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Ostprignitz-Ruppin Ostdeutsches Guttemplertreffen steht bevor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ostdeutsches Guttemplertreffen steht bevor
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00:18 19.08.2016
Viele der Guttempler mussten erfahren, was aus einem Feierabendbier werden kann. Quelle: Imago
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Wusterhausen

Sie haben wieder miteinander geredet, länger als eine Stunde, so, wie jeden Donnerstagabend im „Kaland“. Die kirchliche Begegnungsstätte am Wusterhausener Burgwall ist ihr Treffpunkt. Diesmal sind Schmalzstullen und Wurstbrote übrig geblieben. Auch von den kleinen Waffeln wäre noch was zu haben. Die Kaffeekannen hingegen stehen trocken. Kaffee geht immer bei den Leuten vom „Fuchsbau“.

Den Namen hat sich eine Frau ausgedacht, die schon lange nicht mehr hier war. Vielleicht ist sie ja weggezogen. Ganz am Anfang, es muss wohl 2003 gewesen sein, da kam sie regelmäßig, holte drei Stoff-Füchslein aus ihrem Beutel und platzierte das Reineke-Trio mitten auf dem Tisch. Als die Gemeinschaft dann einen Namen suchte, lag „Fuchsbau“ nahe. „Füchse sind schlau. Das passt zu uns“, flachst Guido und lacht dabei. Tatsächlich ist es für jeden klug gewesen, sich in diese Truppe einzureihen. Wenngleich: Leicht gefallen ist es wahrscheinlich keinem. Sie sind Guttempler, Menschen, die sich einem Leben ohne Alkohol verschrieben haben – als letzte Möglichkeit, es nicht zu ersäufen. Einmal in der Woche sitzen sie sich gegenüber, sehen sich in die Augen, sagen, wie es ihnen so ergangen ist in den vergangenen Tagen.

Nein, sie haben keinen Tröster mehr aus der Flasche

Alles fängt immer an wie ein gewöhnlicher Kaffeeklatsch. „Was gibt’s Neues bei Dir? Wie geht’s der Frau oder dem Mann? Was machen die Kinder?“ Dann nimmt einer ganz gezielt die Frager-Rolle ein. Es beginnt die Befindlichkeitsrunde. „Du merkst schnell, wer Probleme hatte, die Woche seit dem Donnerstag konfliktfrei zu überstehen, mit wem was nicht stimmt“, sagt Hartmut. „Und wenn Du das mitkriegst, musst Du bohren, nicht locker lassen. Dann hilft nur reden, reden, reden. In der großen Runde oder unter vier Augen.“

Nein, sie haben keinen Tröster mehr aus der Flasche. Er wurde weggejagt auf immer und ewig. Bei diesem und jenem hat die Ewigkeit allerdings nur kurz gedauert. Der nächste Anlauf folgte. Er wurde nicht leichter. Aber jeder Tag ohne Alkohol ist dann ein Sieg. Es hilft, wenn man Gleichgesinnte hat, die das verstehen. Der „Kaland“ ist so etwas wie ein Ankerplatz geworden. Allerdings derzeit nur für ein halbes Dutzend Guttempler, die aber immer auch Angehörige oder Sympathisanten mitbringen. Platz ist genug, Die Tür steht allen offen.

Die Stoff-Füchse wurden zu den Maskottchen der Wusterhausener Guttempler. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Hand ist ausgetreckt. Viele ergreifen sie allerdings, um sie bald wieder loszulassen. Alkohol am Steuer, erwischt, Führerschein weg – nur über die medizinisch-psychologische Untersuchung kommt man wieder hinters Lenkrad. Im Volksmund despektierlich als „Idiotentest“ verschrien, lautet die gesetzliche Bezeichnung „Begutachtung der Fahreignung“. Sie stellt eine Prognose zur Verkehrsbewährung des Antragstellers und hilft Fahrerlaubnisbehörden bei der Entscheidung über die Neuerteilung. Da macht es sich gut – manchmal ist es auch Auflage – Hilfe bei Menschen wie den Guttemplern zu suchen.

In Wusterhausen ist Guido jetzt der Chef. Notgedrungen. Er war der Stellvertreter von Christian Kontny, dem Hochtempler. Seinen plötzlichen Tod können alle noch nicht fassen. Jetzt muss es also Guido richten, wobei hauptsächlich wohl Hartmut mit an den Strippen zieht. Schließlich erwarten die „Füchse“ am ersten September-Wochenende reichlich Gäste. Mehr als 50 haben sich angemeldet. Sie kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Schleswig-Holstein und natürlich Berlin und Brandenburg. Die Gastgeber werden sich um die Angereisten kümmern. Das Programm für das diesjährige Treffen der ostdeutschen Guttemplergemeinschaften (mit „Paten“ aus den alten Ländern) steht.

Es geht auch um die Gefahren der Spielsucht

Daniel Kort, der Chef vom „Mühlenhof“ in Wusterhausen, hat sich schon mal als guter Partner der Veranstalter erwiesen. In seinem Hotel sind die Gäste untergebracht. Im Stadtsaal auf der anderen Straßenseite treffen sich alle nach dem Einchecken am Freitag zum ersten Gedankenaustausch, Kennenlernen oder Wiedersehen. Der Sonnabend sieht zunächst einen Vortrag von Hochtempler Gerhardt Tulcke vor. Die Stadtbesichtigung übernehmen die „Fuchsbau“-Leute selber. Sie werden auch das Gelände der Schützen nicht aussparen. Schließlich feiern die Frauen und Männer in ihren bunten Uniformen am Ufer der Dosse wieder das Kreisschützenfest. Eine weitere Diskussion betrifft später speziell die Vereinsarbeit. Und musikalisch wird es auch, wenn das Akkordeonduo „Timann“ in die Tasten greift. Um die Gefahren der Spielsucht geht es dann am Sonntag bei einem weiteren Vortrag mit anschließender Diskussion.

Einzige Gruppe im Land Brandenburg

Der Guttempler-Orden ist eine internationale Organisation. Die Gemeinschaft „Fuchsbau“ Wusterhausen wurde 2004 gegründet und ist die einzige im Land Brandenburg. Sie gehört zum Verein „Distrikt Berlin-Brandenburg“.

Treffen der ostdeutschen Guttemplergemeinschaften finden in jedem Jahr statt. 2015 erfolgte es in Sachsen-Anhalt, 2017 wird es in Mecklenburg-Vorpommern sein.

Wusterhausen ist in wenigen Tagen zum nunmehr schon vierten Mal Gastgeber. Anreise der Teilnehmer ist am 2. September, Abreise ab Nachmittag des 4. September.

Soweit ist alles klar. Wäre da nicht das liebe Geld. Obwohl die Auswärtigen ihre Übernachtung selber bezahlen, fehlt den Einheimischen noch ein runder Tausender in der Kasse, wenn sie nicht Miese machen wollen. Ein Spender wäre gut, mehrere noch besser. Spendenbescheinigungen sind zugesichert. Kontaktaufnahme klappt immer donnerstags ab 18 Uhr, Am Burgwall 18. Der „Kaland“ bleibt das Stammlokal mit Limo, Kaffee, Käsebrötchen. Den Raum können sich die Guttempler leisten. Die evangelische Kirchengemeinde nimmt nämlich nix.

Von Wolfgang Hörmann

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