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Ostprignitz-Ruppin Pionierarbeit im Ruppiner Land
Lokales Ostprignitz-Ruppin Pionierarbeit im Ruppiner Land
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02:16 08.08.2015
Die Zahl der Elektroautos im Ruppiner Land ist überschaubar – noch, wie Fans des alternativen Antriebs hoffen. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Wenn Max Golde von elektrisch betriebenen Fahrzeugen spricht, dann ist er in seinem Element. Für den Junior-Chef des Hotels und Restaurants „Altes Kasino“ in Neuruppin sind sie die logische Antwort auf viele drängende Fragen zur Nachhaltigkeit. Deshalb hat Golde im vergangenen Jahr eine Stromtankstelle für seine Kunden installiert. Seine Bilanz fällt nach den ersten zwölf Monaten positiv aus. 60 bis 80 Ladungen seien bei ihm seit vergangenem August vorgenommen worden. „Ich hatte mir 20 zum Ziel gesetzt“, sagt Golde zufrieden.

Zugleich räumt der 29-Jährige ein, dass die Tankstelle derzeit finanziell nicht rentabel sei. Zwar essen und trinken die Nutzer in seinem Lokal; doch der zusätzliche Gewinn refinanziere gerade einmal den getankten Strom, nicht jedoch die knapp fünfstellige Investition, die Golde in die Anlage getätigt hat. Max Golde sieht die Tankmöglichkeit daher als Serviceleistung und als Investition in die Zukunft.

Eine Ladestation für Elektroautos. Quelle: Peter Geisler

beispielsweise nur, wenn „ich mit 80 Stundenkilometern immer hinter einem Lkw herfahre“. Mehr lasse die Reichweite des Akkus nicht zu.

Die begrenzte Reichweite ist für Andreas Heidrich einer der Hauptgründe, warum sich noch nicht mehr Kunden für ein Elektrofahrzeug entschieden haben. Der Geschäftsführer des Autohauses Füllgraf hat bislang nur eine kleine Zahl E-Autos verkaufen können. Die hohen Anschaffungskosten ließen viele Interessenten schließlich doch zu konventionellen Fahrzeugen greifen. „Die Regierung fördert die Elektromobilität zwar, aber die Förderkriterien sind schwammig“, sagt Heidrich. Aus Vertriebssicht sei es trotzdem wichtig, Elektrotechnik anzubieten. „Elektromobilität kommt langsam in bezahlbare Bereiche. Inzwischen gibt es sogar einen kleinen Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos“, sagt Andreas Heidrich. Die Skandinavier seien sogar noch ein ganzes Stück weiter. Heidrich hofft, dass besonders kommunale Unternehmen künftig stärker auf elektrische Fahrzeuge setzen. Für kurze Strecken innerhalb Neuruppins seien die Gefährte gut geeignet.

Die Stadtwerke Neuruppin haben beispielsweise vier elektrisch betriebene Dienstfahrzeuge im Fuhrpark, ein fünftes ist bestellt. Auch die Stadtwerke bieten seit drei Jahren Strom an einer Ladestation an – kostenlos. Die Resonanz ist verhalten. Vier bis fünf Kunden kämen im Jahr zusammen, sagt der Geschäftsführer Joachim Zindler. Er glaubt, dass noch „vieles in den Köpfen passieren muss“, ehe sich Elektromobilität durchsetzt. „Pioniergeist“ umwehe die Elektromobilität derzeit, ergänzt der Stadtwerke-Vertriebsleiter Guido Gerlach. Weit mobiler sei man mit Erdgas beziehungsweise Bio-Erdgas unterwegs, so Zindler, zumal der Strom für die Elektrofahrzeuge nicht derart CO2-neutral produziert werde, wie viele Menschen glaubten.

Der Neuruppiner Junior-Hotelchef Max Golde hat eine Stromtankstelle für seine Kunden installiert. Quelle: Mischa Karth

Max Golde plant unterdessen, sich im nächsten Jahr selbst ein Elektroauto zuzulegen. Im Internet tauscht er sich intensiv mit Gleichgesinnten aus. „Das ist wie eine große Familie“, sagt Golde. Wichtig sei, „nicht nur zu reden“, sondern die Pläne in die Tat umzusetzen. Deshalb hat er seine Zapfsäule vor Kurzem um einen zweiten, doppelt so starken Anschluss erweitert. „Der hat mich noch mal 1200 Euro gekostet“, sagt der Junior-Chef. Doch er hofft, dass sich das Voranschreiten in Sachen Elektromobilität eines Tages lohnt. Wenn die breite Masse mit Elektroautos fahren sollte, dann müsse jeder Strom anbieten – „und dann will ich nicht der Letzte sein“, sagt Max Golde.

Begrenzte Reichweite

Laut Kraftfahrtbundesamt wurden im Juli bundesweit gut 290 000 Autos neu zugelassen, darunter 962 Elektroautos. Hinzu kamen 2859 Fahrzeuge mit Hybridantrieb – meist einer Kombination aus einem Verbrennungs- und einem Elektromotor.

Geladen wurden die Akkus überwiegend an ausgewiesenen Ladestationen. Zwar ist die „Betankung“ auch an einer gewöhnlichen Steckdose möglich, dauert dann aber sehr lange. Problematisch für Kunden: Es gibt derzeit mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Ladestecker.

Die Reichweite hängt vom Akku ab. Während sich mit einem Tesla Model S knapp 500 Kilometer pro Ladung erreichen lassen, sind für viele Kleinwagen 150 Kilometer das Maximum.

Von Mischa Karth

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