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Ostprignitz-Ruppin Per Anhalter durchs Bahnchaos
Lokales Ostprignitz-Ruppin Per Anhalter durchs Bahnchaos
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09:47 07.05.2015
Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Für Bertram Otto wird der Streik bei Bus und Bahn so langsam zur Tortur. Er studiert seit April an der neuen Hochschule in Neuruppin Medizin, wohnt aber in Potsdam. Ein Auto hat Bertram Otto nicht, er ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen – so wie Hunderte Pendler jeden Tag, die zur Arbeit oder zur Ausbildung nach Neuruppin kommen oder von dort nach Berlin müssen.

„Im Moment brauche ich fast dreieinhalb Stunden“, sagt Otto. Pro Richtung. In Potsdam fährt er mit dem Fahrrad durch die halbe Stadt zum Bahnhof, weil Bus und Straßenbahn stillstehen. Immerhin fährt die S-Bahn nach Berlin, wenn auch niemand genau sagen kann, wann. In Berlin hofft Otto, eine U-Bahn zu erwischen, die nicht völlig überfüllt ist. In Pankow wartet ein Kommilitone, der ihn im Auto nach Neuruppin mitnimmt. Auf der Autobahn standen sie in den vergangenen Tagen noch mindestens eine halbe Stunde an einer Baustelle im Stau. Am Mittwoch haben die Bauarbeiten die Straßenseite gewechselt – jetzt droht der Stau in Richtung Berlin.

Bahn setzt auf Ersatzbusse - Pendler trampen, um voranzukommen

Die Bahn setzt zwischen Neuruppin und Hennigsdorf jeden Tag fünf Busse pro Richtung ein. Außerdem fahren einzelne Züge des Prignitz-Expresses. Welche, das erfahren Fahrgäste jeden Morgen im Internet. Am Mittwoch waren zwei Züge pro Richtung angekündigt. 20 sind es an normalen Tagen.

Der Bahnhof Rheinsberger Tor in Neuruppin ist am Mittwoch verwaist. Um 10.30 Uhr stehen dort drei Männer am Gleis und warten. Eine Frau am Straßenrand hält den Daumen raus. Autostopp scheint sicherer zu sein um weiterzukommen.

Um13.25 Uhr kommt ein Zug aus Hennigsdorf. Fünf Fahrgäste steigen aus. Eine Stimme aus dem Lautsprecher teilt mit, dass dieser Zug in Neuruppin West endet. Eigentlich hätte er bis Wittenberge weiterfahren sollen.

Wer einen Zug bekommen will, braucht Glück

Auf dem Bahnsteig gegenüber hinkt René Köhler mit einem schweren Koffer. Er hat seine Kur in Lindow abbrechen müssen wegen eines Muskelfaserrisses. Doppeltes Pech: Nun streikt auch noch die Bahn. Im Internet hat René Köhler gelesen, dass ein Zug fahren soll – die S-Bahn ab Hennigsdorf aber nicht. Eigentlich möchte er nach Pfaffenhofen in Bayern, aber nun wäre er froh, wenn er es bis Berlin schafft und sich ein Hotelzimmer nehmen kann. Köhler und fünf andere Fahrgäste haben Glück: Auch ihr Zug kommt, ist fast leer und fährt sogar bis nach Berlin-Gesundbrunnen durch.

Auf der Anzeigentafel vor dem Bahnhof ist auch der Zug um 14.31 Uhr angekündigt – dort wird nur auf den Busstreik hingewiesen. Doch auf die Tafel konnte man sich schon beim vorangegangenen Streik nicht verlassen. Alexander Fries traut auch seiner Bahn-App im Smartphone nicht mehr. Dort seien alle Züge nach Neuruppin angezeigt, versehen mit einem kleinen Hinweis. Erst wenn man darauf klickt, erscheint der Text: „Ihr Zug fällt aus.“ Alexander Fries kommt seit Dienstag lieber mit dem Auto zur Arbeit nach Neuruppin. Er sei hin- und hergerissen, sagt er: zwischen der Solidarität mit den Streikenden und der Frage, warum nach acht Streiks und bei 4,7 Prozent Lohnerhöhung immer noch keine Einigung möglich ist. „Ich kann nicht mehr nachvollziehen, warum die Leute bestraft werden, die das Ganze finanzieren – die Fahrgäste, die die Fahrkarten kaufen.“

Den meisten Pendlern bleibt keine Wahl, sie müssen irgendwie zur Arbeit oder zur Ausbildung kommen. Schülern hat das Land freigestellt, zu Hause zu bleiben, wenn es gar nicht anders geht, weil Bus und Bahn nicht fahren. Am Mittwoch mussten Brandenburgs Abiturienten ihre Prüfungen in den naturwissenschaftlichen Fächern ablegen. Am Schinkelgymnasium und an der Evangelischen Schule in Neuruppin konnten alle an den Prüfungen teilnehmen. Keiner muss den eingeräumten Ausweichtermin im Juni wahrnehmen – trotz der Streiks.

MAZ

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