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Panoptikum der Mobilitätsgeschichten

Wittstock Panoptikum der Mobilitätsgeschichten

Dass jeder irgendwann mal irgendwohin weg muss oder will, bietet hervorragende Grundlagen für die am Mittwoch in Wittstock eröffnete „Galerie der verlorenen Heimat“. Sie thematisiert Schicksale von Flüchtlingen, Zugezogenen aber auch Wittstockern, die partout nicht ihre Heimat verlassen wollten. Die 26 Geschichten sind bis Ende Oktober in der Marienkirche zu sehen.

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Sowohl altbekannte Wittstocker als auch Flüchtlinge und Zugezogene sind mit Geschichten auf den Tafeln vertreten.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Im großen Treck 1945 von den ehemaligen deutschen Ostgebieten über die Oder in die Mark; über die Prager Botschaft 1989 in den Westen und später zurück in den Osten; im Flüchtlingsboot aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet über das Mittelmeer nach Europa vor zwei Jahren – zahlreiche Schicksale von Wittstockern und in Wittstock lebenden Menschen haben in irgendeiner Form mit Mobilität zu tun. Genau diese Thematik hatte der Journalist und Autor Gerhard Richter vor einem Jahr aufgegriffen und gemeinsam mit dem Bündnis „Wittstock bekennt Farbe“ begonnen, die Geschichten in eine Ausstellung zu integrieren: „Die Galerie der verlorenen Heimat“.

In persönlichen Interviews hatte Gerhard Richter die Geschichten zahlreicher Wittstocker notiert

In persönlichen Interviews hatte Gerhard Richter die Geschichten zahlreicher Wittstocker notiert.

Quelle: Christian Bark

„Jeder hat eine Geschichte zu erzählen, wo er irgendwann mal irgendwohin weg war“, erklärte Richter zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwochabend in der Wittstocker Marienkirche. Die Galerie diene als eine Art Panoptikum von Mobilitätsgeschichten. Dabei erinnerte sich Richter auch, wie jede einzelne Geschichte entstanden ist. Bei verschiedenen öffentlichen Festivitäten wie zum Beispiel beim letzten Sommerfest der Linken war der 52-Jährige mit seinem Pavillon vertreten. Im lockeren Gespräch griff der Journalist einen besonderen Aspekt in der Lebensgeschichte seiner Interviewpartner auf. „Bei manchen Protagonisten erzähle ich aber auch fast eine ganze Lebensgeschichte“, erklärte Richter. Getippt wurden diese gleich vor Ort mit Richters 66 Jahre alter Groma-Schreibmaschine.

Die Ausstellung


26 Geschichten
von Wittstockern oder Menschen, die mit der Stadt zu tun hatten, sind auf den Tafeln zu lesen.


„Wittstock bekennt Farbe“ hat das Projekt initiiert. Es wurde auch von der Kirche unterstützt.

Bis 31. Oktober ist die Ausstellung täglich von 10 und 16 Uhr zu besichtigen.

Doch nicht nur Erzählungen von denen, die gegangen oder gekommen waren, hätten ihn interessiert. Bei der Wittstockerin Kerstin Zillmann habe ihn besonders fasziniert, dass sie ihre Heimat partout nicht verlassen wollte. „Ich möchte hier nicht weg“, sagte sie am Mittwochabend auf der Ausstellungseröffnung. Mit kritischem Blick musterte sie Richters Text. „Ich fühle mich gut wiedergegeben“, stellte sie kurz darauf fest.

Frauke Hoffmann (l) und Sabine Ranft machten die Musik zur Ausstellungseröffnung

Frauke Hoffmann (l.) und Sabine Ranft machten die Musik zur Ausstellungseröffnung.

Quelle: Christian Bark

Wie Zillmann waren weitere neugierige Wittstocker gekommen. Zum einen um die verschiedenen Geschichten zu lesen, zum anderen um den Liedern von Frauke Hoffmann, Sabine Ranft und Gerhard Richter zu lauschen, die von Sehnsucht, Liebe und Fernweh erzählten. „Liebe ist tatsächlich ein wichtiger Punkt, an einen Ort zu kommen oder ihn zu verlassen“, blickte Richter auf die verschieden Schicksale. Er sei übrigens nach wie vor auf der Suche nach Geschichten – gerne auch von Menschen, die Wittstock aus irgendeinem Grunde verlassen haben. Die Galerie solle wachsen und, wie der Initiator in seiner Eröffnungsrede sagte „zu einer Art kollektivem Gedächtnis Wittstocker Mobilität“ werden. Zugleich solle sie zeigen, dass die Dossestadt nicht irgendein Ort in der märkischen Provinz ist, sondern für zahlreiche Menschen irgendwie einer der vielen Mittelpunkte der Welt sein kann. Bis Ende Oktober ist die Galerie noch in der Kirche zu besichtigen, wie Pfarrer Björn Borrmann ankündigte.

Gleichzeitig verwies er auf einen Gottesdienst zum Thema „Auf der Suche nach Heimat“ am 28. Oktober sowie ein Gespräch über die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs am 5. Oktober.

Von Christian Bark

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