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Olaf Fröhlich misst den Niederschlag

Wulfersdorf Olaf Fröhlich misst den Niederschlag

Schon seit 1950 wird in Wulfersdorf täglich der Niederschlag für den Deutschen Wetterdienst gemessen. Olaf Fröhlich übernahm 1999 als Vierter im Bunde den Staffelstab und füllt diese Aufgabe seitdem ehrenamtlich aus. Im Gespräch bekennt er, warum Regen und Schnee für ihn aufregend und spannend sind. Und er klärt auf, warum Wetterfrösche eher weiblicher Natur sind.

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Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk: Täglich misst Olaf Fröhlich morgens in Wulfersdorf den Niederschlag.

Quelle: Christamaria Ruch

Wulfersdorf. Dieser Sommer fiel aus der Reihe. „Der war untypisch“, sagt Olaf Fröhlich aus Wulfersdorf. Dabei fällt er sein Urteil nicht aus einem Bauchgefühl, sondern stützt sich bei seiner Aussage auf handfeste Beweise. Denn Olaf Fröhlich ist seit 1999 ehrenamtlicher Niederschlagsbeobachter für den Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam.

„Bislang konnte ich immer beobachten, dass sich mit dem Siebenschläfer vom 27. Juni bis 1. Juli das Wetter für den Sommer einstellt“, so Olaf Fröhlich. Spätestens ab Mitte August schlägt normalerweise das Wetter um. „In diesem Jahr war das nicht der Fall, denn die Großwetterlage hat sich nicht mehr geändert.“ Dabei erinnert er sich an den denkwürdigen Donnerstag, 29. Juni. Als er am nächsten Morgen wie gewohnt um 7.50 Uhr den Niederschlag in seiner Messstation kontrollierte, staunte er. 57,6 Liter Regen pro Quadratmeter notierte er. Am selben Tag um 18 Uhr las er noch mal den Wert ab: 15,7 Liter kamen hinzu. Als er dann 14 Tage später aus dem Urlaub zurückkehrte und den gesamten Niederschlag aus diesen zwei Wochen festhielt, waren es hingegen nur 16 Liter. Am Mittwoch, 26. Juli, hielt er wieder einen hohen Wert – 46,4 Liter – fest.

„Die Statistik ist ganz wichtig, weil der Augenblick eine genaue Aussage nicht hergibt“, bekennt Olaf Fröhlich. In erster Linie geht es bei der Messung darum, den Niederschlag im gesamten Monat und dann für das Jahr zu erfassen. Er stellt immer wieder in Gesprächen fest, dass „das Wetter und Aussagen darüber oft unterschätzt werden.“ Am Jahresende erhält er regelmäßig vom DWD aus Potsdam eine zweiseitige Darstellung zum Jahreswetter. Schwarz auf weiß kann er dann alle Angaben nachlesen und im Bedarfsfall auch anderen Interessenten Auskunft erteilen.

Schwarz auf Weiß

Schwarz auf Weiß: Auch der 26. Juli 2017 geht mit 46,4 Liter Regen als niederschlagsreicher Tag in die Statistik ein.

Quelle: Christamaria Ruch

Hinter dem einfachen Begriff Niederschlag verbirgt sich für Olaf Fröhlich ein hoch spannendes Programm: Niederschlagshöhe, Art des Niederschlags, Schneebedeckungsgrad oder Neuschneedeckenhöhe – all diese Werte bestimmt Olaf Fröhlich mit seinen geeichten Messgeräten. Schnee ist noch mal eine Herausforderung der anderen Art. „Schnee wird zunächst aufgetaut und dann als Niederschlag festgehalten“, erklärt er. Und: „Es ist immer schöner und aufregender, wenn ich Niederschlag messe, weil ich dann auch Daten an den Deutschen Wetterdienst übermitteln kann“, sagt er. Neben der konventionellen Messstation in Wulfersdorf wird in der Region außerdem in Meyenburg der Niederschlag von Hand gemessen. Hinzu kommt eine automatische Messstation in Wittstock.

„Natürlich höre ich immer wieder Fragen, wie das Wetter wird, weil ich doch das Wetter mache“, sagt der 54-Jährige. Doch als reinen Wetterfrosch sieht er sich nicht. „Dafür müsste ich noch die Temperatur, Luftfeuchte und weitere Angaben in einer Klimastation sammeln.“ Außerdem ist der Wetterfrosch eher weiblicher Natur, stellt er mit einem Augenzwinkern fest. Die Antwort liefert er gleich mit. Denn „Frauen sind wie Frösche - sie haben ein großes Maul, kalte Füße und Angst vor dem Klapperstorch.“

Niederschlagsmessung in Wulfersdorf

Bereits seit 1950 gibt es in Wulfersdorf eine konventionelle Niederschlagsstation. Dabei werden die Daten von Hand gemessen.

Zunächst sammelte ein Landwirt aus dem Ort die Daten, bis er in den Westen flüchtete. Dessen Schwiegermutter Erna Däbel übernahm dann diese Aufgabe und zeichnete bis Anfang der 1960er Jahre die Niederschläge auf.

Danach folgte Olaf Fröhlichs Mutter Elfriede, die bis zu ihrem Tod im Jahre 1998 täglich den Niederschlag notierte.

Seit dem 1. Mai 1999 ist Olaf Fröhlich Niederschlagsbeobachter.

Von Christamaria Ruch

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