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Olaf Schubert befeuerte Neuruppin

Sinnlichkeit auf Sächsisch Olaf Schubert befeuerte Neuruppin

Der Rautenpulli ist sein Markenzeichen, der sächsische Akzent auch. Man kennt Olaf Schubert, der mal treu-äugend, mal messerscharf sein Publikum um den Finger wickelt. Er hat etwas zu sagen, auch wenn die Worte immer „urgemiedlisch“ klingen. In Neuruppin zeigte er mit seinem neuen Programm „Sexy forever“ seine sinnliche Seite. Zur Freude der Zuhörer.

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Olaf Schubert sächselte sein Publikum in Grund und Boden. Manchmal gab er sich auch musikalisch.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Wer ist das? Spargeltarzan, nacktarmig im Rautenpullunder, freundliche Bambiaugen, extrahoher Stirnansatz – mit wechselweise sorgenvollen Stirnfalten oder naivem Lächeln? Ach ja, er sächselt stark. Klarer Fall – Olaf Schubert. Der bekannte Comedian aus Dresden gibt sich am Freitagabend die Ehre – im restlos ausverkauftem Stadtgarten.

Mit einem enthusiastisch-vibrierenden „Sooou“ kommt er auf die Bühne, auf die vorher schon seine beiden Musiker auf ihren Instrumenten eingeritten sind. Er begrüßt sein Publikum „aufs allerintensivste“ im schönsten Stadtgarten des Landes. Auch wenn er zuerst im Schulgarten hätte auftreten wollen, plaudert er. Dann sei er eben heute Abend Stadtgärtner. Das Publikum liegt ihm schon nach den ersten Worten in Kicher- und Lachsalven zu Füßen. Komisch, wenn man bedenkt, dass der sächsische Dialekt sich nicht gerade des allerbesten Rufes erfreut. Wen scherts – Olaf Schubert macht ihn salonfähig. Mit seinem neuen Programm „Sexy forever“. Das mutet kurios an und verfehlt nicht seine Wirkung. „Einige von Ihnen werden es gemerkt haben – das ist englisch“, witzelt Schubert. Er wolle auf den amerikanischen Markt vordringen. „Na ja, zumindest erst mal auf den rumänischen“, wiegelt der Sympathikus ab. Aber wer bitte schön wolle ein Programm, das „geschlechty für immer“ heiße? Seine sinnliche Seite wolle er zeigen, erklärt er das Motto. Deshalb agiere er auch erstmals vor Kulisse, die halbhohe Plastikpalme stehe als Metapher. Nun gut, er hätte das nicht unbedingt erklären müssen – aber gut.

Das Publikum amüsiert sich königlich

Das Publikum amüsiert sich königlich.

Quelle: Buddeke

Trotz aller Sinnlichkeit sieht er sich weiter als Mahner und Erinnerer, schwadroniert er und klärt als erstes Mal, was das Grundübel der Welt sei: der faulende, parasitäre, imperialistische menschenverachtende Großkapitalismus. „Das sitzt, wa?“, grinst er. „Da kannsde misch nachts um drei weggen.“ Gut, dass es da noch die beiden gallischen Dörfer gebe: Nordkorea und Thüringen – als Achse des Bösen. Dann singt er ein bisschen – auch wenn er es nicht kann. Sogar in Englisch – obwohl das Grund genug zum Fremdschämen ist. Das Publikum biegt sich ein ums andere Mal. „Fuck the system“, rappt er den Graffitispruch gegenüber seines Fensters und hält kurz inne. Was zur Hölle solle sich verbessern, wenn man das System begattet? Zeilenduktus? Melodie? Töne treffen, Töne halten? Das muss bei Olaf Schubert nicht. Auch die Aussprache ist sekundär – vor allem wenn man einen längeren Satz in zwei Takte pressen will. Das musste eben mal gesagt werden. Und trifft die Zuhörer ins Zwerchfell.

Die Musiker gaben ihr Bestes

Die Musiker gaben ihr Bestes.

Quelle: Buddeke

Schuberts Fassade täuscht, der Mann schaut genau hin. Und spricht aus, was er sieht. Flüchtlingsobergrenze? Klar. „Der Einmillionunderste an der Grenze sagt dann: Ach sou, habsch ni gewusst. Da dreht der bestimmt gleich wieder um.“ Wegen der Willkommenskultur, die in Sachsen ja mit braunem Feinstaub belastet ist. „Mir Saggsn ham immer Mühe, unsere Liebe zu zeigen“, sagt er. Gelächter. „Lange Rede, kurzer Phallus“, kommt er wieder ins sinnliche Thema zurück. Und riskiert noch einen Seitenhieb ins Thema Bildung. „Was soll son Jugendlicher im S-Bahn-Einzugsgebiet denn lernen, wenn er dauernd hört: Zurückbleiben, bitte.“ Gerade die erwähnten Feinstaub-Rechten. „Isch sag ja nisch, dass die blöd sind. Aber se ham halt bissl Pech beim Denken.“ Er selbst habe ja auch nichts gelernt. „Weil ich vorher schon alles gewusst habe.“

Von Regine Buddeke

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