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Pass-Posse: Lehrer überschreiten Kompetenzen

Klassenfahrt-Ausschluss wegem „falschen“ Foto Pass-Posse: Lehrer überschreiten Kompetenzen

Ein 15 Jahre alter Jugendlicher darf nicht mit zur Klassenfahrt nach England, weil den Lehrern sein biometrisches Foto im Reisepass nicht passt. Die „Posse“ aus Neuruppin erhitzt in den sozialen Medien die Gemüter der MAZ-Leser. Die sind sich beinahe einig, ob die Entscheidung richtig oder falsch war.

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Der Blick auf die Tower Bridge in London blieb einem 15-Jährigen verwehrt, weil sein Foto im Pass angezweifelt wurde.
 

Quelle: dpa-tmn

Neuruppin.  Die Busse stehen bereit, die Schüler der 10. Klassen sammeln sich – bepackt mit ihren Koffern. Es ist die letzte Reise mit der Klasse, bevor im Sommer nächsten Jahres der Schulabschluss ansteht. Auch der 15 Jahre alte Sohn von Antje Bölck ist darunter. Er hat sich schon länger auf die Sprachreise nach England gefreut. Doch dann darf er nicht mit. Es liegt an seinem Pass: Weil er auf dem biometrischen Foto, das inzwischen vier Jahre alt ist, lange Haare trägt, entscheidet die Schulleiterin, dass er Zuhause bleibt. Was würde passieren, wenn die Zöllner ihn an der Grenze nicht passieren lassen? Das Risiko ist der Schulleiterin zu groß, die Entscheidung schnell gefallen. Doch dürfen Lehrer überhaupt so weit gehen und ein gültiges, amtliches Dokument anzweifeln und zudem vorsorglich einen Schüler von der Reise ausschließen, weil sie fürchten, dass es mit einem Foto im Reisepass Probleme an der Grenze innerhalb der EU geben könnte?

Der MAZ-Artikel vom Dienstag hat für viel Aufregung in den sozialen Netzwerken gesorgt. Viele Kommentatoren unter dem Beitrag sind sich einig: Das hätte so niemals geschehen dürfen. Und schon gar nicht wäre es nachvollziehbar, dass bei derartiger „Kompetenzüberschreitung“ nun auch noch die Eltern für die Reise zahlen sollen. Denn die Reiserücktrittsversicherung deckt nur einen Teil der Kosten ab.

„An Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten“

Von „Amtsanmaßung“ ist hin und wieder die Rede in den Beiträgen. Thomas Müpunkt fragt: „Wieso muss man der Schulleitung überhaupt den Ausweis vorab zur Kontrolle vorlegen?“ Er könne sich viele Gründe vorstellen, warum Lehrer Schüler von Klassenfahrten ausschließen können. „Ein Foto im Reisepass, was nicht den persönlichen Geschmack der Lehrerin trifft, gehört haber nun nicht dazu“, schreibt er auf der MAZ-Facebook-Seite. Die Beanstandung sei frei nach ihrer Überzeugung, „frei Schnauze“, geschehen. Vielen stößt auf, dass ein amtliches Dokument angezweifelt wird. „Dies ist doch an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten“, meint Paul Krutwig. Die Schulleiterin hat sich seiner Ansicht nach über bestehende Gesetze hinweggesetzt und damit eine Entscheidung getroffen, zu der sie nicht befugt sei. „Lehrer haben keinen Vollzugsstatus, sie dürfen keine Herausgabe des Ausweises fordern“, schreibt Donatello Donnowitz.

