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Pia Fischers Kunst verkleidet Schink-Porzellan

Rheinsberg Pia Fischers Kunst verkleidet Schink-Porzellan

Der Tropfenfänger der Kanne kann als Ring getragen werden, der Teewärmer ist eine blühende Blumenwiese, die Kleider bestehen aus Reißverschlüssen und Label-Bändern: Pia Fischer verarbeitet in ihren Kreationen Kurzwaren und ausrangierte Textilien. Das zauberhafte Ergebnis ist derzeit in der Rheinsberger Galerie von Hendrik Schink zu sehen.

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Pia Fischer, im Hintergrund Rucksäcke aus Labelbändern.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. „Es war meine Aufgabe, die Keramik anzuziehen“, sagt Textilkünstlerin Pia Fischer. Die Keramik ist eigentlich feines Porzellan und stammt aus dem Brennofen des Keramikers Hendrik Schink. In dessen Rheinsberger Galerie durfte Pia Fischer sich austoben. Das Ergebnis ist prachtvoll. Zieht man der Kanne den Tropfenfänger ab, hält man einen Ring in der Hand, den statt des Steins eine zarte Blüte krönt. Eine schlanke Vase bekommt eine Halskrause aus blaugemusterten Bändern und das winzig-weiße porzellanene Erdnüsschen ist das Sahnehäubchen auf dem „Frauenorden“ – einer Kreation aus gefälteltem Etikettenband mit barockem Webmuster und Schmuck-Perlen. Das taschenartige Gebilde aus fröhlich-bunten Stoffrosetten taugt zum Teekannenwärmer. Ganz Mutige könnten ihn vielleicht als Hut tragen. Aufmerksamkeitsfaktor: extrem hoch. Aber das gilt eigentlich für alle Stücke der Wahlberlinerin.

Raffiniert aus Reißverschlüssen

Raffiniert aus Reißverschlüssen: ein leuchtendblaues Abendkleid.

Quelle: Regine Buddeke

„Herr Schink hat mir vor drei Monaten eine Kiste mit Porzellan geschickt – damit habe ich mich dann beschäftigt“, erzählt Pia Fischer von der Idee, die zur Symbiose von Textil und Keramik führte. Es habe Spaß gemacht, die Kännchen anzuziehen. Dass Pia Fischer auch Menschen anzieht, sieht man in erster Linie an ihr selbst: Sie trägt ihre Ringe und Orden, ein Etikettenband wird zur witzigen Schärpe, ihr Blazer ist am Kragen mit Fantasie-Labels verziert. Echte verwendet sie nie, allerhöchstens alte und von den Modemarken nicht mehr verwendete. Pia Fischer kommt aus der Haute Couture. In Luzern hat die gebürtige Schweizerin gelernt und ihr eigenes Modelabel betrieben, bevor die Liebe sie 1991 nach Berlin trieb. Dem Hang zur Eleganz und Theatralik, mit der die Haute Couture sich schmückt, ist sie treu geblieben. An den Wänden der Galerie Schink hängen große Abendroben mit Königinnen-Halskrause. Genäht sind sie aus dicht an dicht gereihten Reißverschlüssen oder den besagten Label-Bändern. Verziert sind sie mit Druckknöpfchen oder Perlchen, Strass und prächtigen Borten. „Viele meiner Kundinnen sind Schauspielerinnen“, sagt Pia Fischer angesichts der extravaganten Modelle. Sie verwendet alles, was sich nur irgendwie nähen lässt, und schafft daraus ihre ganz eigene Mode: opulent und festlich, elegant, mit Witz.

Rucksack aus Label-Band

Rucksack aus Label-Band.

Quelle: Regine Buddeke

„Upcycling“, sagt sie und zeigt ein Täschchen aus dem unteren Teil eines Hemdärmels. „Der Rest war nicht mehr zu gebrauchen.“ Oder der gut erhaltene Spitzenkragen einer Bluse. Pia Fischer hat ihn zu etwas anderem gemacht. Alte Jeans? Her damit. Krawatten? Warten nur darauf, zerschnitten und neu kombiniert zu werden. Ganz scharf: die Abendtasche aus einem schwarzen Spitzen-BH. Pia Fischer hat die Körbchen gegeneinander genäht und mit einem Reißverschluss versehen. Platz für Lippenstift, Schlüssel, Börse und Handy ist allemal. Die Körbchengröße entscheidet über den Stauraum. Auch Rucksäcke kann man gut aus Labelbändern nähen. Das dauert ein paar Stunden: Für die großen vernäht sie 35 Meter Band. Der Blumenwiesen-Teewärmer hat eine Woche Arbeit gekostet. Die Kleider aus Reißverschlüssen brauchen gut einen Monat.

Der Frauen-Orden

Der Frauen-Orden: auch aus Fantasie-Labelbändern und der Porzellan-Nuss von Hendrik Schink.

Quelle: Regine Buddeke

Zur Vernissage war die Galerie voll, einige Stücke hat Pia Fischer schon verkauft. „Angela Merkel ist schon wieder weg“, sagt sie und schmunzelt. Denn neben ihren Handtäschchen mit Beatles, Euro-Scheinen oder dem Kronprinzen Friedrich hat sie auch die Kanzlerin verarbeitet. Warum? „Bei mir um die Ecke wohnt der Mann, der immer das Kanzleramt malert“, sagt sie. Der habe das einst in Auftrag gegeben – Pia Fischer hat eine Kleinserie daraus gemacht.

Ohnehin mag sie Serien. Die Moma hat sie einst zu Textilbildern inspiriert: „Ich habe vier Picassos genäht, einen Schiele, Matisse, Delauney, einen Keith Haring in 3D und einen Kandinsky ganz aus Knöpfen“, erzählt sie. Einige könne man anziehen. Großes Plus: „Meine Kleider kosten viel weniger als die echten Bilder“, sagt sie und lacht. Sie hat „Chakren-Kleider“ genäht, die sieben Erzengel in sieben Kleidern verewigt. Auch Ampelfrau und Ampelmann sowie die vier Jahreszeiten hat sie in neuer Stofflichkeit interpretiert. Die Ideen gehen ihr nie aus: insofern passt der Ausstellungstitel „Mrs Fischers mysteriöse Einfälle“ wie der Haken auf die Öse.

Kaffeekannen-Wärmer oder Hut

Kaffeekannen-Wärmer oder Hut? Geht beides.

Quelle: Regine Buddeke

Die textilen Kreationen von Pia Fischer sind noch bis Ende Mai in der Galerie von Hendrik Schink am Rheinsberger Kirchplatz zu sehen.

Von Regine Buddeke

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