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Ohne Besitz in der Welt unterwegs

Zempow Ohne Besitz in der Welt unterwegs

Vor zwei Jahren hat die Rostocker Liedermacherin Bea ihr altes Leben gänzlich hinter sich gelassen. Sie hat keine Wohnung, keinen Besitz, keine Versicherungen mehr. Nur mit leichtem Gepäck und einer Gitarre trampt die ehemalige Lehrerin durch die Welt – gerade war sie zu Gast in Zempow, wo sie eines ihrer berühmten „Wohnzimmerkonzerte“ gab.

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Mit Ulrike Laubenthal (l.) und Nils Detloff versteht sich Bea blendend.

Quelle: Christian Bark

Zempow. Eigentlich hatte sie nur einen Aufenthaltsort in der Nähe ihrer in Berlin studierenden Tochter gesucht – auf der Internetplattform „Workaway“ war die Sängerin und Liedermacherin Bea dann auf den Hof von Ulrike Laubenthal und Nils Detloff in Zempow gestoßen.

Dass sie bei den Beiden auf Seelenverwandte traf, hätte Bea anfangs nicht gedacht. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge“, sagt Ulrike Lauben-thal, die mit Projekten wie der „Sichelschmiede“ für eine friedliche Welt kämpft und den Grundgedanken der Selbstversorgung verfolgt.

Am Wochenende gab Bea in Zempow eines ihrer Wohnzimmerkonzerte

Am Wochenende gab Bea in Zempow eines ihrer Wohnzimmerkonzerte.

Quelle: Privat

Auch Bea ist von diesem Lebenskonzept fasziniert, wie sie sagt. Ebenso vom Verein „Friedensscheune“, in dem ihre Gastgeber sich für ein Dokumentationszentrum der „Freien-Heide-Bewegung“ engagieren. Bea hatte dafür sogar schon beim Aktensortieren geholfen. Am vergangenen Wochenende gab sie in Zempow eines ihrer berühmten „Wohnzimmerkonzerte“ und sammelte Spenden für den Verein. Für ihre Hilfe war sie zehn Tage lang Gast bei Ulrike Laubenthal und Nils Detloff – das ist das Grundprinzip von Workaway. Die Station in Zempow ist nur eine von unzähligen Stationen der rastlosen Künstlerin. Bea trampt durch die ganze Welt. Von ihren Reisen hatte sie auch beim Konzert in Zempow berichtet.

Vom Klassenzimmer in die weite Welt

Bea ist 53 Jahre alt , in Rostock aufgewachsen und eigentlich studierte Lehrerin.

Seit 2001 ist sie als „Liedermacherin Bea“ unterwegs, gibt Konzerte, seit 2012 auch in Wohnzimmern, bespielt CDs. Seit 16 Jahren ist sie auch spirituelle Lebensberaterin. 2005 erschien ihr Buch „So fing es an“.


des Lebens hatte die Sängerin bei der Geburt ihrer Tochter vor 20 Jahren nachgedacht. Auf ihren Reisen fühlt sie sich durch eine höhere Macht und glückliche Zufälle geführt.

2015 gab sie all ihren Besitz und ihre Wohnung auf. Sie trampt durch die Welt, war schon zwischen Miami und San Francisco unterwegs. Getrampt ist sie aber schon zu DDR-Zeiten. Ihre Eindrücke postet sie regelmäßig im sozialen Netzwerk Facebook.

Mehr Informationen zur Künstlerin hier.

Begleitet wird sie auf der Tour nur von einem Rucksack mit dem „Notwendigsten“, ihrer Gitarre und einem kleinen Rucksack für CDs. Geld hat sie nicht dabei, nur das, was sie auf ihren Konzerten gespendet bekommt. Trampen ist für die 53-Jährige nichts Neues, das habe sie schon in ihrer Jugend gemacht. Später arbeitete Bea als Lehrerin. Nach mehreren Schlüsselereignissen wie der Geburt ihrer Tochter schlug sie jedoch einen anderen Weg ein. „Ich habe gemerkt, dass ich zum Singen da bin. Das habe ich schon immer gewusst und dann in die Tat umgesetzt“, blickt die Künstlerin zurück. Fortan nannte sie sich Bea, trat auf Festen aber auch in Wohnzimmern von Freunden und Bekannten auf. Doch das reichte nicht zum Leben. Und so kehrte Bea vor sechs Jahren kurzzeitig als Lehrerin ins Klassenzimmer zurück, um danach alle Zelte gänzlich abzubrechen.

Bea half dem Verein „Friedensscheune“ beim Aktensortieren

Bea half dem Verein „Friedensscheune“ beim Aktensortieren.

Quelle: Christian Bark

„Ich habe 2015 meine Wohnung und meinen Besitz aufgegeben“, sagt sie. Im Jahr darauf dann auch ihren Garten in Warnemünde. Lediglich drei Kisten mit Habseligkeiten seien bei einem Freund untergebracht. Eine Anschrift für wirklich wichtige Post habe sie bei ihren Eltern. Ihren Ausstieg aus dem alten Leben hat Bea gründlich vollzogen. Sie erhält kein Geld vom Sozialamt, zahlt im Gegenzug aber auch keine Steuern oder Sozialabgaben. Allerdings ist sie auch nicht krankenversichert. „Mein Körper zeigt mir, wann ich aufhören muss“, sagt sie. Ein Bankkonto hat die Künstlerin lediglich, um die Rechnung für ihren Tablet-PC zu zahlen. „Damit skype ich fast jeden Tag mit meiner Tochter oder poste meine Eindrücke auf Facebook“, informiert Bea. Auch auf der Videoplattform Youtube seien ihre Musikclips zu sehen.

Nächste Station Neubrandenburg

Beas Lieder handeln von Frieden, Liebe und der Erde. Und die hat sie schon auf vielen Wegen entdecken können. Ob auf dem Jacobsweg in Spanien oder einer Tramptour durch die USA. „Ich lasse mich aber in keine Schublade stecken“, betont die Künstlerin. Sie sei weder politisch noch religiös aktiv, auch wenn sie an eine höhere Macht glaube, die sie durchs Leben führe. Ihr „drittes Auge“ auf der Stirn sei auch kein Zeichen des Buddhismus. „In Indien ist es das Symbol für verheiratete Frauen“, erklärt Bea. Es könne aber eben auch als „drittes Auge“ einen anderen Blick auf die Welt werfen. „Und das tue ich auf meinen Touren“, sagt Bea. Bisher habe sie ihren „Ausstieg“ nie bereut, sie sei immer an die richtigen Menschen geraten, habe Freunde in aller Welt gefunden – nun auch in Zempow.

Ihr weiterer Weg wird die Liedermacherin von Zempow nach Neubrandenburg und dann heim an die Ostsee führen. Von da soll es nach Niedersachsen und wenig später nach Südamerika gehen. „Ich lerne jetzt schon Spanisch und Portugiesisch“, berichtet Bea. Und vielleicht ist sie ja auch irgendwann wieder Gast in Zempow, um dort von ihren Reisen zu berichten.

Von Christian Bark

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