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Paavo (5) ist Neuruppins jüngster Musikschüler

Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) Paavo (5) ist Neuruppins jüngster Musikschüler

Paavo ist Neuruppins jüngster Musikschüler. Er ist erst fünf und spielt schon begeistert Trompete. Normalerweise sind Kinder doppelt so alt, wenn sie damit anfangen. Im Gespräch erzählt er, wie seine Liebe zu dem Blechinstrument begann und gibt auch eine Kostprobe. Hören Sie selbst!

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Paavo Marquardt (5) aus Heinrichsdorf lernt bei Harald Bölk in Neuruppin Trompetespielen.

Quelle: Foto: Peter Geisler

Neuruppin. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ erklingt im Saal der Kreismusikschule Neuruppin. Direktor Harald Bölk spielt die Melodie am Klavier. Paavo Marquardt aus Heinrichsdorf spielt dazu auf seiner blechernen Kindertrompete. Der Fünfjährige entlockt ihr ungeahnte intensive Töne. Es ist sein erster Auftritt. Spontan, inoffiziell, im kleinen Rahmen. Mutter Annett Welzien ist das Publikum. Aufgeregt ist Paavo plötzlich. Das sieht man ihm an – und ab und zu hört man es.

„Oh, das war aber komisch“, sagt Harald Bölk und grinst seinen jungen Schüler liebevoll an, als die Strophe schief endet. „Da hast du eine Note vergessen. Das D fehlte.“ Bölk zieht das D bewusst in die Länge. Paavo schaut ihn mit großen Augen an. „Was machen wir mit dem D?“ Lehrer Bölk zeigt auf das Notenheft: „Soll ich einen Kringel um das D machen mit dem Zauberstift?“ Zustimmend nickt der Knirps und gemeinsam singen sie die Noten. Klappt gut, auch der zweite Versuch danach mit dem Weihnachtslied.

Dass der Kindergartenjunge überhaupt schon so gut Trompete spielen kann, ist eine Glanzleistung. Er ist der jüngste Musikschüler Neuruppins. „Das klassische Alter beim Blechbläsereinstieg liegt bei zehn, elf, zwölf Jahren“, sagt Harald Bölk. Paavo ist halb so alt.

Einzelunterricht in Rheinsberg

Jeden Montag bekommt er Unterricht von Harald Bölk in Rheinsberg, wo die Kreismusikschule Neuruppin neben Kyritz und Wittstock eine Zweigstelle hat. Sieben Trompetenschüler hat Bölk insgesamt in Rheinsberg unter seine Fittiche genommen.

Eine halbe Stunde dauert der Unterricht immer, erzählt Paavos Mama Annett Welzien: „Zuerst werden Atemübungen gemacht. Danach wird mit dem Mundstück geübt und zum Schluss setzt Paavo dieses und spielt auf der Trompete.“ Er muss kräftige Lungen haben, so kräftig wie das Blechinstrument bei ihm erklingt. Aus der Puste gerät er auch nicht schnell, wie es scheint. „Ich mache Leichtathletik“, sagt Paavo schelmisch grinsend und Mutter Annett erzählt: „Paavo hat sich schon immer für Musik, Tanzen, Bewegung interessiert.“

Eltern lassen ihre Kinder heute viel ausprobieren, meint Harald Bölk. „Manchmal zuviel. Reiten, Tanzen, Schwimmen, Klavierspielen. Jeder Wochentag ist voll.“ Da verlieren die Kleinen den Überblick beziehungsweise machen alles, aber nichts richtig. „Lieber auf eine Sache konzentrieren und dranbleiben“, rät Harald Bölk.

Die Trompete beim Nachbarn entdeckt

So war es auch bei Paavo. Er entdeckte das Blechinstrument für sich, da war er gerade mal vier, und ließ nicht mehr locker. „Ich war bei unserem Nachbarn“, erzählt der Fünfjährige, „und der hatte eine Trompete. Keiner hat ein Ton aus ihr rausgekriegt. Ich schon.“ Stolz lächelt er.

