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Pflegewohnhaus wird umgebaut

Wusterhausen Pflegewohnhaus wird umgebaut

Die Handwerker bemühen sich bei ihrer Arbeit so leise zu sein wie die Wichtel: Das Pflegewohnhaus von „Pro Seniorenpflege“ in Wusterhausen wird umgebaut. Dabei sollen die Bewohner so wenig wie möglich gestört werden. Doppelzimmer werden zu Einzelzimmern umgestaltet.

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Dennis Vogel und seine Kollegen von der Neuruppiner Firma Unibau sind zur Zeit mit dem Umbau beschäftigt.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Es hämmert. Und es bohrt. Kurz stimmt eine Säge ein. Ihr Kreischen klingt allerdings wie mit Watte gedämpft. Zu sehen ist nichts. Dicke Planen, die von der Decke hängen, lassen vom Flur aus keinen klärenden Blick zu. Dennoch besteht kein Zweifel: Im Pflegewohnhaus des Vereins Pro Seniorenpflege in Wusterhausen wird gewerkelt.

Helfer des Weihnachtsmannes sind ja in der Adventszeit eigentlich nichts Besonderes. Aber arbeiten die nicht erst, wenn alle schlafen? Jetzt ist es heller später Vormittag. Obwohl: Etwas geheimnisvoll geht es schon zu im Bau, der für 60 Menschen im hohen Lebensalter Heimat geworden ist. Vielleicht liegt ja darin die Lösung. Die Senioren – zwei 100-Jährige sind darunter – sollen nicht mehr als nötig gestört werden.

Pflegedienstleiterin Iris Schulz (links) mit Ilse Herzog

Pflegedienstleiterin Iris Schulz (links) mit Ilse Herzog

Quelle: Wolfgang Hörmann

Heike Wahrenburg vertreibt alle Gedanken an Wichtel und Wunder schnell zurück in die Märchenwelt. Sie lebt in der Wirklichkeit. Die Leiterin der Einrichtung und ihre rund 50 Kollegen arbeiten schon seit Oktober auf einer Baustelle. Und die ist ziemlich groß, allerdings in einzelne Etappen aufgeteilt. Ein Rheinsberger Architekturbüro steuert, was Männer aus unterschiedlichen Firmen und Gewerken bis Ende des nächsten Jahres praktisch umsetzen. Die noch vorhandenen 16 Doppelzimmer sollen bis dahin verschwunden sein.

Pro Seniorenpflege setzt als Träger des Hauses damit eine 2010 vom Sozialministerium verfügte Vorgabe um. Sie besagt, dass bis 2020 nur noch Einzelzimmer bezogen werden dürfen. Die Wusterhausener liegen also im Plan, was allerdings kein Grund ist, Bauleute wie Dennis Vogel, Bernd Hahrendt und ihre Kollegen von Unibau Neuruppin in der Adventszeit auszusperren.

Bewohnerin freut sich auf das Weihnachtsprogramm

„Sie geben sich alle Mühe, uns nicht mehr als nötig zu stören. Und es ist ja auch spannend, was gerade passiert“, sagt Ilse Herzog. Die 84-Jährige wohnte bis vor vier Jahren in Segeletz, „bis es einfach nicht mehr ging“, wie sie erzählt. „Aber ich habe es hier gut getroffen. Mir fehlt es an nichts.“ Ilse Herzog gehört zum Bewohnerschaftsrat, der so etwas wie das Bindeglied zur Leitung des Hauses und den Beschäftigten im Pflegedienst ist. Die Frau im Rollstuhl findet gut, was für die Vorweihnachtszeit vorbereitet worden ist. Es ist mittlerweile Mittagszeit. Pflegedienstleiterin Iris Schulz bringt Ilse Herzog zu Tisch.

Die Chefin übernimmt, zählt auf, was die Bewohner so alles erwartet. „Vor dem 1. Advent haben wir die ersten Kekse gebacken. Zum 3. Advent machen wir das wieder. Dann kommen Kinder unserer Beschäftigten hinzu. Die Kita ‚Regenbogen’ wird uns an einem anderen Tag besuchen. Sie bringen Winterlieder mit. Der Seniorenchor und der Kyritzer Shantychor „De goode Winds“ steuern bis zum Fest ihre Programme bei. Wir haben gute Kontakte und pflegen sie auch.“

Kaffee, Schwarzwälder Kirschtorte und bunte Teller

Ein Teil der Bewohner wird Heiligabend und die folgenden Feiertagen mit Kindern oder anderen Verwandten verleben. Damit auch alle daran teilhaben können, wird die „große“ Weihnachtsfeier im ­Pflegehaus mit Kaffee, Schwarzwälder Kirschtorte, bunten Tellern und kleinen Geschenken für jeden bereits am 21. Dezember stattfinden. Auf den Weihnachtsmann in persona wollen die Senioren in diesem Jahr verzichten. Das haben sie den Bewohnerschaftsrat wissen lassen.

Vielmehr interessiert sie derzeit, was die fremden Männer hinter den Vorhängen so treiben. Wieder knarrt es ­geheimnisvoll aus einer Ecke an der vorübergehend eingesetzten Tür, durch die man auf die eigentliche Baustelle kommt. Vielleicht ist ja mal irgendwann eine Besichtigung drin. Jetzt noch nicht. Jetzt ist es Zeit sich zu platzieren für alle, die an einer Lesung teilnehmen wollen. Der Aufzug schleicht leise bis zum Essenraum im Kellergeschoss.

Es sind nur Frauen, die heute Inge Hering zuhören wollen. Die blinde Frau legt einen Stapel weißen Papiers mit geprägter Brailleschrift vor sich hin, ihre Hände lesen, was die Augen nie konnten. Es ist die Fortsetzung eines Romanes, der im Milieu der Adligen angesiedelt ist. Der Umbau oben ist schnell ganz weit weg.

Von Wolfgang Hörmann

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