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Ohne Moore geht das Rhinluch unter

Landwirtschaft in Ostprignitz-Ruppin Ohne Moore geht das Rhinluch unter

Im Rhinluch gibt es kaum noch naturbelassene Moorgebiete. Umweltschützer warnen, dass es deshalb bei Starkregen schnell zu verheerenden Überschwemmungen kommen kann. Die Bauern fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.

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Tiefe Furchen im Boden und überschwemmte Felder. Das ehemalige Moorgebiet Rhinluch bereitet den Bauern viel Ärger.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Es war kein guter Sommer für die Bauern in Ostprignitz-Ruppin. Im Juni hatte ein Extrem­regen die Felder so sehr überschwemmt, dass an einigen Stellen das Wasser noch mehrere Monate lang stand. Jetzt zeigt sich das nächste Problem: Weil der Boden noch immer schlammig ist, können die Felder teilweise gar nicht befahren werden.

Wer ist schuld an dieser Situation? Die Landwirte sehen die Verantwortung bei der Wasserbehörde des Landkreises. Sie habe im Sommer nicht rechtzeitig reagiert und die vielen lokalen Wehre und Kanäle nicht früh genug geöffnet. Das Wasser hätte abfließen können, wenn die erforderlichen Maßnahmen ergriffen worden wären, sagten Bauern bei der Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses am Dienstagabend.

Dirk Geisler vom Bau- und Umweltamt des Landkreises erklärte den Sitzungsteilnehmern, warum seine Behörde nicht mehr für die Bauern getan hat: „So ein Regen wie im Juni kommt nur einmal alle hundert Jahre. Dafür sind unsere Kanäle und Flüsse einfach nicht ausgelegt.“ Geisler verspricht dennoch, in Zukunft besser vorbereitet zu sein. Es sei eine Taskforce eingerichtet worden, die bei erneuten Überschwemmungen schneller handeln soll. Gleichzeitig warnt Geisler aber auch, derart extreme Niederschläge wie im Sommer 2017 könnten in Zukunft aufgrund des Klimawandels häufiger werden.

Besonders wichtig für die Regulierung des Wassers im Rhinluch sei die Beschaffenheit der Erde. Das betonte auch Anselm Ewert von der Naturschutzbehörde Ostprignitz-Ruppin während der Sitzung. „Der Natur im Rhinluch geht es sehr schlecht. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung des Bodens ist das Moor nahezu vollständig kaputt gegangen.“ Die Behörde stellte außerdem einen besorgnisserregenden Rückgang der Artenvielfalt in der Region fest.

Warnung aus der Naturschutzbehörde

Das sind keine guten Aussichten für die Landwirte. Ohne den feuchten Torfboden, den es nur in Mooren gibt, würde das Rhinluch im schlimmsten Fall zu einer Art „Badewanne“ werden, aus der das Regenwasser nicht ablaufen könne. Ewert befürchtet, dass sich die Lage der Bauern im Rhinluch nicht ändern wird, wenn nicht grundsätzlich eine andere Richtung eingeschlagen wird. „Im Moor sollte kein Ackerbau betrieben werden. Wenn es so weiter geht, kann sich das Rhinluch nicht mehr erholen“, sagte Ewert.„Am besten wäre es, wenn im Rhinluch wieder richtiges Moor und Dauergrün vorherrschen würden. Dann würde der Boden das Wasser besser aufnehmen können und gleichzeitig würden wieder mehr Tiere dort siedeln können.“ Schon in den 1970er-Jahren sei damit begonnen worden, das Moor schrittweise zu entwässern und landwirtschaftlich zu bewirtschaften. Der Torfboden erodiert, er wird nach und nach abgetragen. An einigen Stellen sei der Boden sogar schon um gut einen Meter abgesackt. Dass sich dann dort Wasser sammelt, sei eine logische Folge, so Ewert.

Die Landwirte zeigten sich grundsätzlich bereit, mehr auf den Schutz des Moores zu achten. Allerdings müsse sich ihre Arbeit auch finanziell lohnen. „Wir haben hier eine Baustelle, vor allem bei extremen Regen, das ist uns allen bewusst. Aber die Behörde muss uns besser unterstützen“, sagte Sven Deter, Vorsitzender des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses. Er schlägt vor, die Gewässerordnung im Landkreis zu reformieren um die Entwässerungskanäle besser nutzen zu können.

Von Jonas Nayda

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