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Ortschronistin Heidi Kübler im Porträt

Geschichte in Sewekow Ortschronistin Heidi Kübler im Porträt

Sie verwaltet die Geschichte ihres Heimatdorfes Sewekow. Heidi Kübler übernahm vor acht Jahren das Ehrenamt der Ortschronistin. Bei der 64-Jährigen fließen die Fäden der Geschichte zusammen. Doch die Chronik verstaubt nicht nur im Regal: Im „Sewekower Rundbrief“ lesen die Einwohner spannende Geschichten von damals.

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Nächstes Projekt: In der Häuserchronik sollen alle Vorbesitzer und alte Fotografien ermittelt werden.

Quelle: Christamaria Ruch

Sewekow. Das Leben von Heidi Kübler schlug um die Jahrtausendwende eine neue Richtung ein. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) brachte sie mit der Schulchronik von Sewekow näher. Aus dieser Not machte sie eine Tugend und entdeckte dabei ein vollkommen neues Betätigungsfeld. Im Oktober 2007 berief sie der Ortsbeirat Sewekow zur Ortschronistin. Im Dezember 2012 erhielt sie in Wittstock die offizielle Ernennungsurkunde zur Chronistin ihres 1284 erstmals erwähnten Heimatdorfes. „Mein Ansporn ist, dass die Geschichte unseres Dorfes nicht vergessen werden darf.“

Heidi Kübler war Konditorin und später Lebensmittelingenieurin. Dann kam die politische Wende und Arbeitslosigkeit. Sie hätte „nie gedacht, dass diese Chronistenarbeit so reichhaltig und interessant ist.“ Als sie der Schulchronik auf den Grund ging, entdeckte sie zugleich „einen Teil der eigenen Geschichte.“ Denn ihre Großmutter Marie Bruhn (1887 bis 1945) unterrichtete Handarbeit in der Dorfschule. „Als ich das entdeckte, war ich sehr erstaunt, denn zuvor wusste ich nichts davon“, so Kübler. Im Zuge der ABM fuhr sie regelmäßig in das Landeshauptarchiv nach Potsdam. Dank der Unterstützung der dortigen Mitarbeiter fand sie viele Dokumente über die Dorfschule. Langsam bahnte sich eine Beziehung zwischen Heidi Kübler und den Akten an. „Ich habe eine völlig neue Perspektive für die Arbeit an der Geschichte entwickelt“, sagt sie. Wo Außenstehende die Arbeit belächeln und in den Dokumenten „nur alte Zettel sehen“, heftet sich Heidi Kübler an die Fersen der Vorfahren. Und wendet sehr viel Zeit für diese Arbeit auf.

Heidi Kübler bewegt sich zwischen alter Schule und Kirche in Sewekow auf geschichtsträchtigem Boden

Heidi Kübler bewegt sich zwischen alter Schule und Kirche in Sewekow auf geschichtsträchtigem Boden

Quelle: Christamaria Ruch

Mittlerweile fließen immer häufiger die Fäden der Geschichte bei der ehrenamtlichen Ortschronistin zusammen. In unregelmäßigen Abständen erhält sie von Einwohnern Unterlagen aus alter Zeit, die sie dann genauer unter die Lupe nimmt. Sie entschlüsselt Sütterlinschrift, stellt Zusammenhänge her, vergleicht mit vorhandenen Dokumenten und fügt einen Mosaikstein an den nächsten. „Ich bin mit Haut und Haaren bei der Sache“, gesteht die 64-Jährige. Die Geschichte wird sogar auf Spaziergängen mit dem Hund zum Begleiter. „Im Kopf sortiere ich dann einzelne Unterlagen.“ Und wenn sie wieder jemand anspricht und sagt: Guck mal, ich habe hier etwas für die Chronik, nimmt sie dieses Angebot dankbar an. „Ich sehe mich nur als Verwalterin der Geschichte“, betont Kübler.

Die Chronik von Sewekow legte Kübler nach einer eigenen Systematik an. „Dafür gab es keine Vorlage.“ Auf Zuruf kann sie in den Aktenordnern nachschlagen und zu fast jeder Frage Auskunft geben. Die Gliederung enthält Kapitel von der Entwicklung des Dorfes über die Kirche, Schule, Feuerwehr bis hin zur Vereinsarbeit oder dem Erbregister von 1721. Doch Heidi Kübler steht ebenso im regen Austausch mit den Dorfbewohnern. Im Heimatverein Sewekow wirkt sie in der 2003 ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe (AG) Heimatgeschichte mit. „Wir treffen uns zu bestimmten Themen“, so Kübler. Vor allem die unterschiedlichen Sichtweisen bringen mitunter neue Impulse für die Chronikarbeit.

Heidi Schäfer, Vorsitzende beim Heimat Sewekow, entwickelte 2005 die Idee, einen Sewekower Rundbrief herauszubringen. Dieser ist wohl einmalig in den Wittstocker Ortsteilen und enthält Themen aus der Chronik oder neue Fundstücke. In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Heidi Kübler und die AG Heimatgeschichte Interessantes aus der Ortsgeschichte. Feuerwehr, Schulpflicht in Preußen, der Lehrer Max Studt, Entstehung des Ortsnamens oder der Brand von 1791 werden auf bis zu 20 Seiten im jeweiligen Rundbrief dargestellt. Mittlerweile liegt Ausgabe Nummer 12 vor. Dieser geht auf Kaufverträge und die Geschichte des früheren Lehnschulzenhofes von Stellmacher Friedrich Meltz ein. „Jeder Rundbrief endet mit der Empfehlung und Bitte, alles genau zu lesen und Korrekturen mitzuteilen“, sagt Heidi Kübler.

Das nächste Projekt verspricht schon jetzt Überraschungen. Eine Häuserchronik soll Aufschluss darüber geben, wer wann in welchem Haus gelebt hat und welche einschneidenden Ereignisse sich um die Häuser ranken.

Von Christamaria Ruch

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