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Ostprignitz-Ruppin Paar wegen bunter Haare verprügelt– blaues Auge für Täter vor Gericht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Paar wegen bunter Haare verprügelt– blaues Auge für Täter vor Gericht
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00:17 27.04.2017
Quelle: dpa
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Neuruppin

Das Neuruppiner Amtsgericht sprach am Montag gegen den 22-jährigen Sven M. wegen gefährlicher Körperverletzung eine Verwarnung aus. Das ist eines der so genannten Zuchtmittel im Jugendstrafrecht, das angewendet wird, wenn das Gericht eine Jugendstrafe nicht für geboten hält.

Teilgeständnis sprach für den Angeklagten

Die Richter waren davon überzeugt, dass der Angeklagte am 12. September 2015 an einem Überfall auf ein junges Pärchen im Ruppiner Einkaufszentrum (Reiz) in Neuruppin beteiligt war. Das war ins Visier der drei Angreifer geraten, weil es sich durch Haare und Kleidung als zum linken Spektrum gehörend bekannte. Auf Videoaufzeichnungen im Einkaufszentrum war der Angriff auf die jungen Leute gut zu sehen. Nicht erkennbar darauf war der Angeklagte. Der hatte aber eingeräumt, die Person auf dem Video gewesen zu sein, auch wenn er sich an den eigentlichen Vorfall nicht mehr erinnern konnte. Das wertete das Gericht als „wichtiges Teilgeständnis“. Anhand der Aufzeichnung und der Aussage des Opfers sah es das Gericht als erwiesen an, dass Sven M. mindestens einmal zugetreten hat. Anders als Staatsanwalt und Nebenklage ging es nicht von einer das Leben gefährdenden Behandlung aus. „Das geben die ärztlichen Befunde nicht her“, sagte die Richterin.

Viele Promille führten zur verminderten Schuldfähigkeit

Das Gericht nahm bei Sven M. wegen seiner erheblichen Alkoholisierung eine verminderte Schuldfähigkeit an. Zur Tatzeit hatte er 2,45 Promille. Das Gericht folgte der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe und wandte Jugendrecht an. Beim Angeklagten liegen keine schädlichen Neigungen vor. Er ist weder vor noch nach der vorliegenden Tat straffällig geworden und hat sich nach eigenen Angaben aus der rechten Szene gelöst. Für ihn sprach, dass er viel jünger ist als seine 35 und 36 Jahre alten Mittäter, die offensichtlich das Sagen hatten.

„Die Verwarnung soll Ihnen noch einmal das Unrecht der Tat vor Augen führen“, sagte die Richterin. Darüber kann er auch bei seinen Sozialstunden nachdenken. Er muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit innerhalb von sechs Monaten leisten. Außerdem muss er an die damals verletzte 15-Jährige ein Schmerzensgeld von 1200 Euro sowie Schadenersatz in Höhe von rund 200 Euro zahlen.

Paar: Schmerzen sind vorbei, Angst bleibt >>

Die Prügelopfer haben bis heute mit dem Überfall zu kämpfen, meiden es in der Dunkelheit das Haus zu verlassen oder aber mit ihrer Kleidung aufzufallen. Außerdem währen die psychischen Schäden noch immer.

Von Dagmar Simons

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