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Ornithologe tritt in Zukunft kürzer

Dranse Ornithologe tritt in Zukunft kürzer

Der Ornithologe Jürgen Kaatz aus Dranse stellt jetzt die Weichen für die Zukunft. Denn sein 30. Jahr in der Beringung von Weißstörchen wird in diesem Umfang das letzte sein. Er beringte gut 600 Jungstörche in den Altkreisen Pritzwalk, Kyritz und Wittstock. Zukünftig verlagert der 58-Jährige seinen Lebensmittelpunkt immer mehr nach Dänemark.

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Bei jeder Weißstorchberingung lockt Jürgen Kaatz Besucher an. Hier dürfen die Kinder ganz nah dran sein.

Quelle: Christamaria Ruch

Dranse. „Das wird ein geordneter Rückzug auf Raten“, sagt Jürgen Kaatz. Der Ornithologe aus Dranse stellt jetzt die Weichen für die Zukunft. Denn sein 30. Jahr zur Beringung der Weißstörche wird in diesem Umfang das letzte Jahr sein. In diesem Zeitraum beringte er gut 600 Jungstörche in den Altkreisen Pritzwalk, Kyritz und Wittstock.

„Ich verlagere meinen Lebensmittelpunkt zukünftig immer mehr nach Dänemark“, begründet der 58-Jährige seine Entscheidung. Außerdem beobachtet er, dass die Beringung von der Logistik her immer aufwendiger wird. „Für gute Freunde beringe ich auch in Zukunft die Weißstörche, und wer sonst noch in der Region um Wittstock Interesse daran hat, muss sich einfach melden“, so Kaatz. Doch dann kümmert er sich nicht mehr wie bisher um die Hebebühnentechnik. „Das müssen dann die Interessenten machen, ausreichend Strukturen sind vorhanden.“

1982 begann er, Weißstörche im Altkreis Pritzwalk und punktuell in den Altkreisen Wittstock und Kyritz zu beringen. Bis 1988 bereiste er Jahr für Jahr gut 20 Horste und beringte die Jungtiere. „Elektrobaubetriebe und Feuerwehren unterstützten das und stellten Leitern und Drehleitern bereit“, erinnert sich Jürgen Kaatz. „Teilweise standen fünf bis sechs Personen an einer Leiter“, sagt er. Damals galt die Faustregel: Am letzten Juniwochenende werden die Jungstörche beringt.

Doch ab 1989 „gab es für einige Jahre eine Sperre für die Weißstorchberingung“, sagt Kaatz. „Im ungünstigsten Fall hätte sich Kot zwischen den Ring und das Bein setzen und aushärten können und zu Schäden am Storch geführt.“ Doch diese Theorie konnte nie hinreichend bewiesen werden. „Dadurch gab es eine Unterbrechung in der Erhebung der Langzeitdaten“, sagt Jürgen Kaatz. Mit diesem Bruch „ist auch die Langzeitauswertung gefährdet.“

Jürgen Kaatz hält den Wäschekorb bereit

Jürgen Kaatz hält den Wäschekorb bereit. Damit holt er die Jungstörche für die Beringung aus dem Horst.

Quelle: Christamaria Ruch

„1995 gelang es mir, nach 50 Jahren erstmals wieder ein Weißstorchpaar in Dranse anzusiedeln. Das war dann der Auslöser, diese Beringung wieder aufzunehmen“, sagt Jürgen Kaatz. Auf seinem Grundstück errichtete er eine Nisthilfe und lockte damit Adebar an. Auf die Frage, wie er das auf Anhieb geschafft hat, lächelt er und schweigt. Doch dann setzt er nach: „Man guckt mit den Augen der Störche.“ Diesen besonderen Blick legt er immer wieder an den Tag.

Wer bei dieser Arbeit nur das Schöne sieht, befindet sich auf dem Holzweg. Die Weißstorchberingung erfordert hinter den Kulissen ein logistisches Programm. Erst mit Hilfe einer Hebebühne kann Meister Adebar in luftiger Höhe erreicht werden. Jürgen Kaatz rückt seit 1995 in Etappen zu den Horsten aus und fordert die dafür notwenige Hebebühnentechnik häufiger an. Norbert und André Ziegler von der Firma Mecklenburger Energie- und Anlagenbau (MEA) aus Neustadt (Dosse) und Jürgen Kaatz sind dabei seit 23 Jahren ein eingespieltes Team. Auch das Unternehmen Nikolowius sowie die Feuerwehr in Wittstock und die Bauhöfe in Heiligengrabe und Wittstock stellen diese Technik kostenfrei bereit. „Das muss alles passen und hat immer geklappt“, sagt er. „Jedes Jahr müssen dabei die Horste abgefahren und zunächst beobachtet werden, ob sie besetzt sind“, zählt Kaatz auf.

Früher immer am letzten Juniwochenende beringt

„Der richtige Beringungstermin muss gefunden werden.“ Schon lange ist die Faustregel außer Kraft gesetzt, am letzten Juniwochenende zu beringen. Mittlerweile muss er drei bis viermal ausrücken. „Es gibt Probleme aufgrund des Klimawandels“, räumt Kaatz ein. Die Anzahl der Westzieher, also die Weißstörche, die über Spanien in das Winterquartier Afrika ziehen, nimmt zu. Viele Störche bleiben auch in Spanien und kommen dann im Frühling eher nach Deutschland zurück als die Störche, die über die Südostroute ziehen. „Die Brutperiode zieht sich dadurch seit 15 Jahren immer mehr auseinander. Somit sind die Entwicklungsstadien der Jungtiere sehr unterschiedlich“, beobachtet Jürgen Kaatz.

Perspektivisch wird das Leben für die Weißstörche keineswegs besser“, sagt er und bezieht sich auf Aussagen anhand statistischer Langzeitmodelle. Denn: „Weißstörche fressen keine Rapsschoten, keine Maiskolben und keine Kiefernzapfen“, sagt er. Und: „Die Landwirte tragen eine entscheidende Verantwortung in der Zukunft der Weißstörche.“

Bei den Beringungen schart Jürgen Kaatz regelmäßig Interessenten aller Altersgruppen um sich. Dabei gelingt es ihm immer wieder, „das Storchenvirus in das Herz der Menschen zu pflanzen.“ Denn es gibt nur wenige Großvogelarten wie den Weißstorch, bei denen der Mensch so nah herankommt. Jürgen Kaatz möchte in den nächsten fünf Jahren all seine Weißstorchdaten aus der Region Wittstock sowie Geschichten rund um Meister Adebar in einer Broschüre veröffentlichen. „Dafür nehme ich mir dann in Dänemark die Zeit“, sagt er.

Von Christamaria Ruch

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