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Ostprignitz-Ruppin Papiertheatersammlung im Museum
Lokales Ostprignitz-Ruppin Papiertheatersammlung im Museum
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00:17 13.04.2017
Die Vitrinen mit den verschiedenen Papiertheatern aus diversen Ländern und Epochen stießen auf reges Interesse. Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Knallrot, blitzblau, donnergrün – gedruckt und zu haben bei Gustav Kühn. Ein rund 200 Jahre alter Werbespruch, der – man ahnt es – für die Bilderbögen der Druckerei Kühn warb. Das Museum in Neuruppin, das einen ganzen Schatz dieser Bögen hütet, hat sich den ersten Teil des Slogans ausgeborgt: Knallrot, blitzblau, donnergrün“ ist der Name der am Sonntag eröffneten Ausstellung, die sich dem Papiertheater widmet. Und steht natürlich nicht nur für die Farbenpracht der Stücke, Bühnen und Kostüme, die den Besucher in der kleinen feinen Schau erwarten, sondern auch – knall, blitz, donner – für die magische Welt, die Theater damals und auch heute noch eröffnet.

Papiermodell: Das Theater in Lyon Quelle: Regine Buddeke

Gut 35 Besucher haben sich zur Vernissage eingefunden – etliche kennen den Mann bereits, dessen Papiertheatersammlung nun bis Ende Juni zu sehen ist. Rüdiger Koch ist schon einige Male mit seinem Papiertheater Invisius zu Gast im Museum gewesen und hat das ein oder andere Stück seines Repertoires für Kinder und Erwachsene aufgeführt. Seine Sammlung, die er über Jahrzehnte zusammengetragen hat, beherbergt die ganze Geschichte dieser Kunstform, auf deren Namen man sich übrigens nie so ganz einigen konnte. In Dänemark heißt sie auch heute noch Dukketheater, früher nannte man es schlicht Puppentheater, auch Figurentheater, Tischtheater, Kindertheater oder Toy Theatre in England. „Aber der Begriff Papiertheater trifft es schon am besten: die Spieltechnik ist klassisches Puppentheater aber der Inhalt ist dem Schauspiel entlehnt“, sagt Lars Rebehn, Konservator der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, der zur Eröffnung, im Zwiegespräch mit Koch, erklärte, was es damit auf sich hat.

Rüdiger Koch (l.) und Lars Rebehn zur Eröffnung. Quelle: Regine Buddeke

Kurz und gut: Papiertheater entsprang dem Wunsch des Bürgertums seit dem frühen 19. Jahrhundert, die große Bühne in die Wohnstube zu holen. Es war eine schöne Unterhaltung für theaterbegeisterte Familien, die sich die zumeist kaum größer als 40 Zentimeter breiten Bühnen nachbastelten und die Stücke spielten: entweder die angesagten Inszenierungen oder auch Klassiker der Märchenwelt. Die Proszenien, Bühnenbestandteile und Figuren – die Kostümbilderbögen gab es zuerst – konnten aus gestanzten Bilderbögen herausgelöst werden, wurden auf Pappe geklebt, zusammengebaut und später gespielt, indem die Figuren an Stäben über die dreidimensionale Bühne geführt werden, die oft mit zwischen den Kulissen versteckten Kerzen beleuchtet wurden. Das war nicht nur ein Vergnügen sondern auch ein didaktisches Spielzeug der Extraklasse. Die bürgerlichen Filiusse lernten so gleich viel fürs Leben – nicht nur rhetorisches Geschick beim Sprechen der Rollen, sondern auch Fingerfertigkeit und Geduld beim Bauen des Theaters – was keine leichte Sache war. Darüber hinaus erschloss sich so gleich die Welt der Literatur. Oft wurden fürs Papiertheater die Stücke gekürzt: aus Fünfaktern wurden Dreiakter, aus Monologen Zweizeiler“, erzählt Rebehn. „Die meisten Stücke haben dadurch gewonnen“, führt er aus und das Publikum lacht. Da die Bilderbögen dank der Erfindung der Lithografie durch Senefelder das Vergnügen bezahlbar machten, sammelten viele Familien diese Miniaturtheater. „Das Papiertheater war die Modelleisenbahn des 19. Jahrhunderts“, so Rebehn. Was es auf den großen Bühnen gab, gab es immer auch als Papiertheater. Quasi ein unendlich erweiterbares Sammelgebiet. Zur Koch’schen Sammlung gehören neben fertigen Papiertheatern in der Vitrine auch Drucke von Bühnenbildern und Kostümbögen sowie Accessoires wie Eintrittskarten, Kerzenlöscher und Opernglas.

Das wertvolle Diorama aus den 1750er Jahren – ein Vorläufer des Papiertheaters. Quelle: Regine Buddeke

„Wir freuen uns, dass wir auch eigene Bestände zur Ausstellung beisteuern konnten“, so Museumsleiterin Maja Peers. „Das Prinzip der Wechselausstellungen ist auf gutem Wege“, konstatiert Bürgermeister Jens Peter Golde. „Ein lobenswertes Privatprojekt“, lobt Lars Rebehn. Andere würden dafür Fördergelder beantragen – Koch hätte dagegen sehr systematisch gesammelt – mit dem Ziel, alles öffentlich zu zeigen.

Papiertheater war ein gesamteuropäisches Phänomen, das in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg in Vergessenheit geriet. Erst in den 6oer Jahren eine Renaissance erlebte. Auch Rüdiger Koch, dem im Schulterschluss mit dem Museum ein kleines Juwel gelungen ist – wurde von der Nostalgiewelle erfasst. Er sammelt weiter: eines der Exponate, ein Guckkasten-Diorama um 1750 – ist zum ersten Mal ausgestellt.

Das Globe-Theater London als Miniaturmodell. Quelle: Regine Buddeke

Am 21. Mai, dem Internationalen Museumstag, wird Rüdiger Koch im Museum mit einem Papiertheater-Stück gastieren.

Von Regine Buddeke

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