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Ohne Neuruppin wird es einsam im Nordwesten

Abwanderung in Brandenburg Ohne Neuruppin wird es einsam im Nordwesten

Eine neue Studie zur Fachkräftesicherung sieht die Fontanestadt als einzige Chance für die Zukunft der Region Ostprignitz-Ruppin und Prignitz – unabhängig davon, ob es zu einer Kreisreform kommt oder nicht. Der Auftrag für das Gutachten kam vom Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock.

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Mike Blechschmidt (l.) vom Verein Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock und Volkswirt Harald Simons.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Ein größeres Plädoyer für Neuruppin könnte es nicht geben: Die Fontanestadt ist der einzige Ort im gesamten Nordwesten Brandenburgs, der die Abwanderung der Bevölkerung noch bremsen könnte. Neuruppin muss gestärkt werden – mit allen Mitteln. Davon würden auch alle andere Orte rundherum profitieren. Zu diesem Schluss kommt der Wirtschaftsforscher Harald Simons in einer neuen Studie.

Simons ist Professor für Volkswirtschaftslehre in Leipzig. Seit Jahren untersucht er im Berliner Institut Empirica die Bevölkerung in ganz Deutschland. „Abwanderung ist längst kein reines Phänomen in Ostdeutschland mehr“, sagt Harald Simons. Noch vor wenige Jahren zogen vor allem Menschen aus Ost- und Norddeutschland in den Süden. Das ist vorbei. Heute zieht es viel mehr vom Land in die Stadt. Es sind etwa zwei Dutzend große Orte, in die junge Menschen aus allen Orten rundherum in Schwärmen einwandern. Diese wenigen „Schwarmstädte“ wachsen immer weiter, während die ländlichen Regionen überall in Deutschland verlieren. Mit dramatischen Folgen.

Firmen suchen dringend einen Plan gegen die Abwanderung

Der Verein Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock hatte Simons beauftragt, den Nordwesten Brandenburgs genauer unter die Lupe zu nehmen. „Wir vertreten Firmen mit 400 bis 500 Arbeitsplätzen in der Industrie“, sagt Vereinschef Mike Blechschmidt. Viele von ihnen machen sich enorme Sorgen, wie sie in Zukunft noch genügend Arbeitskräfte finden können. Von Harald Simons hatten sie sich eine Antwort erhofft.

Dessen Rat: „Wir müssen Stärken stärken.“ Er und seine Kollege haben alle Orte mit mehr als 10 000 Einwohnern im Nordwesten untersucht. Sie sehen nur eine Stärke: Neuruppin.

Junge Menschen ziehen heutzutage nicht mehr aus ihrer Heimat weg, weil sie Arbeit suchen, sagt er. Sie ziehen in Städte mit vielen anderen jungen Menschen und mit Freizeitangeboten. Mit Leipzig oder Berlin kann es Neuruppin zwar nicht aufnehmen, sagt der Forscher. Trotzdem ziehe es junge Menschen aus den kleineren Orten rundherum nach Neuruppin. Die Stadt sei die einzige Chance zu verhindern, dass Menschen noch schneller in die ferne Großstädte ziehen.

Besser, die Jugend zieht nach Neuruppin als nach Rostock oder Berlin

Harald Simons ist durchaus bewusst, dass er sich mit seinem Gutachten in vielen kleineren Orten keine Freunde macht. Er hat ähnliche Studien schon für Sachsen erstellt und kennt die Reaktionen. Die reichen bis hin zu Todesdrohungen gegen ihn, weil er angeblich die Menschen aus den Dörfern vertreibt, sagt der Forscher. Dabei vertreibt er niemanden, die jungen Menschen gehen ohnehin.

Er versucht eher einen Weg aufzuzeigen, wie der Trend verlangsamt werden kann. „Anstatt dass sechs von acht Enkelkindern aus einem Dorf nach Potsdam oder Berlin abwandern, verlassen nach einer erfolgreichen Stärkung von Neuruppin zwar sieben von acht das Dorf“, sagt er. „Dafür bleiben aber drei in der Nähe und können bei jeder Fahrt in die Stadt besucht werden.“

Auch ohne Kreisreform wäre Neuruppin der einzige Anker

Neuruppin zu stärken gelte unabhängig von einer Kreisreform. Sollte es zu der aber kommen, plädieren die Forscher klar dafür, Neuruppin zum Sitz der Kreisverwaltung zu machen. Die Verwaltung nach Perleberg zu verlegen, hält er für sinnlos. Die Stadt sei zu schwach, sagt der Volkswirt: „300 oder 400 Arbeitsplätze mehr würden verpuffen.“ Von dem Vorschlag, die Kräfte zu verteilen, hält Simons gar nichts. „Dann hätte wir am Ende zwei halbtote Städte, die in Konkurrenz zu Hamburg, Schwerin oder Rostock keine Chance haben.“ Der Kreis sollte Außenstellen in Perleberg haben, das Zentrum müsse Neuruppin sein.

Darum, welcher Ort bei einer Reform Kreisstadt werden soll, ging es dem Verein Autobahndreieck Wittstock nicht, als er die Studie in Auftrag gab, sagt Mike Blechschmidt. In dem Gutachten war einzig wichtig, was den Firmen hilft. Und das sei jetzt klar: „Dann ist es eben Neuruppin.“

Von Reyk Grunow

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