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Ostprignitz-Ruppin Pilzsucher (83) verirrt sich: Geschichte einer dramatischen Rettung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Pilzsucher (83) verirrt sich: Geschichte einer dramatischen Rettung
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16:48 12.09.2016
Einsatzkräfte suchten den 83-Jährigen. Eine Autofahrein fand den entkräfteten Pilzsucher. Quelle: Feuerwehr Wittstock
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Zempow

Am Freitag wurde ein Besucher aus Rostock im Waldgebiet zwischen Zempow und Flecken Zechlin vermisst. Seine besorgte Frau hatte die Leitstelle in Potsdam am Nachmittag alarmiert, weil sie ihren 83-jährigen Mann trotz mehrmaliger Versuche nicht telefonisch erreichen konnte und das schon über Stunden. Sie wusste aber, dass er sich im Bereich Flecken Zechlin und Zempow aufhalten würde, weil in der Nähe auch die Verwandtschaft wohnt. Bei dieser war er zu Besuch. Bekannt war ihr auch, dass er mit dem Pkw in dieser Gegend eine Spazierfahrt unternommen hat. Dass er sich aber nicht meldete und auch nicht ans Handy ging, wenn sie ihn anzurufen versuchte, machte der Frau große Sorgen. Ihr Mann litt nämlich auch unter Herz-Kreislaufproblemen, was bei diesem Alter jedoch nicht ungewöhnlich ist. Doch dieser Umstand war auch für die Leitstelle der entscheidende Anlass, sofort möglichst viele verfügbaren Kräfte für eine Suche nach dem Mann zu mobilisieren. Das geschah um 16.01 Uhr.

Im vergangenen hatte sich eine Familie mit dem Fahrrad im Naturschutzgebiet Döberitzer Heide auf dem Weg nach Falkensee verirrt. In letzter Sekunde konnten sie ihre GPS-Koordinaten auf das private Handy eines Polizeibeamten senden, bevor das Akku streikte. Der Fall schlug Wellen: Jüngst entfachte eine Debatte um die Notwendigkeit einer offiziellen Polizeinummer für WhatsApp-Nachrichten und SMS.

Hier lesen Sie weitere Fälle, in denen das Handy bei der Suche geholfen hat>>

Polizeihubschrauber und Rettungshundestaffel angefordert

51 Feuerwehrkameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wittstock und ihrer Einheiten aus Zempow, Sewekow, Berlinchen, Zootzen und Gadow sowie durch weitere Feuerwehrkameraden der Rheinsberger Feuerwehr verstärkt, machten sich auf die Suche. Einsatzleiter Sven Scheer von der Wittstocker Feuerwehr hat auch sofort um Unterstützung bei der Polizei durch den Einsatz eines Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera ersucht, da das Suchgebiet sehr groß und unübersichtlich ist. Außerdem war eine Rettungshundestaffel angefordert worden, um bei der Suche mit allen verfügbaren Mitteln möglichst schnell zu einem Erfolg zu kommen. Fast vor genau einem Jahr war bereits in diesem Gebiet eine ähnliche Aktion erforderlich geworden, weil sich auch damals ein Pilzsucher in diesem Bereich verlaufen hatte und im ziemlich letzten Moment völlig entkräftet und dehydriert, dank eines großen Sucheinsatzes, auf dem dort befindlichen ehemaligen und gesperrten Truppenübungsplatz gefunden wurde.

Bange Blicke der an der Suche beteiligten Retter. Quelle: Feuerwehr Wittstock

So weit sollte es dieses Mal gar nicht erst kommen. Deshalb wurden alle Helfer sofort zu einer Suchkette eingeteilt und Schritt für Schritt von der Verbindungsstraße aus in das Waldgebiet vorgeschickt. Nur etwa 200 Meter abseits von der Straße, an eben der gleichen Stelle wie vor einem Jahr, wurde auf dem ersten Waldweg hinter Zempow in der Straßenkurve, der Pkw des Vermissten gefunden. Das Fahrzeug stand dort abgeschlossen und in dem leeren Auto lag auch das Handy. Nun war es allen Einsatzkräften klar, der 83-Jährige war ebenfalls in diesem Wald unterwegs und möglicherweise sogar schon wieder auf dem gefährlichen Schießplatz gelangt. Die Zeit verrann, die Suchhunde von der Rettungshundestaffel aus Neustrelitz waren inzwischen eingetroffen, alle hofften auf ein schnelles Auffinden des Vermissten. Dann kam die erlösende Meldung von der Einsatzleitung, an der auch die Polizei und Rettungskräfte mit ihren Einsatzfahrzeugen sowie die stellvertretenen Kreisbrandmeister die Aktionen mitverfolgt und koordiniert hatten.