Erinnerung fürs Leben wurde dem Jungen genommen

„Reine Schikane der Lehrerin“, schreibt Klaus Stein. Wären die Lehrer tatsächlich besorgt um den Pass, hätte man die Eltern vorab involviert, so der User. Denn die Schulleiterin selbst sieht sich im Recht, hatte man den Jungen doch schon einige Tage zuvor auf das Passbild angesprochen. Die Eltern selbst wollen davon nicht gewusst haben. „Auch wenn hier einige meinen, der Junge hätte das zu Hause erzählen müssen und trägt jetzt eine gewisse ’Mitschuld’: Er ist 15“, schreibt Birgitt Bartelt dazu. Lehrer hätten sich persönlich an die Eltern wenden sollen. Sie sieht ein eindeutiges Fehlverhalten bei der Schule und glaubt, dass die Kosten nun nicht auf die Eltern abgewälzt werden sollten. „Ich hoffe, die Schulleiterin ersetzt wenigstens den finanziellen Schaden“, so Bartelt weiter. Denn das Kind sei nun ja ohnehin sprichwörtlich in den Brunnen gefallen, ein ideeller Schaden entstanden. So eine letzte Klassenfahrt sei als wichtiges Ereignis eben nicht mehr nachzuholen. Ähnlich sieht es Facebook-Nutzerin Poca Hontas Kowalski auf der MAZ-Prignitz-Ruppin-Seite: „Die Abschlussfahrt ist eine Erinnerung für das restliche Leben. Man wird sich immer an diese Zeit zurück erinnern,die letzte gemeinsame Zeit mit den Klassenkameraden und den Spaß,den man dort hatte. Und dieses Erlebnis wird dem Jungen genommen,NUR weil er jetzt eine andere Frisur trägt als vor 4 Jahren?“

Neuer Haarschnitt, neuer Pass?

Ohnehin stellen sich einige User die ironische Frage, ob man nun nach jedem Friseurbesuch vielleicht einen neuen Pass beantragen sollte. Thomas Müpunkt und Klaus Engelbert bringen zudem in die Diskussion ein, dass sich Jugendliche körperlich verändern. „Da ist das Experimentieren mit Haarfarben und Haarschnitten noch das geringste Problem. Der Kopfhaarwuchs ist aber nun das letzte, worauf die Grenzbeamten schauen. Da gibt es ganz andere Dinge, die sie prüfen. Genau deswegen sind die Pässe ja biometrisch, mit Fingerabdrücken und sonstigen Sicherheitsmerkmalen. Im Gegensatz zu der Lehrerin sind die Polizeibeamten eben gerade auch geübt mit älteren Passbildern umzugehen. Ist ja praktischer Alltag für sie. Und bei passender Gelegenheit zeigt die Lehrerin sicher auch gern ihren Führerschein rum, der sie noch mit 18 Jahren zeigt. Ohne dessen Gültigkeit anzuzweifeln“, so Thomas Müpunkt.

Neuruppin, die Possenstadt?

Doch es gibt auch vereinzelt gegenteilige Meinungen. So schreibt etwa Brigitte Wolff: „Ich muss der Lehrerin Recht geben,die Eltern hätten sich rechtzeitig um einen neuen Ausweis oder Reisepass kümmern können.Es ist durchaus möglich,dass er im Ausland nicht anerkannt wird. Dann wird sie an der Grenze Probleme bekommen.“ Auch Jeanette Kaplanski fragt, was wohl geschehen wäre, hätte man den Jungen an der Grenze nicht passieren lassen. „Ihn alleine zurückschicken“, fragt sie und signalisiert, dass sie die Entscheidung nachvollziehen kann.

Wer letztlich Schuld an dem Ausschluss trägt, meint Hei Nie auf Facebook, sei ganz klar: „Liegt wohl daran, dass der „junge“ Mann diese Info nicht an seine Mutter gab“. Sie selbst war vor Ort, als der 15-Jährige von der Klassenreise ausgeschlossen wurde und ärgert sich beispielsweise über die Reaktion des Jugendlichen. Er hätte nach der Hiobsbotschaft die Schulleiterin und ihre „Drecksschule“ beschimpft. Zudem hätte nach Hei Nie der Ausschluss vermieden werden können: Auf einer Elternversammlung sei im Vorfeld auf veraltete Pässe hingewiesen worden. Jene die fahren konnten, hätten im übrigen eine sehr schöne Reise gehabt.

Eine, die dem 15-Jährigen verwehrt wurde, trotz biometrischem Foto. Und während manche auf eine Schadensersatzklage hinweisen, ist für Jochen Vogel völlig klar: „Kann ja nur aus Neuruppin kommen. Vielleicht mal über den Titel Possenstadt nachdenken.“

Weitere Posse aus Neuruppin:

Kind malt mit Kreide – Eltern sollen zahlen

 

 

Von MAZonline

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