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Pflanzliche Einwanderer

Neuruppin Pflanzliche Einwanderer

Fremdländische Tier- und Pflanzenarten sind ein Naturschutzproblem – auch im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Um die weitere Ausbreitung von Pflanzen zu verhindern, die einheimische Arten verdrängen, bitten die Naturparkmitarbeiter nun um Unterstützung. Riesenbärenklau, Sacchalin-Knöterich und Indisches Springkraut werden seit diesem Jahr von der Naturwacht kartiert.

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Das Drüsige oder auch Indische Springkraut ist zwar insektenfreundlich, lässt aber anderen heimischen Pflanzen wenig Raum zum Wachsen.

Quelle: Foto: Privat

Neuruppin. Unter Vogelfutterhäusern können recht unscheinbare Pflanzen gedeihen, die es oftmals allerdings in sich haben. Die Beifuß-Ambrosia ist eine nordamerikanische Pflanze, die immer wieder über billiges Vogelfutter eingeschleppt wird.

Wer jetzt die Futterstellen im Garten für die neue Saison vorbereitet, sollte auch den Platz darunter kontrollieren und eventuell entdeckte Pflanzen mit der Wurzel beseitigen – möglichst vor der Samenreife. Ambrosia blüht von Juli bis Oktober. Die Samen keimen von Ende April bis Mitte Oktober. Die Pflanzen bilden mehrere tausend Samen, die bis zu 40 Jahre überleben. Die Pollen, aber auch der Hautkontakt mit dem Blütenstand können bei Menschen heftige Allergien auslösen. Vogelfreunden empfiehlt der Naturschutzbund für die nächste Winterfütterungssaison, hochwertiges und speziell gereinigtes Vogelfutter aus dem Fachhandel zu kaufen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte sich das nächste Winterfutter selbst mischen. Ambrosia ist aber nicht die einzige problematische Pflanze, die zu den so genannten invasiven Arten zählen; das sind Neophyten, die einheimische Pflanzen verdrängen und natürliche Lebensräume zerstören können. Zu diesen Pflanzen gehören zum Beispiel auch die Späte Traubenkirsche, der Riesenbärenklau und das Drüsige Springkraut. Letzteres ist mit seinen rosa Blüten besonders schön anzusehen.

Springkraut wird schnell sehr groß

„In unserer Region gibt es einige Stellen, an denen Neophyten wachsen – auch auf Vertragsnaturschutz-Flächen“, sagt Heiko Strobel vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. „Das Springkraut ist für Gärtner interessant, weil es so schön blüht. Problematisch ist diese Pflanzenart, weil sie in kürzester Zeit sehr groß wird und so andere Pflanzen schnell überdeckt. Selbst Brennnesseln werden verdrängt.“ Für sein schnelles Wachstum benötigt es eine ausreichende Wasserversorgung. Deshalb wächst es vor allem in feuchten Wäldern, Auen- und Uferlandschaften. Da sich das Drüsige Springkraut nicht vegetativ vermehrt, kann man es relativ gut beseitigen, indem man es vor der Samenreife ausreist. Geschieht das nicht rechtzeitig, so vermehren sich die Pflanzen recht üppig. Die Kapselfrüchte schleudern bei kleinsten Erschütterungen die Samen heraus, die bis zu sieben Meter weit fliegen können. Eine Pflanze produziert etwa 1600 bis 4300 Samen. Deren Keimfähigkeit bleibt mehrere Jahre erhalten. Gärtner und Imker sind nicht unschuldig an der Ausbreitung des Springkrauts. Als Gartenpflanze und wegen des reich produzierten Nektars als Bienenfutterpflanze wurde es aus seiner ostindischen Heimat nach Europa importiert. In frischem Zustand ist die Pflanze leicht giftig. Die Samen sind allerdings roh und gekocht genießbar; sie sind ölhaltig und sollen nussig schmecken. Bernd Ewert vom Neuruppiner Kreisverband des Naturschutzbundes empfiehlt dennoch, vom Anbau der Pflanzen unbedingt Abstand zu nehmen, da sie in kurzer Zeit den eigenen Garten und auch den des Nachbarn überwuchern.

Staudenknöterich ist besonders schlimm

Kaum in den Griff zu kriegen sind hingegen Flächen, die erst einmal vom Staudenknöterich befallen sind. Hat der invasive Neophyt erst einmal stabile Bestände gebildet, dann ist die Bekämpfung schwierig. Die Verbreitung der Staudenknöteriche erfolgt in der Regel über Rhizomteile, die mit jeder Bodenbewegung verteilt werden können. Auch diese Problempflanze ist – vermutlich über Gartenabfälle – im Ruppiner Land bereits in die freie Natur gelangt und verdrängt heimische Arten.

„Fremdländische Tier- und Pflanzenarten sind ein Naturschutzproblem im Naturpark“, sagt Silke Oldorff, Landschaftsplanerin in der Naturparkverwaltung. Um die weitere Ausbreitung der Neophyten zu verhindern, bitten die Naturparkmitarbeiter nun um Unterstützung. Die Schwierigkeiten waren ihnen bereits seit Jahren bekannt. Beim Naturschutztag im Februar dieses Jahres sprach Silke Oldorff dieses Problem an. Um einen Überblick über das Vorkommen invasiver Pflanzenarten im Naturpark zu erhalten, werden Riesenbärenklau, Sachalin-Knöterich und Indisches Springkraut nun von der Naturwacht genau kartiert und beobachtet. Alle Einwohner und Gäste des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land sind aufgerufen die Kartierung zu unterstützen und sich an die Naturpark-Mitarbeiter zu wenden, wenn sie derartige Pflanzen entdecken.

Von Cornelia Felsch

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