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Perlenschmuck aus Rheinsberg

Künstlerporträt Perlenschmuck aus Rheinsberg

Für Jeannette Stratmann aus Rheinsberg ist es immer eine Überraschung, wenn sie ihre Keramikperlen nach dem Brennen und Putzen das erste Mal sieht, denn schon geringe Abweichungen beim Herstellungsprozess führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Jede Perle wird so zum Unikat.

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Jeannette Stratmann fertigt Perlenschmuck in Rakutechnik.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Der Qualm von verkohlenden Sägespänen und Papier hat sich längst verzogen, Jeannette Stratmann öffnet den Deckel des großen Blechtopfes zu ihren Füßen und fegt Asche zur Seite. Kleine Gestelle voller Perlen werden sichtbar, sichtbar wird auch Vorfreude und Neugier im Gesicht der Rheinsbergerin. „Es ist immer eine Überraschung und deshalb gefällt mir diese Technik so,“ sagt sie jetzt. Jeannette Stratmann stellt Schmuck aus Raku-Keramik her - Ketten und Ohrhänger aus Keramikperlen, auch Tischmuck, phantasievolle Fischlein etwa, jedes Stück durch das besondere Herstellungsverfahren einzigartig.

Raku ist eine im 16. Jahrhundert in Japan entwickelte Technik, bei der die Keramik nach dem Brennen nicht langsam im Ofen abkühlt, sondern glühend in luftdicht verschlossene Gefäße, befüllt mit organischem Material, gepackt wird, das in der Hitze verkohlt. Der dabei entstehende Kohlenstoff zieht in die durch die plötzliche Abkühlung entstehenden Risse auf der Oberfläche der Keramik ein und erzeugt dekorative Muster, die Craquelés. Die chemische Zusammensetzung der Glasur, die Temperatur und der Grad des Sauerstoffentzuges haben Einfluss auf Farbe und Oberfläche der Keramik, so dass jedes Stück zum Unikat wird.

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Für Jeannette Stratmann aus Rheinsberg ist es immer eine Überraschung, wenn sie ihre Keramikperlen nach dem Brennen und Putzen das erste Mal sieht, denn schon geringe Abweichungen beim Herstellungsprozess führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Jede Perle wird so zum Unikat.

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Die eben dem Blechtopf entnommenen Perlen kühlen jetzt im Wasserbad, bevor Jeannette Stratmann sie mit Wasser, Seife und Schwamm zur ganzen Schönheit erweckt. Sonnenlicht fällt auf die noch feuchten Oberflächen. Jetzt sind die feinen Muster in unendlicher Vielfalt auf der farbigen Glasur zu sehen. In ihrer kleinen Werkstatt unterm Hausdach fertigt die Künstlerin Ketten und Ohrschmuck aus Rakuperlen. Dutzende Schachteln hat sie mit Perlen unterschiedlichster Größe, Farbe und Form befüllt. Weiteres Zubehör wie Fäden, Verschlüsse, Zierelemente und Metalldraht kauft die Schmuckgestalterin im Fachhandel - alles natürlich garantiert hautverträglich. Etwa zwanzig Stunden ihrer Freizeit pro Woche verbringt die Diplom-Sozialpädagogin mit ihrem engagierten Hobby, ein guter Ausgleich zur Arbeit im Jugendamt in Berlin. „Mit 40 habe ich angefangen Collagen zu malen, habe Radierungen angefertigt und Keramikworkshops besucht,“ erzählt die jetzt 58-jährige Rheinländerin, die seit 15 Jahren mit ihrem Mann Frank in Rheinsberg lebt. Irgendwann war auch ein Raku-Workshop dabei. Diese Technik hat sie sofort begeistert. „Das will ich machen, habe ich mir damals gesagt.“ Vor zwei Jahren sind dann die ersten Keramikperlen entstanden. Den gasbeheizten Brennofen hat ihr Mann gebaut. Der Ofen hat kein Thermometer, die Temperatur muss sie anhand der Glutfarbe und dem „wabern“ der Glasur abschätzen. Gerade aber kleine Unterschiede von Ofen- und Außentemperatur, der Zusammensetzung der Glasuren oder des Gemischs aus Sägespänen und Knüllpapier im Blechtopf, in das die glühenden Keramikteile nach dem Brennen gebettet werden, führt zu den überraschenden Ergebnissen, die Jeannette Stratmann so schätzt. Schon rollt sie aus weißem Ton mit hohem Schamottanteil Perlen für den nächsten Brand. Große Kugeln entstehen aus zwei Halbschalen als Hohlkörper. Mit Holzstäbchen erhalten die Perlen eventuell ein Muster und das Loch zum Auffädeln auf einen Faden. Mit einem kleinen Drahtwerkzeug drückt die Künstlerin noch ihre Initialen in den weichen Ton. Nach drei Tagen Trockenzeit erfolgt der Schrühbrand, der den Ton wasserbeständig macht. Anschließend bestreicht sie mit einem Pinsel jede einzelne Perle mit Glasur. Nach dem Trocknen kann Jeannette Stratmann wieder den Brennofen heizen, den großen Blechtopf mit Spänen und Knüllpaper füllen und - wenn sich dann der Qualm verzogen hat - staunen, was dieses Mal unter der Ascheschicht zum Vorschein kommt.

Jeannette Stratmann wird ihren Schmuck wieder an ihrem Verkaufsstand auf dem Rheinsberger Töpfermarkt anbieten.

Von Peter Geisler

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