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Ostprignitz-Ruppin Detektive im Dorf unterwegs
Lokales Ostprignitz-Ruppin Detektive im Dorf unterwegs
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10:33 22.02.2018
Ingrid Meckelburg und Marianne Boockmann sind die Hüter der Dorfgeschichte in Berlinchen. Quelle: Christamaria Ruch
Berlinchen

Die Aktenordner sind prall gefüllt. Wer sie öffnet, begibt sich unweigerlich auf Spurensuche in Berlinchen. Mosaikstein für Mosaikstein setzt sich die Geschichte des Dorfes zusammen – aus einem unscharfen Bild wird nach und nach ein lückenloser Blick in die Historie.

Ingrid Meckelburg und Marianne Boockmann sammeln als Ortschronisten Dokumente aus alter Zeit, nehmen Zeitzeugenberichte in ihre Sammlung auf und füllen nackte Daten mit Inhalt.

„Ich habe 2009 mit der Arbeit begonnen“, erinnert sich die 61-jährige Ingrid Meckelburg. Zunächst innerhalb einer geförderten Maßnahme und nach einem Jahr schon im Ehrenamt. Sie recherchierte in Büchern, besuchte das Kirchenarchiv, die Wittstocker Museen Alte Bischofsburg und heftet sich nach wie vor an Spuren im Dorf. Vor drei Jahren stieß Marianne Boockmann hinzu. Bei der 66-Jährigen spielt Geschichte schon seit ihrer Kindheit eine Rolle. „Mein Vater war in Wittstock Geschichtslehrer“, sagt sie. Und damit sensibilisierte er seine Tochter für diese Thematik. Auch Marianne Boockmanns Schwiegereltern sammelten alte Dokumente. „In Berlinchen gab es von 1891 bis 1945 einen Kriegerverein“, so Boockmann. In zwei dicken Büchern sind dort lückenlos die Abläufe im Jahresverlauf sowie die Sammlung der finanziellen Beiträge vermerkt. „50 bis 60 Männer aus Berlinchen waren Mitglied im Kriegerverein und zwar durch alle gesellschaftlichen Schichten“, so Boockmann.

Bücher im Tanzsaal: Seit Sommer 2011 ist die Schmökerstuw mit Antiquariat in der ehemaligen Gaststätte „Unter den Linden“ beheimatet. Quelle: Christamaria Ruch

Viele biografische Angaben sind dort zu finden. Etwa, wer in welchem Regiment gedient hatte. Bei der Übersetzung der Sütterlinschrift konnte Marianne Boockmann auf Schützenhilfe aus Sewekow setzen. Denn die dortige Ortschronistin Heidi Kübler half beim Lesen. Seit zwei Jahren arbeitet sie an einer Häuserbiografie und trägt dabei Namen und Geschichten zusammen. Außerdem widmet sie ihr Augenmerk der Feuerwehr im Dorf.

Ingrid Meckelburg und Marianne Boockmann teilen ihre Aufgabenbereiche und ergänzen sich bei ihrer Spurensuche. Wenn Ingrid Meckelburg einen Aktenordner öffnet, beginnt die Zeitreise bis in das Jahr 1274. Dieses Jahr markiert die Ersterwähnung des Ortes.

Damals hieß Berlinchen „ville minoris Berlin“ auch „klein-Berlin“ oder „Ollen Blin.“ Erst 300 Jahre später, also ab 1574, ist das Dorf als Berlinchen bekannt. „Der Landreiter Samuel Rose führte im April und Mai 1652 eine Landesvisitation durch und besuchte auch Berlinchen. Dabei notierte er kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges ausschließlich alle männlichen Personen mit Namen, Herkunft, Alter sowie männlichen Nachkommen“, sagt Ingrid Meckelburg. „Die Region war damals fast menschenleer. Frauen spielten zu dieser Zeit keine Rolle, wie dem Bericht zu entnehmen ist.

Berlinchen erlebte am 11. Mai 1848 mit dem Dorfbrand ein Unglück. „Alle Gehöfte, bis auf das vom Bauern Berlin, sowie die Kirche fielen dem Brand zum Opfer“, sagt Ingrid Meckelburg. Sie trug markante Daten der Dorfgeschichte zusammen, listete die Bürgermeister chronologisch auf und hielt Lebenslinien von sieben Einwohnern fest.

„Auch die Einblicke in das bäuerliche Leben, die Handwerksbetriebe oder die Brände sind aufschlussreich“, so Meckelburg. „Vor allem die Geschichten hinter diesen Informationen tragen dazu bei, die Vergangenheit besser zu verstehen und in einen größeren Rahmen zu setzen.“

Die Kirche stammt von 1854; der Vorgängerbau und fast alle anderen Gebäude im Dorf brannten 1848 nieder. Quelle: Christamaria Ruch

„1950 gab es acht Hochzeiten und 1952 fünf Hochzeiten und zwei Doppelhochzeiten“, berichtet Meckelburg. Am Beispiel ihrer Eltern schildert sie, wie damals eine Bauernhochzeit ablief. Von 1963 bis 1971 existierte sogar ein Fanfarenzug, den die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen hatte.

„Ich würde das Ehrenamt gern abgeben, weil es sehr zeitaufwändig ist, aber bisher hat sich niemand gefunden, der das dann fortführt“, sagt Ingrid Meckelburg. „Eigentlich müsste man jeden Tag etwas in der Chronik notieren“, sagt sie.

Auch bei Marianne Boockmann spielt die Zeit eine Rolle. Mit Blick auf die Chronik sagt sie: „Fertig wird man damit nie, es gibt immer noch Lücken, die gefüllt werden müssen.“ Dann werden sie selbstkritisch: „Wir müssen noch mal alles durchsehen, teilweise die Aufzeichnungen überarbeiten und Wichtiges von Unwichtigem trennen.“ Gleichzeitig sagen sie: „Wir würden einen regelmäßigen Austausch mit anderen Ortschronisten begrüßen.“

Von Christamaria Ruch

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