Das sei typisch bei Kindern, erklärt Harald Bölk: „Erwachsene sind angespannt, verkrampfen gerne mit dem Mund. Kinder gehen unbeschwert an die Sache ran. Bei der Trompete ist es wichtig, nicht zu viel Spannung an der Lippe zu haben, nicht zu fest das Mundstück an die Lippe drücken.“

Ein halbes Jahr hätte er genervt, dass er darauf spielen lerne wollte, erzählt Mutter Annett lachend. Dabei hatte er eigentlich Geige im Kopf gehabt. Als die Familie im Sommer 2015 von Berlin nach Heinrichsdorf zog, hörte der kleine Junge „Peter und der Wolf“ ständig rauf und runter. Bis er durch die Entdeckung beim Nachbarn auf Trompete umschwenkte. Über eine Bekannte erfuhr Annett Welzien, die selber gerade Gitarre lernt, vom Trompetenunterricht in Rheinsberg erfahren. Vor Ostern hatte Paavo schließlich dieses Jahr einen Schnupperkurs gemacht. Seitdem lernt er Trompetespielen und ist nun der jüngste Schüler an der Musikschule Neuruppin, der ein Instrument erlernt.

Insgesamt 900 Schüler werden von den 32 Lehrern der Musikschule Neuruppin unterrichtet. Davon sind 50 bis 60 Erwachsene, der Rest Kinder. Sie kommen, um Klavier, Gesang, Violine, Cello, Saxophon, Oboe, Gitarre bis hin zu Schlagzeug und Trompete zu lernen oder nehmen schon als Anderthalbjährige am Musikgarten und später an der Musikalischen Früherziehung teil. Nach letzterem kann sich der Musiknachwuchs ab der ersten Klasse zum „Instrumentenkarussell“anmelden, um Geige, Oboe, Klavier und andere Instrumente auszutesten und Favoriten zu entdecken.

Diesen Schritt hat Paavo übersprungen. Der zielstrebige Blondschopf wusste sofort, was er wollte. Und nun trifft er sich einmal wöchentlich mit Harald Bölk zum gemeinsamen Proben in Räumen der Musikakademie Rheinsberg. „Er hat richtig Spaß am Trompetespielen“, sagt Lehrer Bölk beeindruckt. Da ist das Alter egal.

Das Kartoffelsupp-Lied zum Einstieg

Immer mit dabei ist natürlich seine kindgerechte, etwa 30 Zentimeter lange Taschentrompete, die eine Leihgabe der Musikschule Neuruppin ist. Paavos Einstiegslied auf der Trompete war das Kartoffelsupp-Lied, sagt Harald Bölk: Kartoffelsupp, Kartoffelsupp, die ganze Woch‘ Kartoffelsupp und kein Fleisch. „Das lernt jeder zuerst bei uns, da es nur aus zwei Tönen besteht. C und F.“ Notenlesen kann Paavo mittlerweile auch ganz gut, obwohl er erst nächstes Jahr in die Schule kommt. „Am Anfang hat Herr Bölk die Stellung der Finger über die Noten geschrieben, danach die Buchstaben“, sagt Annett Welzien. „Seit zwei Wochen etwa klappt es ohne.“

Ihr Sohn ist mit Feuereifer dabei, das sieht man ihm an. „Noch einmal?“, fragt Bölk. „Ja!“, Paavo nickt eifrig und das Weihnachtslied ertönt erneut. Paavo hat Ehrgeiz. Dennoch: Lange sollte ein Kind nicht spielen. „Ein Profi schafft sechs Stunden, ein Kind nicht länger als zehn Minuten.

Neben dem Unterricht übt Paavo fleißig zuhause. Privater Beistand sei wichtig, erklärt Harald Bölk: „Ohne kommt kein Schüler weiter.“

Vielleicht wird er später mal professioneller Trompeter. So genau weiß er das noch nicht. Doch jetzt ist er erst mal müde und möchte nach Hause. Der Tag war sehr lang. Doch als ältere Schüler dann den Saal der Musikschule betreten und ihre großen Blasinstrumente rausholen, werden Paavos Augen wieder wacher und größer. Ein paar Minuten lauscht er, dann verlässt er mit Mutter Annett die Musikschule. In der Hand das schwarze Köfferchen, in dem sein Schatz steckt. Seine Kindertrompete.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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