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Pferde haben kein Lampenfieber

Forschung in Neustadt und Wien bietet Überraschungen Pferde haben kein Lampenfieber

Tausende Zuschauer können ein Pferd nicht beeindrucken. Die gemeinsame Forschungseinrichtung des Brandenburgischen Haupt- und Landgestütes Neustadt und der Uni Wien hat jetzt herausgefunden, dass die Tiere kein Lampenfieber kennen. Gestresst sind sie aber trotzdem manchmal - vom Reiter.

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GLI-Mitarbeiterin Manuela Wulf betreut für ihre Forschungen die Neustädter Fohlen.

Quelle: Beckmann

Neustadt. Pferde haben kein Lampenfieber. Wenn jemand vor Publikum nervös wird, dann ist es eher der Reiter ‒ was dem Pferd aber ebenfalls ziemlich egal ist. Diese Feststellung ist ein Ergebnis der Arbeit des Graf-Lehndorff-Institutes für Pferdewissenschaften(GLI). Die gemeinsame Forschungseinrichtung des Brandenburgischen Haupt- und Landgestütes Neustadt und der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat der Öffentlichkeit kürzlich ihren Jahresbericht 2014 vorgelegt.

Ein Forschungsthema der vergangenen Jahre war die erwähnte Interaktion zwischen Pferd und Reiter. Natascha Ille und Alice Schmidt haben dazu gemeinsam mit französischen Kollegen Stressindikatoren von Mensch und Tier untersucht ‒ auch bei großen Veranstaltungen und in den Generalproben. Ein weiteres Ergebnis: Was gerade junge Pferde wirklich stresst, ist viel eher das erstmalige Aufsteigen eines Reiters. Das lässt Schlussfolgerungen für Ausbildung, Haltung und Sport zu.

Verhaltensunterschiede von Hengst und Stute

Tief in die Biologie und Biochemie trächtiger Stuten hat zwei Jahre lang Martin Köhne geblickt. Er untersuchte, wie sich die Trächtigkeit besser absichern lässt. Bei jeder fünften Stute hört diese Trächtigkeit nämlich innerhalb des ersten Monats plötzlich wieder auf. Bestimmte Hormone zum richtigen Zeitpunkt könnten diese Quote eventuell verringern.

Manuela Wulf hat sich in Neustadt mit den Verhaltensunterschieden zwischen Hengsten und Stuten befasst: Was ist angeboren, was erworben? Ihre Untersuchungen reichten dazu zurück bis vor die Geburt der Fohlen. Schon als Fötus entwickeln sich Stuten anders als Hengste ‒ und das wirkt sich auch auf die Mütter aus. Diese gegenseitige Beeinflussung zwischen Stute und Fohlen wird die Institutsmitarbeiterin weiter beobachten ‒ bis hin zur hormonellen und genetischen Ebene. Gerade auch im Reitsport spielen die geschlechtsspezifischen Verhaltensunterschiede beim Pferd nämlich eine bedeutende Rolle.

Weitere Forschungen des Graf-Lehndorff-Institutes befassen sich mit Gebärmutterentzündungen bei Stuten, mit der von Hengst zu Hengst unterschiedlichen Eignung des Spermas für die Tiefkühlung, mit der Auswirkung von Stress auf die Geburt und mit den jahreszeitlichen Einflüssen auf die Fohlenentwicklung.

Artgerechte Haltung wird zum Forschungsschwerpunkt

"Mit der Umsetzung der Leitlinien für Tierschutz in der Pferdehaltung in Deutschland sind künftig vermehrt Diskussionen und Fragen, auf die es bislang keine wissenschaftlich gesicherten Antworten gibt, zu erwarten", schätzt die Leiterin des Institutes, Christine Aurich, im Vorwort des Jahresberichtes ein. Gerade die artgerechte Haltung werde immer mehr zum Forschungsschwerpunkt. Der prägt beispielsweise die Arbeit von Pferdewissenschaftlerin Manuela Wulf in Neustadt. Sie betreut seit Jahren alle Fohlen des Neustädter Gestüts und deren Mütter sozusagen hautnah. Das Ziel der Forschung ist für sie klar: "Wir vom GLI haben uns der Gesundheit der Fohlen und der Zuchtstuten verschrieben."

Seit 2007 arbeiten das Neustädter Gestüt und die Wiener Universität bei dem Institut zusammen. Dieses wiederum unterhält enge Kontakte unter anderem nach Schweden und Frankreich. Neben der Forschung ist die Ausbildung von Studenten das wichtigste Betätigungsfeld.

Internet: www.neustaedter-gestuete.de

Von Alexander Beckmann

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