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Operngala eröffnet Festivalsaison

Rheinsberg Operngala eröffnet Festivalsaison

Mit einer mitreißenden Operngala stellte sich am Donnerstag das „Carmen“-Ensemble in Rheinsberg vor. Vor 750 Gästen gab es einen bunten Strauß Arien, gesungen von den Preisträgern der Saison aus zwölf Nationen.

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Alessia Schumacher sang nicht nur, sie moderierte auch den Abend.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Nun singen sie wieder: Bei prächtigem Wetter wurde am Donnerstag im Schlosshof offiziell die Festivalsaison der Kammeroper Schloss Rheinsberg eingeläutet – besser gesagt eingesungen. Zwar waren einige der Sänger, die sich in diesem Jahr beim Casting erfolgreich aus der Menge der Bewerber in die Herzen der Jury und somit ins Ensemble gesungen haben, bereits bei „Carmencitas und Torreros“ sowie dem „Singenden See“ zu erleben: die nahezu komplette Bandbreite der diesjährigen schönen Stimmen aber gab es erst jetzt: bei der alljährlichen Operngala. Mit gut 750 Besuchern war der Hof nahezu ausverkauft. Auf der Bühne stand – erstmals gemeinsam – das komplette Carmen-Ensemble: mit Ausnahme der beiden Carmens und Don Josés, die mitten in Marathon-Soloproben stecken.

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Wunderbare Stimmen der jungen Sängerinnen und Sänger und ein warmer, sonniger Sommerabend – beste Bedingungen also für einen musikalischen Hochgenuss. Die Operngala der Kammeroper Schloss Rheinsberg begeistert Musikliebhaber. Hier Impressionen vom ersten von drei Galaabenden.

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Auch in diesem Jahr hat sich Frank Matthus, der künstlerische Direktor, etwas Neues für die Gala einfallen lassen: Waren es im ersten Jahr seiner „Amtszeit“ er selbst und im Jahr darauf ein Pantomime gewesen, der durchs Programm führte, ließ er in diesem Jahr die jungen Sänger selber zu Wort kommen: Alessia Schumacher führte charmant in die Arien ein und stellte den ein oder anderen Mitsänger vor. Dass der Weg bis nach Rheinsberg für die Sänger kein Sonntagsspaziergang war angesichts der zahlreichen talentierten Mitbewerber, ist fakt. Regelrecht steinig jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – wurde es erst am Donnerstag für sie und einige Kolleginnen: das Pflaster des Hofes ist eine Herausforderung für alle Stiletto-Träger.

Wer nicht laufen wollte, wurde getragen

Wer nicht laufen wollte, wurde getragen. Zumindest von der Bühne.

Quelle: Peter Geisler

„Wir sind ein sehr vielseitiges Ensemble – mit einem vielseitigen Programm“, erzählt die Sopranistin, die in der „Carmen“ die Michaela singen wird, den Abend. Aus zwölf Nationen kommen die Sänger: den Arien-Reigen eröffnet der Österreicher Philipp Mayer, der vor zwei Jahren bereits in der „Adriana“ eine Hauptrolle hatte. „Ja, ja, Rheinsberg bringt mich noch um“, variiert er kurzerhand seine Arie des selbstverliebten Bürgermeisters aus Lortzings „Zar und Zimmermann“. Mit ein paar Mozart-Arien geht es heiter weiter: Ilya Warankin spricht sich in flinker Zunge auf italienisch, russisch, englisch mal eben warm, bevor er zum Figaro übergeht und bedauert – wie so viele seines Faches – dass die Bässe immer das Nachsehen bei den Frauen haben, wo die Tenöre küssen dürfen, was das Zeug hält. „Meine Lippen, die küssen so heiß“ ging es denn auch folgerichtig weiter: mit dieser verführerischen Arie heimste sich Turiya Haudenhuyse Jubelrufe ein, die ganz sicher nicht nur ihrem sündig-roten Kleid geschuldet waren. Krisztian Egyed setzte den süßen Tönen ganz andere Süßigkeiten entgegen: er lockte als böse Pfefferkuchenhexe aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ die erste Reihe mit Naschwerk. Nadeshda Orlova offeriert komödiantisches Talent: in der selten gesungenen Arie aus Poulencs „Die Brüste der Tirésias“ lässt sie selbige tanzen – als Luftballons wohlgemerkt. Und versteckt sich am Ende in ihrem Haar a la Conchita Wurst: die Therese, die sie singt, ist nämlich ihres Frauseins überdrüssig und erwägt, ein Mann zu werden.

Die Hexe lockt mit Naschwerk

Die Hexe lockt mit Naschwerk.

Quelle: Peter Geisler

Nach der Pause ist Schluss mit Lustig – jetzt heißt es: Drama, Baby. Samantha Britt singt das herrlich aufgedrehte „Glitter and be gay“ von Bernstein: für ihre Glitzer-Tussi-Arie, in der sie nahezu hysterisch überschnappt, wenn sie nur Klunkern sieht, bekommt die Sängerin aus Virginia laute Jubelrufe. Überhaupt ist das Publikum jetzt warm und zeigt sich ein ums andere Mal begeistert: von Yingyan Guos Arie der Marguerite, von Idel Aralbaevs silbrighellem Tenor, der einen Cavaradossi zum Sterben schön hinlegt. Ekaterina Odajkinas Saint-Saens-Arie ist ein Juwel: atemlos still lauscht der Hof. Und auch Vladislav Kuprianovs Tonio wird heiß beklatscht.

„Es ist toll, das in dieser Kulisse zu erleben“, schwärmt Zuschauer Leo Mildebrath. Das ist eine ganz besondere Resonanz – man bemerkt so viele Details.“

Am Ende gibt es ein gemeinsames Ensemble-Stück von Donizetti – verstärkt vom Märkischen Jugendchor des Neuruppiner Schinkel-Gymnasiums. Ein Novum. Erst dann kommt altbewährte Tradition – Operngala-Fans wissen es aus vielen Jahren: „Der Mond ist aufgegangen“ – dirigiert vom Kammeropergründer Siegfried Matthus.

Von Regine Buddeke

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