dem Anspruch hoher Planzahlen und realer Bedingungen vor Ort klaffte eine Lücke. Als Dilemma bezeichnete Leonore Ansorg den Widerspruch zwischen Qualität und Quantität. „Die notwendige Anzahl von Strickjacken konnte nicht geschafft werden, deshalb wurden kurzärmlige Pullis produziert – Hauptsache, die Stückzahl stimmte.“

Die Ausstellung bietet einen Überblick über die Geschichte der Tuchmacher in Wittstock. Dem schließen sich die bauliche Entwicklung zum Großbetrieb OTB und die Produktion der Obertrikotagen an. Wegen der langen Tradition der Tuchmacher in Wittstock fiel 1966 die Wahl auf Wittstock: Das Großprojekt Obertrikotagenbetrieb nahm Konturen an. Auf einem Modell sind sämtliche Gebäude des Betriebs zu sehen.

„Dort habe ich gearbeitet“, sagte Birgit Hamperl und zeigte auf einzelne Bereiche. Sie war von 1975 bis 1990 als Lehrmeisterin in der Praxis tätig, stieg dann aus, baute die Lebenshilfe in Wittstock mit auf, qualifizierte sich zur Heilerziehungspflegerin und ist nun im Ruhestand. „Wir fühlen uns hier im Norden sehr wohl“, sagte sie.

OTB-Bau kostet 500 Millionen Ostmark

„Der OTB galt von Beginn an als größtes Investitionsprojekt des Kreises Wittstock. Die reinen Baukosten beliefen sich auf 500 Millionen Mark der DDR“, so Antje Zeiger. Der Textilbetrieb ist bis heute in einer Langzeitdokumentation verewigt. Auch dieser Bereich nimmt Raum in der Ausstellung ein.

Birgit und Hans-Ulrich Hamperl folgten 1969 dem Ruf vom OTB. Quelle: Christamaria Ruch

Petra Dierich aus Wittstock hat in dem Dokumentarfilm einen kurzen Auftritt. „Ich habe Textilfacharbeiter gelernt, war dann Meister und bin kurz in dem Wittstockfilm zu sehen“, sagte sie. Mit ihrer früheren Kollegin Anita Michel stand sie bei der Eröffnung ausführlich im Gespräch.

Mut zur Lücke

Mit der Gesamtvollstreckung des OTB im Jahre 1992 endet die Schau. Dies unterstreicht Antje Zeiger und zeigt Mut zur Lücke. Dies sehen die Besucher auf den letzten Metern der 180 Quadratmeter großen Ausstellung.

Am Donnerstag, 22. März, um 18 Uhr ist Regisseur Volker Koepp zu Gast in den Kreismuseen Alte Bischofsburg in Wittstock. Es werden Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm „Wittstock“ gezeigt und die Besucher sind zum Filmgespräch eingeladen. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, Schüler erhalten freien Eintritt.

Von Christamaria Ruch

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