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Ohne Arme und Beine, aber mit viel Kraft

Kyritz Ohne Arme und Beine, aber mit viel Kraft

Janis McDavid erzählte am Donnerstagabend in Kyritz einem bewegten Publikum seine ganz persönliche Geschichte. Der 25-Jährige kam ohne Arme und Beine auf die Welt. Doch die massive physische Behinderung hielt den Studenten aus Bochum nicht einmal von einer Wildwasser-Rafting-Tour ab.

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Janis McDavid signierte sein Buch und musste viele Fragen seiner Zuhörer beantworten.

Quelle: Renate Zunke

Kyritz. Wer mit dem Mund einen Stift halten will, um zu schreiben, sollte ihn nicht zwischen die Schneidezähne schieben. Die Backenzähne sind dafür besser geeignet. Außerdem muss man ausprobieren, ob man „Rechts- oder eher Linksbackenzähner“ ist. „Ich bin Rechtsbackenzähner“, erklärte am Donnerstagabend Janis McDavid seinen mehr als 100 Zuhörern im Kyritzer Möbelhaus Wagnitz, wo er innerhalb der Reihe Literarischer Bilderbogen aus seinem Buch „Dein bestes Leben“ vorlas.

Der 25-Jährige, ohne Arme und Beine auf die Welt gekommen, trat nach der Lesung den Beweis an: Fast eine Stunde signierte er sein Buch mit dem Stift zwischen den Zähnen. Sein Publikum ließ er wissen: „Mit Kraft und Willen geht alles.“ Denn die massive physische Behinderung hält den Studenten aus Bochum nicht davon ab, ein Leben auf der Überholspur zu führen, stellten seine beeindruckten Zuhörer fest. An sie appellierte Janis McDavid: „Geben Sie sich einen Ruck, überwinden Sie Grenzen, und wenn Sie eine überwunden haben, kommt die nächste.“

Aufgewachsen bei Pflegeeltern

Dass er bisher viele Grenzen überwinden musste, kann man in seinem Buch nachlesen. Hier berichtet er vom Mut und dem Ehrgeiz, unter widrigsten Umständen Chancen zu ergreifen und positiv nach vorn zu blicken. Dass er dafür die nötige Kraft aufbringt, hat er auch seinen Pflegeeltern zu verdanken, ließ der junge Mann wissen. Sie seien nie auf die Idee gekommen, ihm seine Träume auszureden – zum Beispiel den Traum, einmal Motorradpolizist zu werden. Und sie hätten ihn, trotz großer Fürsorge, nicht in Watte gepackt. Zu ihnen kam er im Alter von 14 Monaten.

Seine leiblichen Eltern, zu denen er immer Kontakt hatte, trafen damit eine wichtige Entscheidung. „Sie gaben mich zu Eltern, die mit meiner Situation besser zurechtkamen“, erklärte der 25-Jährige. Deren oberstes Prinzip sei immer gewesen, ihn selbstständig werden zu lassen. Noch im Kindergarten fühlte er sich als normales Kind. Wenn sich die anderen Kinder die Schuhe anziehen sollten, setzte er sich eben in seinen Rollstuhl. Als er ungefähr acht Jahre alt war, sah er in einen Spiegel und stellte fest: „Man sehe ich bescheuert aus.“ Janis McDavid sagte: „Es war ein langer Prozess, bis ich mich so annehmen konnte, wie ich bin.“

Er musste nie die Spülmaschine ausräumen

Er wollte nicht behindert aussehen, hat sich eingeschränkt, ein Jahr lang sogar Prothesen ausprobiert, was nicht klappte. Dann sei er darauf gekommen, eine Liste mit den Vorteilen zu erstellen, die seine Situation biete. McDavid sagte: „Ich brauchte zum Beispiel nie die Spülmaschine auszuräumen, Fenster zu putzen, und wenn für meine Geschwister neue Schuhe gekauft werden mussten, konnte ich in dieser Zeit Eis essen. Und im Flugzeug muss ich die eingeschränkte Beinfreiheit nicht fürchten. Es fühlte sich gut an zu wissen, dass es nicht nur Nachteile gibt. Der Kampf, so zu sein wie die anderen, hat Kraft und Energie gekostet, die ich lieber für ein normales Leben nutzen wollte.“

Für ihn gibt es keine Einschränkungen, nur Herausforderungen

Heute gibt es für ihn keine Einschränkungen, nur Herausforderungen, die er unbedingt meistern will. Er besucht die Vorlesungen an der Universität, fährt Auto, bereist die Welt, hat Spaß wie alle anderen, auch wenn ihm bei einer Wildwasser-Rafting-Tour in Thailand das Herz in die Hose rutschte. Auf Hilfe ist er in bestimmten Situationen natürlich angewiesen.

„Bleiben Sie neugierig. Das ist auch für mich die größte Motivation“, empfahl er seinen Zuhörern. Die wollten unter anderem von ihm wissen, wie er mit der gesetzlichen Situation für Behinderte zufrieden sei. „Die sei alles andere als schön“, antwortete McDavid. Sobald der Staat finanziellen Zuschuss als Ausgleich gewähre, würde man auf Sozialhilfeniveau gedrängt. Und weiter: „Ich darf die Früchte meiner beruflichen Anstrengungen nicht behalten. Altersarmut ist also vorprogrammiert.“ Lobbyarbeit für ein besseres Bundesteilhabegesetz würde sehr hilfreich sein, meinte Janis McDavid und forderte sein Publikum außerdem auf: „Helfen Sie, die Welt barrierefrei zu machen.“

Von Renate Zunke

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