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Ostprignitz-Ruppin Peer-Gynt-Ensemble im Premierenfieber
Lokales Ostprignitz-Ruppin Peer-Gynt-Ensemble im Premierenfieber
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00:17 24.07.2016
Tobias Fischer und Daria Monciu als Peer Gynt und Anitra. Quelle: Buddeke
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Netzeband

Die Masken sind fertig – Kai Wulfes von der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, Hauptsponsor des Theatersommers, ist neugierig und stülpt sich bei der Vorstellung schon einmal eine bizarre Vogelmaske auf. Auf dem Tisch liegen sie dicht an dicht, mehr als 30 sind es – in allen Farben und Formen, mit Besenborsten als Haaren, goldenen Lippen, buckeliger Mephisto-Nase oder einem Kreuz im Pfarrers-Mund. Die Darsteller des Ensembles sind zufrieden, in der heißen Phase vor der Premiere mit gut sitzende Masken proben zu können. Sowohl Maskenbildnerin Friederike Klaue als auch Kostümbildnerin Katrin Wittig sind Netzeband-Neulinge – die Zusammenarbeit mit ihnen sei indes hervorragend gewesen, betont Schauspieler Andreas Klein, der seit Jahren dabei ist und im Peer Gynt unter anderem den Dovrealten, den Trollkönig, spielen wird.

Mehr als 30 Masken hat Friederike Klaue geschaffen Quelle: Regine Buddeke

Regisseur Andree Solvik zieht eine Woche vor der Premiere ebenfalls eine positive Bilanz. Trotz völlig neuen Führungsstabes – auch für ihn ist es die erste eigene Regiearbeit in Netzeband, seien die Proben inspirierend und auf bestem Wege. Für die Tonaufnahmen habe man wie immer auf bewährte Stimmen wie Tom Quaas zurückgreifen können, auch die Profi-Schauspieler im Team hätten einzelne Figuren längst auf Band gesprochen. Insgesamt 26 Stunden Rohmaterial waren es, die Solvik geschnitten und zur Endfassung eingedampft hat. Peer-Gynt-Darsteller Tobias Fischer hat eine Szene, in der er mit sich selber reden darf – seinen Gegenpart auf der Bühne hat er selbst eingesprochen. Ohnehin muss er beim Text sattelfest sein – als einziger im Team agiert Peer Gynt lediglich mit Schminke im Gesicht – ohne Maske. Eine Herausforderung, die absolute Präzision verlangt – Lippenbewegung und Tonkonserve müssen schließlich synchron passieren.

Maskenbildnerin Friederike Klaue. Quelle: Regine Buddeke

Der Netzebander Peer Gynt wird nicht in Norwegen spielen. „Wir wollten es auf unsere Weise machen“, sagt Andree Solvik, gebürtiger Norweger. Er habe schnell Parallelen zu Brandenburg gefunden. „Nach der Wende sind die Leute von hier weg gegangen, um ihr Glück und ihre Identität anderswo zu finden“, sagt er. „Die DDR gab es ja nicht mehr.“ Und viele von ihnen seien inzwischen zurückgekommen. Auch Peer Gynt hat seiner Heimat den Rücken gekehrt – ein Fantast und Glückssucher, der letztlich gescheitert zurückkehrt. Und das Glück vor seiner Nase findet. Die Erkenntnis kommt jedoch zu spät.

Die Kostüme sind von Katrin Wittig. Quelle: Regine Buddeke

„Wir haben die Zwiebel als Symbol für unser Stück genommen“, so Solvik. Denn wie eine Zwiebel häutet sich Peer Gynt, der egozentrisch durch die Welt gejagt ist, mal als reicher Geschäftsmann, mal als Prophet, mal im Irrenhaus landet. Wie eine Zwiebel pellt er Identitäten von sich ab. Alles zerrinnt ihm zwischen den Fingern. Er kann Lügengeschichten erzählen, die ihm jeder glaubt. Und lügt sich dabei selber in die Tasche, macht sich etwas vor. Die Suche nach dem Kern, dem eigenen Ich – bleibt erfolglos.

Stefan Schreiber spielt den Aslak. Quelle: Regine Buddeke

„Peer Gynt ist ein Drama, schwerer Stoff“, so Solvik, der das Ganze in drei Teile – Aufbruch, Reise und Rückkehr des Peer Gynt gegliedert hat. „Aber wir wollten keine bierernste Inszenierung.“ Selbst der dritte Teil, in dem Peer Gynt zurückkehrt, hat noch komische Momente in aller Tragik. Es sei nicht untypisch für die Menschen, dem Glück hinterherzulaufen, ohne zu merken, dass sie es eigentlich genau vor sich haben. Der erste Teil des Brandenburger Peer Gynts sei mehr wie eine Komödie aufgebaut.

Kai Wulfes von der Sparkasse OPR probiert die Vogel-Maske auf. Quelle: Regine Buddeke

Andree Solvik hat viele Parallelen in die DDR gezogen. Der Trollkönig etwa wird als Stasi-Offizier daherkommen. „Sei dir selbst genug“, wird er Peer Gynt verheißen, der auf diesen Rat hin fortan über Leichen geht. „Das wird so ein totalitäres Gruppen-Ding“, verrät der Regisseur. Man könne nicht in der DDR gelebt haben, ohne dass sie ein Teil von einem geworden ist, egal wie kritisch man ihr gegenübergestanden habe.

Premiere ist am 29. Juli um 20.30 Uhr im Gutspark Netzeband.

Von Regine Buddeke

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