Junge Frau hatte den geschwächten Mann mitgenommen

Eine junge Frau war mit ihrem Auto zwischen Sewekow und Kuhlmühle unterwegs. Sie hatte an der Straße den alten, sichtlich geschwächten Mann gesehen und sofort angehalten. Er nahm gerne ihr Mitfahrangebot an. Durch die vielen Fahrzeugbewegungen der Feuerwehren, der Rettungswagen, Polizeiautos und den Polizeihubschrauber auf eine außergewöhnliche Situation tippend, ahnte die Frau von einer groß angelegten Suchaktion und dass sie den Gesuchten wohl zufällig angetroffen hatte. Sie fuhr den Mann auch direkt bis zur Einsatzleitung und übergab ihn gleich an die Rettungskräfte.

Der Mann hatte sich beim Pilzesuchen verlaufen

Tatsächlich handelte es sich um den Vermissten. Er war zwar auch dehydriert, geschwächt und klagte über Muskelkater, er hatte auch keine Pilze dabei. Aber sein Allgemeinzustand war dann aus Sichtweise der Rettungssanitäter nach einer ersten Inaugenscheinnahme und Untersuchung doch besser und stabiler, als erwartet. Von dem Mann haben die Einsatzkräfte erfahren, dass er Pilze suchen wollte und sich dabei verlaufen hatte. Zum Glück aber hatte er sich zufällig nur bis an die Schießplatzgrenze, immer noch im Wald bewegt. „Wir hätten unsere Feuerwehrkameraden in diesem Fall nicht wieder auf den Schießplatz vorrücken lassen, um den Vermissten zu suchen und sich selbst in Lebensgefahr dafür zu begeben“, sagt nach dem Abbruch der Aktion der Wittstocker Wehrführer und Einsatzleiter. Die Gefahr sei allen damals nach der Suchaktion bewusst geworden und das sollte sich im Eifer auf einen schnellen Erfolg nicht wiederholen.

Verschiedene Feuerwehreinheiten waren beteiligt. Quelle: Gerd-Peter Diederich

Nach diesem glücklichen Ausgang am Freitag jedenfalls wurde der Mann auch von seinen erwachsenen Kindern, Verwandten und seiner Frau in Empfang genommen und nach Hause gefahren. Für alle Suchmannschaften und die Feuerwehrkameraden war der Einsatz dann um 19.03 Uhr erfolgreich beendet. Sven Scheer dankte auch der jungen Autofahrerin für ihr richtiges Handeln und einen siebten Sinn, dass sie die Situation sofort richtig eingeschätzt und alles richtig gemacht habe. Warnend wies er am Schluss nochmals darauf hin, dass dieses Gebiet für alle, ob Spaziergänger oder Pilzsammler, wegen der Lebensgefahr absolut tabu ist. Außerdem sollten Pilzsammler stets ein Handy bei sich tragen, auch in Waldgebieten. Und eine kleine gefüllte Trinkflasche sollte immer mitgenommen werden.

Dann am Abend, noch am Freitag mussten acht Feuerwehrkameraden in Wittstock noch mal los. Sie wurden um 20.04 Uhr angefordert, um einen provisorischen Landeplatz für einen Rettungshubschraubereinsatz an der Clara-Schumann-Straße in der Rote-Mühle-Siedlung in Wittstock auszuleuchten. Dort gab es einen medizinischen Notfall, dafür musste ein Rettungsarzt eingeflogen werden. Die Lichtmacher konnten ihren Einsatz schließlich um 21.15 Uhr beenden.

Polizeisprecher Reinhardt: „Nur in bekanntes Terrain begeben“

Diese Vermisstensuche war bereits die fünfte in diesem Jahr im Polizeidirektionsbereich Ostprignitz-Ruppin und die erste in diesem Herbst. Doch die Pilzsammlersaison gehe nun erst los. Sprecher Toralf Reinhardt von der Polizei in Neuruppin rät daher eindringlich, „sich nur in bekanntes Terrain zu begeben, die Waldspaziergänger genauso, wie die Pilzesucher“. Einen polizeilichen Merkzettel mit Verhaltensregeln und daher auch möglichen Sanktionen gibt es dafür aber nicht. „Jeder sollte sich nur dorthin wagen, von wo man auch sicher wieder den Rückweg antreten kann. Begeben Sie sich nicht unnötig in Gefahr“, sagt Reinhardt. Wer dann auch vorher noch sein Wanderziel vorher bei Bekannten oder Verwandten genau eingegrenzt angibt und eine Zeitspanne bis zur erwarteten Rückkehr benennt, kann im Fall des Falles auch zielgenauer gesucht werden. Womit sich Wanderer vorsorglich zum Spaziergang ausrüsten sollten und wie man sich noch orientieren kann, wenn man sich doch verlaufen haben sollten, solche Auskünfte seien bei Natur-Rangern zu erfragen.

Von Gerd-Peter Diederich

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