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Operngala gerät zum Höhenflug

Rheinsberg Operngala gerät zum Höhenflug

Ausgesuchte Arien, starke Stimmen, schöne Atmosphäre: das ist das alljährliche Erfolgsrezept der Operngala in Rheinsberg – bei der sich schon einmal die Aktiven der kommenden Inszenierungen vorstellen. Am Freitag kamen 750 Zuhörer und ließen sich die leckeren musikalischen Happen in der Matthus-Arena mehr als schmecken.

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Dmitry Kalyaka, Angelos Samartzis und J. Warren Mitchell sind „die drei Tenöre“.

Quelle: Kammeroper/Leo Seidel

Rheinsberg. Der Prinz ist vor Ort. Frank Matthus ist sich am Sonnabend nicht ganz sicher, ob er – der Genius Loci, Prinz Heinrich höchst selbst – den Weg zur Matthus-Arena im Rheinsberger Hafendorf finden würde, in der die Operngala am Freitag wegen Regens stattfand. Am Donnerstag, zur Premiere, habe er ihn noch über dem Schlosshof Rheinsberg gespürt.

Doch der Geist des Ortes scheint von der Musik angezogen, auch wenn sie zwei Kilometer entfernt vom Schloss erklingt. Und zeigte sich schon nach der ersten Arie: Passend zum Veranstaltungsort sang Jessica Lane „Dich, teure Halle grüß ich wieder“ die Arie der Elisabeth aus Wagners Tannhäuser. Danach grollt eine Tuba wabernd-geheimnisvoll und dann kommt er, der Prinz: in cremefarbenen Brokat-Rock, ganz im Stil seiner Zeit. Mit gespenstischen Augenringen und kleinen Balljonglagen führt er ab da pantomimisch durch das Programm, hofiert die Sänger auf die Bühne, applaudiert und setzt sich zum Lauschen unters Volk in der ersten Reihe. Eine hübsche Idee von Frank Matthus, den Pantomimen Elias Lierbaum ins Programm zu integrieren – auch wenn der echte Prinz wohl gut einen Kopf kleiner gewesen sein dürfte.

Jessica Lane hat mit der Hallen-Arie nicht ganz die Wahrheit gesungen; die Kanadierin singt zum ersten Mal beim Rheinsberger Opernfestival. Drei andere Akteure hätten viel mehr Grund gehabt, die „teure Halle wieder zu begrüßen“. Ilya Lapich, Daria Rositskaya und der Amerikaner J. Warren Mitchell beglückten die Opernfreunde bereits in der vorigen Saison – sie haben sich wieder beworben und wurden aus der riesigen Bewerberzahl erneut ausgewählt. Rositskaya und Lapich begeistern mit Rossinis Katzenduett „Miau, Miau“ – ein kokett-listiges Verführ- und Verwirrspiel zweier Miezekätzchen, die einander umschnurren und betören, austricksen und schmollen. Am Ende verlässt die Sopranistin die Bühne – mit dem Objekt der Begierde – einer Maus – im Mund.

Daria Rositskaya und Ilya Lapich im Duett

Daria Rositskaya und Ilya Lapich im Duett.

Quelle: Kammeroper/Leo Seidel

Lapich tröstet sich derweil mit anderen Frauen, denen er „dunkelrote Rosen“ zuwirft – getreu der Arie des Erminio aus Millöckers „Gasparone“. Die Damen schmelzen dahin, eine zieht der Bariton gleich hinter die Bühne. Und macht die Bühne frei für Yaroslav Evgrafjev, der mit einem herrlich bluesigen, tief aus dem Bauch kommenden Bassbariton Gershwins Arie „I got plenty o’ nuttin“ aus „Porgy & Bess“ singt und die Zuschauer förmlich mitnimmt auf die heißen Baumwollfelder des Südens.

Während Porgy „reich an nichts“ ist, liefert das Gegenstück die Sopranistin He Wu mit einer hinreißend koketten Version von „Glitter and be gay“ aus Bernsteins „Candide“, Ihre Cunégonde strotzt nur so vor Vitalität: sie schmollt und koketttiert, jubelt und schluchzt, gespielt in sekundenschnellem Wechsel. Wie ein Porzellanpüppchen schaut sie aus, wirbelt sich und die begehrte Perlenkette geziert um die eigene eitle Achse und steigert sich in solch finalen Koloratur-Höhenflug, dass David Marlow, der Dirigent des souverän begleitenden Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt, scherzhaft seine Ohren zuhält. Das Publikum jubelt.

Umjubelt

Umjubelt: Der amerikanische Tenor J. Warren Mitchell.

Quelle: Kammeroper/Leo Seidel

Drama, baby! Nach der Pause zieht Dmitry Kalyaka die 750 Gäste hinunter in seine Seelenqualen – mit Leoncavallos Canio-Arie „Lache, Bajazzo“. Dafür gibt es Bravo-Rufe. Die ebben auch im weiteren Verlauf des Abends nicht ab: J. Warren Mitchell erobert sich auch in diesem Jahr wieder die Gunst des Publikums. Mit seiner Rodolfo-Arie aus Puccinis „La Bohème“ lässt er einmal mehr seinen schier unglaublichen Tenor strahlen – voll Kraft und Leidenschaft. Ähnlich leidenschaftlich schmachtet Ilya Lapich im Anschluss seine Pique-Dame an. Und Jared Ice lässt einen zornzerfressenen Jago über die Bühne fegen, dass es unter die Haut geht. Als schöner Kontrast folgt das Liebesduett zwischen Aida und Radames – anrührend interpretiert von Yulia Yurenkova und Angelos Samartzis. Beim abschließenden Donizetti-Sextett darf wieder geatmet werden. Dann brandet Beifall auf, der glasklar nach Zugaben verlangt. „Dein ist mein ganzes Herz“, schmettern die drei Tenöre (Mitchell, Samartzis, Kalyaka). Bei „Ohne Weiber geht die Chose nicht“ mischt sich – Überraschung! – sogar der Dirigent zwischen die Sänger und offenbart sein zweites Talent. Und beim choralen „Der Mond ist aufgegangen“ aller Sänger des Abends – ganz zart, ganz leise, lyrisch-schön – steht noch einmal der Kammeroper-Gründer als Dirigent bereit: Siegfried Matthus. Prinz Heinrich applaudiert: stehend und schweigend.

Von Regine Buddeke

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