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Obst von fremden Bäumen

Legal ernten am Straßenrand Obst von fremden Bäumen

Leckere Äpfel leuchten am Straßenrand und verführen zum pflücken. Doch die Ernte ist nicht immer legal. Wer Früchte von Privatgrundstücken oder Pachtland mitnimmt, sollte die Erlaubnis des Eigentümers oder Pächters besitzen, wenn er sich nicht strafbar machen möchte.

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Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Birnen, Äpfel, Kirschen oder Mirabellen – Brandenburgs Straßen und Feldwege bieten Obstliebhabern eine große Auswahl an frischen und kostenlosen Früchten. Immer mehr Menschen nutzen die Chance auf Gratis-Obst und sammeln die Früchte am Straßenrand. Doch kaum jemand weiß genau, ob das eigentlich erlaubt ist.

„Die Grauzone ist dabei sehr groß“, sagt Pressesprecher Holger Brantsch vom Landesbauernverband Brandenburg. „Wenn es keinen Besitzer gibt, ist dagegen nichts einzuwenden. Gehören die Flächen allerdings jemandem, dann ist es Diebstahl.“ Geerntet werden darf also nur von Bäumen auf öffentlichen Flächen und nicht von Privatgrundstücken. „Straßenbäume stehen in der Regel auf öffentlichen Flächen“, sagt Hans-Joachim Wersin-Sielaff vom Brandenburgischen Landwirtschaftsministerium. „Allerdings dürfen die Früchte nicht zum Weiterverkauf, sondern nur für den Eigenbedarf bestimmt sein.“ Im Brandenburgischen Waldgesetz sind die Aussagen schon etwas genauer formuliert: Jedermann darf einen Handstrauß Waldfrüchte, Pilze und wild wachsende Pflanzen in geringen Mengen für den eigenen Gebrauch entnehmen, sofern die betreffenden Pflanzen nicht zu den besonders geschützten Arten gehören, heißt es dort.

Der Preußische König Friedrich Wilhelm I. ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts weit über 100 000 Obstbäume, Weiden und Maulbeeren entlang der Wege in der Feldmark pflanzen. Die Obstbäume wurden abschnittsweise an die Dorfbewohner verpachtet, die sich auch um den notwendigen Pflegeschnitt kümmern mussten.

Zu DDR-Zeiten wurde der Straßenobstbau als ökonomischer Faktor wiederbelebt. Ein großer Teil des heutigen Obstalleebestands ist in den 50er und 60er Jahren gepflanzt worden. Auch die Straße von Fehrbellin nach Lentzke, eine Birnenallee, wurde 1957 teilweise asphaltiert. Damals wurde die Lenzker LPG ein sogenanntes Europakombinat, und Walter Ulbricht kam zur Ehrung in den kleinen Ort bei Fehrbellin. „Wahrscheinlich wurden die Birnenbäume bei der Straßensanierung gepflanzt“, sagt Petra Hennig von der Agrargesellschaft „Ländchen Bellin“.

Jeder Bewohner, der Interesse hatte, bekam einige Bäume zugeteilt. Heute ist die Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft froh darüber, dass Passanten das Obst ernten. „Es würde sonst nur vergammeln und zermatscht am Boden liegen“, sagt sie. „Auch Berliner kommen schon zum ernten.“ Obstgehölze an Feldwegen gehören überwiegend dem Eigentümer der betreffenden Flurstücke. „Dort wurden früher allerdings oft Pappeln als Windschutz gepflanzt“, sagt Petra Hennig. „Aber auch zu unserem Agrarbetrieb gehören Wege, an denen Obstbäume stehen.“ Doch die Zeit ist knapp. „Das Pflücken ist Handarbeit und das Obst muss ja schließlich auch verarbeitet werden. Wer soll das machen?“ Petra Hennig ist froh, wenn sich Leute finden, die die Früchte ernten und verarbeiten.

Eigentümer der Straße nach Lentzke ist der Kreis Ostprignitz-Ruppin. „Unsererseits bestehen keine Einwände gegen das Pflücken von Obst an den Kreisstraßen“, teilt Britta Avantario, Sprecherin der Kreisverwaltung Ostprignitz-Ruppin mit. Allerdings sollte beachtet werden, dass für die Obsternte an Straßen die gleichen Maßstäbe an Arbeits- und Verkehrssicherheit gestellt werden, wie bei der professionellen Straßenunterhaltung. „Bedenken sollte man vor allem, dass man sich mit der Ernte von Straßenobst nicht nur selbst gefährdet, sondern auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmer, die mit der Erntelust gerade mal gar nichts zu tun haben.

Das fängt bereits bei einem abgestellten Fahrzeug, egal ob Auto oder Fahrrad, an. Selbst eine Leiter oder eine Gruppe Menschen am Straßenrand beeinträchtigen die Fahrer in ihrer Aufmerksamkeit. Auf den freien Strecken kann im Normalfall 70-100 Stundenkilometer gefahren werden.“ Dass die Obstpflücker sich manchmal unvernünftig verhalten, bestätigt der Ortsvorsteher von Lentzke, Hans-Peter Erdmann. „Oft stehen die Autos fast auf der Straße oder sind in Kurven so abgestellt, dass sie den Verkehr behindern.“

Von Cornelia Felsch

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