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Ortsvorsteher blickt optimistisch in die Zukunft

Berlitt Ortsvorsteher blickt optimistisch in die Zukunft

Harald Backhaus ist seit dreieinhalb Jahren Ortsvorsteher in Berlitt. Als sich der einstige West-Berliner 1992 ein Haus in Berlitt als Wochenenddomizil kaufte, ahnte er noch nicht, dass er einmal Dorfoberhaupt werden wird. Doch der heute 64-jährige nahm die Herausforderung an und stürzte sich in das für ihn völlig neue Tätigkeitsfeld.

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Harald Backhaus lebt gern in Berlitt.

Quelle: André Reichel

Berlitt. Im Radio verheißt bereits am frühen Morgen der Wetterbericht, dass es ein heißer Tag mit Spitzentemperaturen von über 30 Grad Celsius wird. Berlitts Ortsvorsteher Harald Backhaus schaut daher auch lieber gleich morgens nach dem Frühstück im Dorf nach dem Rechten. Die Dorfansicht kann sich sehen lassen. Blitzblank zieht sich die im Jahre 2004 erneuerte Straße durch den Ort. Die großzügig angelegten Grünstreifen zu beiden Seiten sind vor allen Grundstücken frisch gemäht. Doch dies zu kontrollieren ist gar nicht das Ansinnen des Ortsvorstehers: „Ich habe zwar ein Büro im Gutshaus, doch hier auf der Straße werde ich viel eher von den Berlittern angesprochen, wenn ihnen irgendwo der Schuh drückt.“ Diesmal scheint alles in bester Ordnung zu sein, denn jeder, der mit dem Trecker, Auto oder Fahrrad vorbeifährt, grüßt freundlich und setzt seine Fahrt fort.

Außerplanmäßige Neuwahl nach Tod der bisherigen Ortsvorsteherin

Dass er einmal Ortsvorsteher in Berlitt sein wird, hätte Harald Backhaus noch vor ein paar Jahren nicht gedacht. Der West-Berliner kaufte sich 1992 ein Haus im Dorf und nutzte dies 20 Jahre lang als Wochenenddomizil zur Erholung. „In dieser Zeit habe ich vom Dorfleben nicht so viel mitbekommen“, sagt der Ortsvorsteher. Als er mit 60 Jahren in Rente ging, kehrte Backhaus der Hauptstadt den Rücken und zog zusammen mit seiner Frau Ilka im Herbst 2012 endgültig nach Berlitt. „Wir machten Nägel mit Köpfen und verkauften die Wohnung in Berlin“, sagt Harald Backhaus. Ein halbes Jahr später gab es im Dorf eine außerplanmäßige Neuwahl. Die vormalige Ortsvorsteherin Carola Loest verstarb und ein weiteres Ortsbeiratsmitglied warf das Handtuch. Das damals einzig verbliebene Ortsbeiratsmitglied stellte sich nicht mehr zur Wahl. Vier Berlitter stellten sich dann zur Neuwahl, darunter auch Harald Backhaus. „An erster Stelle wollte keiner stehen, ich wurde also nur Ortsvorsteher, weil es kein anderer machen wollte“, erinnert er sich.

Bürgerverein gründete sich 2014

Als frisch gebackenes Dorfoberhaupt musste sich Harald Backhaus erst einmal einarbeiten. Dass die Akten der Vorgängerin komplett vernichtet wurden, machte dies nicht gerade einfacher. „Ich hätte mich gern daran orientiert, denn es fehlte mir ja die Erfahrung in diesem Bereich“, sagt Backhaus. Als er sich daran machte, das Dorfmiteinander genauer unter die Lupe zu nehmen, stellte er fest, dass es nicht gerade zum Besten darum stand. Von Vereinsleben keine Spur. Ein Jahr später wurde im Mai 2014 der Berlitter Bürgerverein ins Leben gerufen. Er soll dazu dienen, das kulturelle Leben im Dorf in Schwung zu halten. Auch in finanzieller Hinsicht lohnte sich die Vereinsgründung, denn seither hat sich durch Spenden das Dorfbudget um das Dreifache erhöht. Das scheine auch notwendig zu sein: „Von der Stadt Kyritz erhalten wir jährlich 1000 Euro. Um ein ordentliches kulturelles Leben zu gestalten, reicht das natürlich nicht aus“, sagt Harald Backhaus.

Richtig angetan ist der Ortsvorsteher vom baulichen Ensemble, bestehend aus Dorfkirche, „Schloss“ und Gutspark. „Hier hat sich schon einiges getan und es gibt auch noch einiges zu tun.“ Im gepflegten Park treffen sich die Berlitter, wenn es etwas zu feiern gibt. Etwa zum sommerlichen Dorffest und dem schon zur Tradition gewordenen Weihnachtsmarkt. Die Kirche ist weitestgehend saniert, auch dort finden Veranstaltungen statt. Beim „Schloss“, wie das Gutshaus im Dorf von allen genannt wird, hat Harald Backhaus gemischte Gefühle. Die Fassade des ortsbildprägenden, der Stadt Kyritz gehörenden Gebäudes ist schön anzusehen. Innen ist es jedoch noch weitestgehend unsaniert. Das gilt auch für die dort eingerichtete Pilgerwohnung, in der es pro Jahr etwa 40 Übernachtungen gibt, Tendenz steigend. Einzig der Gemeinderaum, die dazugehörige Küche und der benachbarte Schulungsraum der örtlichen Feuerwehr sind vor einigen Jahren saniert worden, lobt Backhaus.

Ortsvorsteher will andere zum Mitmachen anstacheln

Während der Gemeinderaum mit den dort stattfindenden Konzerten, Lesungen und Vortragsreihen beinahe so etwas wie das kulturelle Herz des Dorfes darstellt, entwickelte sich die örtliche Feuerwehr zum Sorgenkind. Derzeit gibt es nur noch fünf aktive Mitglieder. Sechs sind nötig, damit die Brandschützer überhaupt ausrücken dürfen. „Da muss im Ernstfall immer erst einer aus Rehfeld kommen“, sagt der Ortsvorsteher. Die Tendenz bei der Bevölkerung, sich immer weniger in irgendeiner Form am Dorfleben beteiligen zu wollen, schlage hier negativ zu buche. Nicht anders sehe es im kulturellen Bereich aus. Auf die Frauen von der Ortsgruppe der Volkssolidarität und eine Gruppe unentwegter Helfer kann sich Harald Backhaus zum Glück noch immer verlassen. Backhaus blickt daher optimistisch in die Zukunft, die es zu gestalten gilt. „Es gibt noch viel zu tun und das klappt am besten gemeinsam“, sagt der Ortsvorsteher freundlich dreinblickend.

Von André Reichel

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